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den ich schon vom Kriegsjahre 59 her kannte. Ich eilte auf ihn zu:

„Um Gotteswillen, Baron S., helfen Sie mir! Sie erkennen mich doch?“

„Baronin Tilling, Tochter des General Grafen Althaus – gewiß habe ich die Ehre … Womit kann ich Ihnen dienen?“

„Sie expedieren einen Zug nach Böhmen … lassen Sie mich mitfahren! Mein sterbender Mann verlangt nach mir … Wenn Sie ein Herz haben – und Sie beweisen ja durch Ihre Thätigkeit, wie schön und edel Ihr Herz ist – so schlagen Sie mir meine Bitte nicht ab!“

Es gab noch allerlei Zweifel und Bedenken, aber schließlich wurde meinem Wunsche willfahrt. Baron S. rief einen der vom Hilfsverein entsendeten Ärzte herbei und empfahl mich, als Mitreisende, seinem Schutz.

Bis zur Abfahrt war noch eine Stunde. Ich wollte den Wartesaal aufsuchen, aber jeder verfügbare Raum war in ein Hospital verwandelt. Wo man hinblickte, überall kauernde, liegende, verbundene, bleiche Gestalten. Ich mochte nicht hinschauen. Das bischen Energie, das ich besaß, das mußte ich mir auf meine Fahrt, und auf deren Ziel aufsparen. Von aller Kraft, allem Mitgefühl, aller Hilfsleistungsfähigkeit, die mir zu Gebote stand, durfte ich hier nichts ausgeben; das gehörte nur ihm – ihm, der mich rief.

Es war indes kein Winkel zu finden, wo mir der Jammeranblick erspart geblieben wäre. Ich hatte mich

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Bertha von Suttner: Die Waffen nieder!. E. Pierson’s Verlag, Dresden/Leipzig 1899, Band 2, Seite 51. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bertha_von_Suttner_%E2%80%93_Die_Waffen_nieder!_(Band_2).djvu/056&oldid=- (Version vom 31.7.2018)