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Liste.png Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses.

6. Fahrten

Nun glaubte der Untersuchungsrichter, nachdem seine Hoffnung, durch Kreuzverhöre ein Geständnis zu erzielen, gescheitert war, noch einen Trumpf in der Hand zu haben, und den spielte er jetzt aus.

Eines Abends wurde ich darauf vorbereitet, daß ich am nächsten Morgen nach Baden-Baden gebracht würde. Zu welchem Zweck? Achselzucken. Ich konnte es mir ja denken.

Es ging zuerst mit der Bahn bis Oos. Hier standen zwei Wagen bereit, in den einen stieg der Untersuchungsrichter mit dem Staatsanwalt und in den anderen der Angeklagte, begleitet, wie üblich, von zwei Kriminalbeamten, denen sich als Dritter hier noch der ältere der beiden Wachtmeister zugesellte, die mich in London abgeholt hatten. Der Herr Wachtmeister begrüßte mich leutselig und stellte unterwegs viele Fragen, die ich ihm zum Teil, wenn und wie es mir gerade paßte, beantwortete und zum Teil nicht. Seine Zudringlichkeit und Wichtigtuerei verdrossen mich; wo ich ihn auf eine falsche Fährte locken konnte, tat ich es mit Vergnügen. Daß dieser grobschlächtige, täppische Mensch sich einbildete, mich ausforschen zu können, war ja auch grotesk. Zum Sherlock Holmes fehlte dem Herrn Wachtmeister nicht weniger als alles. Ich habe es immer als ein besonderes Pech betrachtet, daß gerade er als erster sich am Tatort eingefunden und die ersten Nachforschungen angestellt hat.

Als wir uns der Bäderstadt näherten, fuhr der Wagen rechts

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Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses.. Ullstein, Berlin 1925, Seite 65. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Das_Todesurteil_(Hau).djvu/66&oldid=- (Version vom 31.7.2018)