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„Das werden sie wohl“, sagte ich mechanisch.

Julchen schüttelte traurig den Kopf: „So ’was! Zu still war es ihr hier, das hab’ ich gemerkt. Solche unruhige Augen. Wenn ich mit ihr unten im Garten spazieren ging, dann rannte sie, rannte sie, so daß es schwer war, ihr nachzukommen, und dann blieb sie auf einmal stehen und packte mich an dem Arm, fest, daß es weh tat, und sagte: ‚Julchen, Sie haben auch tüchtig geliebt.‘

‚Ach, Frau Baronin,‘ sagte ich, ‚was werde ich schon viel geliebt haben.‘

Dann lachte sie und sagte: ‚Ja, ja, Julchen, Sie sind ein ausgebrannter Vulkan.‘

‚Wie Frau Baronin meinen,‘ sagte ich. Was kann unsereins viel sagen! Der Herr von Spall hat mir gleich nicht gefallen. Ach ja. So gut wie bei uns wird sie es anderswo nicht leicht finden. Da hab’ ich mit Mühe ihr zu heute Schnabelerbsen besorgt, weil sie die so gerne ißt. Nun ist sie fort.“

Julchen seufzte und beugte den Kopf tiefer auf ihre Birnen nieder.

„Wird auch schon ruhiger werden“, murmelte sie.

Ich fand nichts Rechtes zu sagen, ich stand, bis

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Eduard Keyserling: Seine Liebeserfahrung. In: Bunte Herzen. Fischer, Berlin 1909, Seite 241. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Bunte_Herzen_(Keyserling).djvu/237&oldid=- (Version vom 31.7.2018)