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Liste.png Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses.

nichts aus ihm herauszubringen. Aber jetzt geht mir ein Licht auf: Ihr Mann ist nach Baden-Baden gereist, nicht um seine Schwiegermutter zu erschießen, sondern um seine Schwägerin …“

„Ja, darin besteht seine Schuld, daß er hinter meinem Rücken nach Baden gefahren ist, um sich mit Olga zu treffen. Was dann weiter geschehen ist, weiß ich nicht, es interessiert mich auch nicht so sehr. Sie sehen, ich bin eine alte Frau, ein Wrack, reizlos – da hat er sich von mir ab der Jüngeren zugewandt, die ja auch pikanter ist als ich. Übrigens ist das zwischen den beiden nicht erst neueren Datums, sie hatten schon vor sechs Jahren etwas miteinander.“

„Was Sie da sagen, ist von ungeheurer Wichtigkeit. Bitte erzählen Sie mir alles von Anfang an, so ausführlich wie möglich.“

„Was soll das für einen Zweck haben? Die Öffentlichkeit braucht darüber nichts zu erfahren. Ich nehme mein Wissen mit ins Grab, mein Mann wird weiter schweigen, und meine Schwester wird selbstverständlich auch schweigen. Ich werde meinen Mann veranlassen, daß er nach mir auch in den Tod geht. Das Kind soll in Olgas Hände kommen, denn da wird es nach dem Tode der Eltern noch die meiste Liebe finden. Sie selber möchte ich bitten, das Amt des Vormunds zu übernehmen.“

Dr. Dietz bezeigte nicht die mindeste Lust, das Amt des Vormunds zu übernehmen, gab auch seinem Zweifel Ausdruck darüber, ob Fräulein Olga für das Kind die geeignete Erzieherin sei, wollte aber vor allem Näheres hören über die Beziehungen zwischen dem Angeklagten und seiner Schwägerin.

War es nun das Bedürfnis, sich vor ihrem Tode einmal mit einem Menschen rückhaltlos über diese Dinge auszusprechen, oder verfolgte sie damit irgendeinen Zweck, oder war es eine momentane Schwäche – sie hat ihm alles erzählt, was er zu wissen begehrte. Ich bin überzeugt, daß sie das später bereut hat. Denn wenn sie wirklich, wie sie sagte, deshalb in den Tod gehen wollte, damit diese

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Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses.. Ullstein, Berlin 1925, Seite 85. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Das_Todesurteil_(Hau).djvu/86&oldid=- (Version vom 31.7.2018)