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leicht des Rosses Zügel haltend, glich die Virago mit dem wehenden Reiherfederschmuck des glänzenden Helms einer hochherzigen Diana. Der Silber-Helm vermochte nicht, des Haares reiche Fülle zu fassen, sie wallten in langen Locken über Brust und Schultern hinab. Trunken hingen Haralds Blicke an ihr; der Blitz ihrer dunkeln Augen schlug in die seinen und zündete die Purpurgluth der Freude auf seinen Wangen; sie hatten sich verstanden.

Jetzt trat mit freundlichen Mienen der Landgraf im grünem Jagdkleid im einfachen Federbarret heraus; ein spöttisches Lächeln flog über Eppo’s Gesicht und er beugte sich über seines Rosses Hals hinüber zu Hugo, und flüsterte diesem lächelnd zu: Schau den stattlichen Herrn, wer ihn nicht kennt, wird ihn kaum von den Troßbuben unterscheiden, die unsre Hunde führen müssen; und Beifall nickend der hämischen Rede, entgegnete dieser: Er wird sich auch heute baß hervorthun auf der Jagd; ich sehe schon die Hirsche und Sauen, die er nicht erlegen wird, wenn ihm nur nicht ein Eber wieder aufstößt. – Lautes

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Ludwig Bechstein: Thüringische Volksmährchen. Carl Fleck und Comp., Sondershausen 1823, Seite 64. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bechstein_Th%C3%BCringische_Volksm%C3%A4hrchen_1823.pdf/66&oldid=- (Version vom 31.7.2018)