Seite:De Das Todesurteil (Hau).djvu/124

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses.

„Nachdem er sich mit meiner Schwester verheiratet hatte, habe ich meinen Schwager nicht mehr gesehen bis zum Sommer vorigen Jahres.“

„Irgendwelche Beziehungen – wie soll ich sagen? – intimer Art haben zwischen Ihnen nicht bestanden?“

„Nein.“

Der Vorsitzende wandte sich zu mir. „Angeklagter, Sie haben gehört, was die Zeugin ausgesagt hat. Wollen Sie etwas dazu bemerken?“

„Nur das eine: daß die Beziehungen zwischen meiner Schwägerin und mir immer korrekt gewesen sind.“

Dr. Dietz, der sich nur mit Mühe hatte zügeln lassen, warf ein, daß es doch den Anschein habe, als ob die Eifersucht meiner Frau nicht ganz unbegründet gewesen, und verwies auf die Briefe, die meine Frau mir im September und Oktober nach Konstantinopel geschrieben habe, und auf das Zeugnis des Kindermädchens. Dem hielt ich entgegen, daß die Auslassungen in den Briefen nur subjektiver Art seien und die Erzählung des Kindermädchens Dienstbotentratsch. So wurde denn nach einigem Hin und Her das heikle Thema für diesmal fallen gelassen. Aber der Verteidiger eröffnete mir in der nächsten Pause, er halte es für unumgänglich, daß ich dem Gerichtshof eine Erklärung abgebe über das Motiv meiner Reise nach Baden-Baden. Übrigens habe er sich entschlossen, auf Freisprechung zu plädieren, er halte mich nicht mehr für den Täter. Wenn er auch meinen Vorsatz noch nicht umwarf, einigermaßen ins Wanken brachte er ihn doch.

Von den drei psychiatrischen Sachverständigen sprach zuerst der Bezirksarzt. Erstaunlich, was für ein Fertigfabrikat der Mann aus dem dürftigen Rohstoff, den er seinerzeit in dem famosen Notizbuch aufgestapelt, zustande gebracht hatte. Er schilderte mich als einen Ausbund von Verworfenheit. Ließ kein gutes Haar an mir und bemühte sich dann, bis ins einzelne gehend, den Nachweis zu führen, wie ich

Empfohlene Zitierweise:
Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses.. Ullstein, Berlin 1925, Seite 123. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Das_Todesurteil_(Hau).djvu/124&oldid=- (Version vom 31.7.2018)