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wiederum fallen gelassen mitsamt den ungemein charakteristischen zwei Mark –, wie konnte ich also beim Alleehaus die Droschke bestiegen haben? Statt also die Aussage der Zeugin durch einen Richter zu Protokoll nehmen zu lassen, schickte man ihr den rotbärtigen Wachtmeister ins Haus, der geduldig lächelnd die Räubergeschichte anhörte und dann mit gutmütigem Spott bemerkte: „Aber, Fräulein, was wolle Se denn eigentlich? Sie wolle doch den Hau nit heirate?“ Und mit diesem geistreichen Witzwort war die Sache erledigt. –

Es sah, nachdem ich meine Erklärung bezüglich des Motivs der Badener Reise abgegeben hatte, eine Weile so aus, wie wenn die Verhandlung noch am gleichen Abend zum Abschluß gebracht werden könnte. Der Vorsitzende erkundigte sich bei Staatsanwalt und Verteidiger, wieviel Zeit sie für ihre Plädoyers wohl benötigten, und außerdem waren nur noch die amerikanischen Zeugenaussagen übrig. Um rasch zu Ende zu kommen, verzichtete der Verteidiger auf deren Verlesung. Während der nun eintretenden Pause nahmen wir im Gefängnis zusammen einen kleinen Imbiß ein. Dr. Dietz war siegesgewiß, er hatte von dem psychiatrischen Sachverständigen, Professor Aschaffenburg, eine Karte erhalten, worin dieser seiner Überzeugung Ausdruck gab, daß der Prozeß mit einem Freispruch enden werde.

Aber als nach der Pause die Sitzung wieder aufgenommen wurde, ergaben sich allerhand Verzögerungen; es war offensichtlich, daß der Vorsitzende einen Abschluß für diesen Abend nicht wünschte.

Noch der ganze nächste Tag ging hin mit Zeugenvernehmungen, von denen die eine immer belangloser war als die andere. Dann erhielt der Staatsanwalt das Wort zur Begründung der Anklage.

Er sprach zunächst mit Pathos von dem „blutgetränkten Boden der friedlichen Bäderstadt“. Sehr wirkungsvoll auf die Geschworenen mag das Argument gewesen sein, daß eine exemplarische Bestrafung dieses Verbrechens schon deswegen ein Gebot der Notwendigkeit sei, weil sonst viele Kurgäste von dem Besuch Baden-Badens abgeschreckt

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Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses.. Ullstein, Berlin 1925, Seite 132. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Das_Todesurteil_(Hau).djvu/133&oldid=- (Version vom 31.7.2018)