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worte gebracht. Du willst während der Notabelnversammlung des Kindes wegen, dem die Pariser Luft nicht gut bekommt, in Froberg bleiben, Du freust dich sogar, mit ihm allein zu sein, der täglichen, stündlichen Pein enthoben, die die Zärtlichkeiten des Marquis für den Kleinen dir verursachen. Und ich?" Und die Möglichkeit, daß wir den rechten Augenblick versäumen könnten, einander ganz zu gehören?"

Überlege mit dem Herzen, Geliebte, das in Wahrheit der Kopf der Frauen ist.







Prinz Friedrich-Eugen Montbéliard an Delphine.
Paris, 16. Februar 1787.


Geliebteste. Dich nicht hier zu wissen, ist qualvoll genug, aber zu denken, daß

Du allein in Froberg trüben Gedanken nachhängst, verwundet mein Herz noch mehr. Mir ist, als hätte auf dem Papier Deiner Briefe Deine Hand gelegen, heiß von der Stirn, auf die sie kurz vorher gepreßt war, als schwebe um jedes Wort ein langer Seufzer. Und doch sollte ein einziger Gedanke genügen, Dich aufzurichten: daß unser Schicksal von Deinem Willen allein abhängt. Willst Du Dich trennen von dem Manne, der Güte, Rücksicht, Vornehmheit benutzt, um Dich unter diesem Deckmantel nur um so mehr quälen zu können, so kannst Du es auch. Wahrhaftig, Du hast ihm

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Lily Braun: Die Liebesbriefe der Marquise. München 1912, Seite 415. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Die_Liebesbriefe_der_Marquise_(Braun).djvu/421&oldid=- (Version vom 31.7.2018)