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unbekannt: Die Frau

Streit endet, und still duftend legt sich die Natur zur Ruhe. Der Augenblick ist gekommen, wo das Frauenherz seinem inneren von der Welt abgeschlossenen Leben Rechnung trägt, die Edelsteine seines verborgenen Schatzes überzählt, ob ihm keiner verloren ging in dem Gewühle und Gedränge der Lebenssorgen. Jedes Bauernweib sehen wir noch in später Stunde auf der harten Eingangsstufe ihrer armseligen Hütte sitzen, und ohne zum Bewußtsein zu kommen, was sie eigentlich aus der dumpfen Stube hinauszieht, schwermüthig in den Mond stieren. Aber, es stiert ihn an.

Unsere riegelsame Hausfrau nun, oft aus den gebildetsten Ständen, wer glaubt es, wirft nicht einen Blick auf Gottes Herrlichkeiten!

Der Mond ist ja keine Kolatsche, die Thautropfen sind keine abgestrickten Maschen. Sie schließt sich ein, strickt und wickelt, und wickelt und windet, – keine himmlischen Rosen – aber viele Strümpfe ins irdische Leben. Ausgefüllt von diesem Wirken, zufrieden mit sich und Allem, was ihr beschieden ist, selbst ihren Empfindungen die eisernen Ketten schwungloser Genügsamkeit anlegend, gehen ihre sonst schätzenswerthen Eigenschaften werthlos, unbeachtet unter, weil sie formlos

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unbekannt: Die Frau. Carl Winiker, Brünn 1859, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Die_Frau_anonym_1859.djvu/20&oldid=- (Version vom 21.11.2023)