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küsse Deine Hand, ich küsse Deine liebe sanfte Stirn – o Du aller Mütterchen angebetetstes.

Dein Gottfried.“

Als wir bei Tante Kornelie eintraten, war dieselbe nicht allein. Ein Herr in langem, schwarzem Rocke, auf den ersten Blick als Pastor erkenntlich, saß ihr gegenüber.

Die Tante erhob sich und kam uns entgegen; der Pastor stand gleichfalls von seinem Sitze auf, blieb aber im Hintergrunde stehen.

Was ich erwartet, geschah: als ich die alte Frau umarmte, brachen wir beide, sie und ich, in lautes Schluchzen aus. Auch Friedrich blieb nicht trockenen Auges, indem er die Trauernde an sein Herz drückte. Gesprochen wurde in dieser ersten Minute gar nichts. Was man sich in solchen Augenblicken – beim ersten Wiedersehen nach einem schweren Unglücksfall – zu sagen hat, das drücken Thränen vollständig aus …

Sie führte uns an ihren Sitzplatz zurück und wies uns nebenstehende Sessel an. Dann, nachdem sie die Augen getrocknet:

„Mein Neffe, Oberst Baron Tilling, – Herr Militäroberpfarrer und Konsistorialrat Mölser,“ stellte sie vor.

Stumme Verneigungen wurden gewechselt.

„Mein Freund und geistlicher Berater,“ ergänzte sie, „der es sich angelegen sein läßt, mich in meinem Schmerze aufzurichten –“

„Dem es aber leider noch nicht gelungen ist, Ihnen

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Bertha von Suttner: Die Waffen nieder!. E. Pierson’s Verlag, Dresden/Leipzig 1899, Band 2, Seite 179. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bertha_von_Suttner_%E2%80%93_Die_Waffen_nieder!_(Band_2).djvu/184&oldid=- (Version vom 23.6.2018)