Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V.djvu/82

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

ist von der Schäferei zu melden, die sich seit Ablösung der Hute und Triftgerechtigkeit eher vermehrt und gebessert, als vermindert und verschlechtert hat, und wenigstens im Durchschnitt auf 500 Stück Schaafe zu zählen ist. Die zum Rittergute gehörige, an der Elster gelegene und seit 1841 neuerbaute Mühle liefert ausser den gewöhnlichen Mühlfabricaten auch Rüb- und anderes Oel, wozu die in Pirk, Geilsdorf und Umgegend nicht selten so prächtig gedeihenden Oelfrüchte an Raps und Rübsen die erforderlichen Stoffe liefern; mit Vorrath an Nutz-, Bau- und Brennholz aller Art ist das Gut ebenfalls reichlich versehen und an Fischerei hat es in der Elster, in der Feile und in seinen Teichen hinlängliche Nothdurft. Weder Kirche noch Schule ist hier vorhanden, sondern das Rittergut und Dorf Pirk mit Türbel ist in allen geistlichen Angelegenheiten nach Geilsdorf gewiesen und wird von da aus mit der Seelensorge und Schulpflege versehen. – Etwas Weiteres noch hinzuzufügen, dürfte überflüssig erscheinen, da die vorstehenden Mittheilungen über alle auf diesen Rittersitz anschlagenden Verhältnisse, soweit es hier gefordert werden kann, hinlänglichen Aufschluss geben und man erlaubt sich zum Schlusse nur noch den frommen Wunsch auszusprechen, dass die dermaligen Herren Besitzer, deren Einsicht und Mühewaltung das Rittergut Pirk seinen dermaligen zeitgemässen Flor verdankt, sich noch recht lange ihrer Schöpfung erfreuen und wie bisher ebenso zum Besten und Segen ihrer Familie und Angehörigen, als zu Nutz und Frommen ihrer Untergebenen, sowie der ganzen Gegend fortwirken mögen!

Dr. G. Jahn in Oelsnitz.     




Sorga
bei Auerbach.


Das Dorf Sorga, auch die Sorg genannt, liegt im Amte Plauen, kaum tausend Schritte östlich von der Stadt Auerbach, an der Lengefelder Strasse. Der Ort ist klein, aber wegen seiner Lage auf einem hohen Abhange, geniesst man von hier vorzüglich schöne Aussichten. Die Einwohnerschaft besteht aus hundertundsechszig Köpfen. Ausser dem Rittergute befinden sich zu Sorga auch zwei Mühlen und eine Schäferei.

Das Rittergut Sorga, schon seit Jahrhunderten mit Auerbach oberen Theils combinirt, ward 1741 schriftsässig und besitzt auch Antheile an Eich, Brunn, Hinterhain, Dorfstadt, Ellefeld, Rebersgrün, Rützengrün und Schnarrtanne, sowie die Klöppermühle und das Hammerhaus zu Wernesgrün. Es stand vom Jahre 1348 bis 1413 unter der Herrschaft der Voigte von Plauen, von denen es mit Auerbach an die Burggrafen von Dohna gelangte, nachdem es eine kurze Zeit im Besitze des Markgrafen von Meissen gewesen war. Diesem alten Sächsischen Dynastengeschlecht gehörte Auerbach mit Zubehör noch 1485, und wurde während ihrer Herrschaft im Egerschen Vertrage von 1459 zu den Böhmischen Hauptlehen gerechnet. Wahrscheinlich schon zu Ende des funfzehnten Jahrhunderts kam diese Besitzung an die Herren von der Planitz, doch gab es zu damaliger Zeit in Auerbach nur ein Rittergut, das zweite entstand durch Erbtheilung erst im Jahre 1599. Der erste Herr von Planitz auf Auerbach und Sorga, Georg, war Statthalter der Burggrafen von Meissen und hinterliess nach seinem um 1505 erfolgten Tode die Güter Rudolphen von der Planitz, der sich den Reichsritterstand erwarb, von 1494 bis 1513 Amtshauptmann von Zwickau war, und bei der Belehnung Wolfs von Schönburg, Herrn zu Glauchau und Waldenburg, durch König Wladislaw im Schlosse zu Prag als Zeuge genannt wird (1497). Seine erste Gemahlin, Sophie von Kotzau, gebar ihm zwei Söhne und drei Töchter und starb 1519, worauf er sich mit Emerentia von Bock vermählte. Rudolph von der Planitz starb im Jahre 1530 auf dem Stammschlosse Planitz bei Zwickau und wurde in der dortigen Kirche beerdigt. Sein ältester Sohn, Hans von der Planitz, erbte Auerbach mit Sorga, Göltzsch und Belgershain, und erlangte durch unermüdlichen Fleiss eine grosse Gelehrsamkeit und hohe Ehren. Anfänglich war er Amtmann zu Grimma, später aber Kaiser Carls V. Rath, Orator und des kaiserlichen Kammergerichts zu Speier Assessor, auch wurde er sehr häufig zu den wichtigsten Gesandtschaften verwendet. Für die vielen Dienste, welche er dem Reiche und seinem Vaterlande geleistet, empfing Hans von der Planitz 1523 auf dem Reichstage zu Worms von Kaiser Carl V. das Privilegium: „sich nebst seinem Bruder Rudolph von der Planitz auf Wiesenburg nebst ihren Kindern, Vettern und allen deren Nachkommen beiderlei Geschlechts Edle von der Planitz zu nennen und zu schreiben und ihre Briefe mit rothem Wachse zu siegeln. Die Urkunde beweist, dass es damals drei

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 54. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/82&oldid=2988526 (Version vom 22.2.2017)