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Der Soldat und der Teufel.

Einmal stand ein Soldat auf Posten. Es war im Winter und sehr kalt und den Soldaten fror sehr. Da rief er: „Wenn doch jemand käme und mich ablöste!“

Kaum hatte er das ausgesprochen, da trat ein Mann zu ihm und sagte: „Wenn du mir deine Seele verschreibst, dann will ich dich ablösen und für dich Posten stehen.“

„Dafür, daß ich dir meine Seele verschreiben soll, mußt du mehr geben,“ antwortete der Soldat.

Da sagte der Teufel, denn das war der Mann:

„Ich gebe dir noch einen Beutel, der immer voll Geld ist.“

„Das ließe sich hören“, antwortete der Soldat. „Wenn du mir solchen Beutel gibst, verschreibe ich dir meine Seele.“

So gab ihm der Teufel den Beutel und versprach, daß er ihn so lange behalten solle, als er lebe, und der Soldat verschrieb ihm seine Seele mit seinem eigenen Blut. Dann nahm der Teufel die Gestalt des Soldaten an, daß er gerade so aussah und niemand die beiden unterscheiden konnte, nahm sein Gewehr und löste ihn ab. Der Soldat sagte:

„Stehe so lange Posten, bis ich dich wieder ablöse, damit niemand merkt, daß ich vom Posten fortgegangen bin. Ich gehe inzwischen in die Schenke und wärme mich auf.“

Der Teufel versprach ihm, daß er den Posten nicht früher verlassen wolle, als bis er zurückkäme, und der Soldat ging in die Schenke, wärmte sich und aß und trank, denn er brauchte nur in den Beutel zu greifen, um Geld zu haben. Während er da so saß, dachte er: „Warum soll ich eigentlich den Teufel gleich wieder ablösen? Er kann warten, bis die Ablösung kommt, und wenn er noch andern Dienst für mich tun muß, so wird ihm das auch nicht schaden.“

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Friedrich Lorentz: Aus dem Märchenschatz der Kaschubei. Fuchs & Cie., Danzig 1930, Seite 25. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_dem_M%C3%A4rchenschatz_der_Kaschubei.djvu/26&oldid=- (Version vom 31.7.2018)