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Liste.png Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses.

meine Vergangenheit und über meinen Charakter einvernommen, ließ die günstigen Aussagen unter den Tisch fallen und sammelte eifrig alles, was sich in der Anklageschrift gegen mich verwenden ließ. Daß ich zeitlebens ein sonderbarer Kauz gewesen war, das konnte man wohl aus den verschiedenen Berichten entnehmen. Interessant war es mir, bei dieser Gelegenheit zu erfahren, wie meine Schulkameraden und Universitätsfreunde über mich urteilten. Einige bekannten sich tapfer zu mir, ungeachtet der schwarzen Wolke, die jetzt über mir hing; andere merkten, was der Untersuchungsrichter gerne hörte, und waren bestrebt, ihm dienlich zu sein. Erstaunlich, wie wenig Mühe es macht, das Vorleben eines Menschen, den man eines schweren Verbrechens für schuldig hält, in das entsprechende Licht zu rücken; die harmlosesten Begebenheiten gewinnen dann plötzlich eine neue Bedeutung.

Was ich selber erzählte über die letzten fünf Jahre, die ich in Washington verlebt hatte, wurde mit ausgesprochener Skepsis entgegengenommen. Ja, man ging so weit, mir anzudeuten, man sei überzeugt, ich hätte während dieser Zeit ein Abenteurerdasein geführt, sei weder als Anwalt zugelassen noch zur Professur an der Universität. Die Erhebungen, die man drüben anstellen werde, würden zweifellos ergeben, daß das alles nichts sei als amerikanischer Humbug.

Noch abenteuerlicher aber als mein Leben in Amerika kam dem Untersuchungsrichter und dem Staatsanwalt mein Tun und Treiben im Orient vor. Das war schon direkt hochstaplerisch. Konnte ich leugnen, daß der Kern aller türkischen Geschäfte Bestechung gewesen sei? Daß sich alles drehte um Bakschisch? Der deutsche Botschafter in Konstantinopel, Freiherr von Marschall, war über diesen Punkt als Zeuge vernommen worden. Seine Exzellenz würde wahrscheinlich den Sommerurlaub in Baden verbringen, wurde mir gesagt, und könne ja nötigenfalls in der Hauptverhandlung als Zeuge gehört werden. Worauf ich erwiderte, daß

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Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses.. Ullstein, Berlin 1925, Seite 63. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Das_Todesurteil_(Hau).djvu/64&oldid=- (Version vom 31.7.2018)