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Johann Gottfried Pahl: Bertha von Wöllstein. Eine Reihe von Briefen aus dem Mittelalter

liebe Bertha! und ließ meiner brünstigen Liebe zu ihm freien Lauf, weil er doch nun mein Mann war. Ich überredete mich, mein Vater werde durch Krafts Vorstellungen besänftigt, sein Jawort geben, und war deß so sicher, daß ich allmählich ganz froh und lustig wurde, und ihn in hoher Wonne umarmte und küßte. Ich mußt’ ihm all’ meine Noth wegen des Klosters erzählen, und er erzählte mir, wie er mit Kraften den Anschlag zur Entführung gefaßt, und mit dem Entschluß ausgezogen sey, entweder das Fräulein heimzuführen, oder zu sterben. Er gieng mit mir in der ganzen Burg herum, zeigte mir seine Pferde, sein Vieh, und die Rüstkammer, und erklärte mir, welch frohes und glükliches Leben in der Zukunft unsrer warte, wenn erst Friede und Ruhe hergestellt seyn würde. Darob vergaß ich alles, was mich zuvor betrübt hatte, und freute mich meines tapfern und frommen Ritters.

Aber all’ die eitlen Hofnungen, die ich mir leichten Sinnes gemacht hatte, verschwanden wie Wasserblasen, als Kraft abends

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Johann Gottfried Pahl: Bertha von Wöllstein. Eine Reihe von Briefen aus dem Mittelalter. Karl Gottlob Beck, Nördlingen 1794, Seite 71. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bertha_von_Woellstein.djvu/75&oldid=- (Version vom 31.7.2018)