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Betrübniss. Nach ihm gehörte das Rittergut Sachsgrün wiederum einem Wilhelm von Streitberg, der 1635 starb und das Gut seinem Bruder Carl von Streitberg vererbte, der 1649 als fürstlich Brandenburgischer Lehngerichtsassessor und Obristwachtmeister mit Tode abging. Sein Nachfolger Christoph Siegmund von Streitberg starb 1670 und das Gut wurde Eigenthum Hans Wilhelms von Streitberg, Herrn auf Burggrub, Strassendorf, Veilbrunn, Greifenstein, Heiligenstadt, Ober- und Untergattendorf, Ober- und Untertaschendorf, Ebmath und Hartmannsreuth, nach dessen am 14. August 1690 erfolgtem Ableben Sachsgrün als erledigtes Mannlehn an die Krone zurückfiel. Hans Wilhelm von Streitberg war der Letzte seiner alten Familie. Dieselbe hätte sich von der Stammburg Streitberg, zwischen Erlangen und Baireuth gelegen, nach dem Voigtlande gewendet und besass daselbst schon im dreizehnten Jahrhundert bedeutende Güter, darunter Gattendorf und Sachsgrün mit Ebmath und Volkmarsreuth, Laitenhof, Stohrenhof und Hartmannsreuth. Die Streitberge waren ein angesehenes weitverbreitetes Dynastengeschlecht, das bei seiner nicht unbeträchtlichen Macht mit den Nachbarn in vielfachen Fehden lebte und sogar den Kampf mit Reichsfürsten nicht fürchtete, wie denn Ruprecht, Hans und Wilhelm von Streitberg sich erdreisteten, gegen den Bischof von Würzburg zu ziehen, und die Ritter Eberhard und Raimar von Streitberg 1390 sogar die Markgrafen von Meissen befehdeten. Der letzte Streitberg ruht in der Kirche zu Sachsgrün.

Das abgestorbene Lehnsgut Sachsgrün wurde nunmehr durch churfürstliche Bewilligung Eigenthum des Oberküchenmeisters und nachmaligen Hofmarschalls Philipp Ferdinand von Reibold, Herrn auf Naundorf und Strassberg, der sich durch seine Mildthätigkeit gegen die Kirche auszeichnete und namentlich einen bedeutenden Beitrag zur Anschaffung einer Orgel hergab. Seine Gemahlin, eine geborene Gräfin von Stubenberg, schenkte der Kirche 1715 die noch jetzt vorhandenenen silbernen Abendmahlsgefässe und ihre Schwester, Comtesse Amalie von Stubenberg „verehrte aus sonderlicher Liebe und Andacht gegen das hiesige arme Gotteshaus nicht nur einen neuen Kirchenornat, sondern auch ein schönes Geschenk an Geld“. Der Hofmarschall von Reibold besass Sachsgrün bis 1716, wo das Gut an seine Tochter Erdmuthe Christiane gelangte, die zuerst mit einem Herrn von Brandenstein auf Oppurg und Positz, und nach dessen Tode mit einem Herrn von Fletscher vermählt, zur Zeit des Ablebens ihres Vaters aber des Letzteren Wittwe war. Deren Sohn, Heinrich August von Brandenstein, trat in Besitz der Güter Sachsgrün, Ebmath und Bösenbrunn im Jahre 1723, und als derselbe 1756 mit Tode abging, erbte die beiden ersteren sein jüngster Sohn Ernst Casimir von Brandenstein, der 1802 von Allen die ihn kannten, tief betrauert aus dem Leben schied, denn er war ein Mann von dem trefflichsten Charakter und väterlich besorgt für das Wohl seiner Unterthanen. Sein Erbe war der einzige damals noch lebende Sohn Wilhelm Ernst von Brandenstein, Domherr des Stifts Merseburg, unter dessen Herrschaft die Kirche zu Sachsgrün neu erbaut wurde, während welcher Zeit der Gottesdienst in der Kapelle des Schlosses stattfand. Nach des Domherrn von Brandenstein Tode fiel das Rittergut an die drei nachgelassenen Söhne Ernst August Gustav, Wilhelm Friedrich Julius, und Ernst Friedrich Carl von Brandenstein als Gesammtlehn.

Was die Schicksale Sachsgrüns anbetrifft, so wurde im Hussitenkriege (1430) der Ort Sachsgrün hart mitgenommen und angezündet, bei welcher Gelegenheit auch das Schloss bedeutend litt und wahrscheinlich bald darauf die schon erwähnte obere Etage erhielt. Von einem hiesigen katholischen Kaplane wird erzählt, die Hussiten hätten denselben auf Eis gesetzt und festgebunden, über seine nackten Füsse Wasser gegossen und ihn so festfrieren lassen. Aber noch traurigere Tage brachte über Sachsgrün der dreissigjährige Krieg. Im Jahre 1625 herrschte hier und in Loddenreuth eine schreckliche Seuche die den dritten Theil der Einwohnerschaft (in einem Hause sämmtliche Bewohner, neun an der Zahl) hinraffte und 1629 eine gefährliche Ruhr. Die grössten Drangsale betrafen den Ort in den Jahren 1632 und 1633. Bei dem Einfalle der Kaiserlichen unter dem scheusslichen Holk wurde Sachsgrün von den viehischen Croaten heimgesucht, die durch Mord, Misshandlungen und Raub sich ein schreckliches Andenken sicherten. Aber ein zweites noch entsetzlicheres Elend harrte der unglücklichen Landleute, denn durch das viehische Leben der Croaten brach unter ihnen ein Faulfieber aus, das bald in Pest überging und die wilden Krieger schaarenweise in das Grab stürzte. Die unglücklichen Landleute, welche die Croaten im Quartiere hatten, fühlten bald das tödtliche Fieber in sich selbst und starben einen schmerzlichen Tod. Auch im nächsten Jahre begann das Faulfieber wiederum sein tödtliches Werk und raffte eine grosse Anzahl Soldaten und Gemeindeglieder hin. Noch manche Stunde der Angst und Noth brachte jener fluchvolle Religionskrieg, doch war es 1647 in Sachsgrün, wo die Leute aus Posseck, Mentschau, Gassenreuth, Trogenau, Gattendorf, Hartmannsreuth und andern nahen Dörfern sammt ihrer beweglichen Habe eine Zufluchtsstätte vor den rohen Soldaten suchten und fanden. – Von dem siebenjährigen Kriege schreibt der Pfarrer Clarner in dem Sachsgrüner Kirchenbuche: „in diesem siebenthalbjährigen Kriege habe ich Armer genug ausstehen müssen, zumal das erste Jahr mit Einquartirung der Reichsvölker, wovon ich zwei Oberoffiziere acht Wochen lang im Quartier hatte und defragiren musste, ohne einige Zahlung, und das 1761. Jahr

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 58. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/89&oldid=2966875 (Version vom 22.12.2016)