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befindet. Die Kirche von Altensalz kam im Jahre 1214 unter das Patronat des deutschen Ritterordens, den der Graf von Eberstein zu Plauen, vielleicht um durch ihn einen Schutz gegen die immer mächtiger werdenden Voigte des Plauenschen Hauses zu erhalten, bei sich aufgenommen hatte. Die deutschen Ritter – auch Marianer genannt – brachten in Bezug auf Cultur eine neue Epoche über das Voigtland und vernichteten namentlich die letzten Reste des sorbischen Heidenthums. Zu welcher Zeit die jetzige Kirche erbaut wurde ist unbekannt, doch verräth ihr Ansehen ein hohes Alterthum.

Die Capelle in Neuensalz, in der sich das Erbbegräbniss der Rittergutsbesitzer befindet, war höchst wahrscheinlich in früher Zeit eine Mess- und Begräbnisscapelle, in welcher jetzt der Pfarrer von Altensalz jährlich funfzehn Predigten, und auf den Wunsch des Schlossherrn alle kirchlichen Handlungen abzuhalten verpflichtet ist. Im Jahre 1582 besass die Capelle ein Vermögen von 89 Gülden 14 Groschen, welches durch die sorgfältige und kostenfreie Verwaltung der Rittergutsbesitzer zu einem Capital von 16000 Thalern angewachsen ist, dessen Zinsen ausser den Kosten des Gottesdienstes und der theilweisen Besoldung des Schullehrers, zur Unterstützung armer, alter oder kranker Personen des Gerichtsbezirks verwendet werden. Die Capelle war zu Anfange des vorigen Jahrhunderts in so schlechtem Zustande, dass Casimir von Beust sie im Jahre 1702 ausbessern und 1706 mit Malereien verzieren liess, auch wurde 1718 aus ihrem Vermögen eine neue Uhr angeschafft; jetzt (im September 1854) wird die alte Capelle vom Herrn Rittergutsbesitzer Seiler in gothischem Style umgebaut und ausgeschmückt.

Ueber die frühesten Schicksale des Dorfes wie des Edelsitzes Neuensalz sind keine Nachrichten auf unsere Zeit gekommen, doch ist es sehr wahrscheinlich das die Hussitenschwärme, sowie die rohen Soldatenhaufen des dreissigjährigen Krieges auch in Neuensalz mit derselben barbarischen Grausamkeit gehaust haben mögen, wie in den naheliegenden Orten. Im Jahre 1616 war in dieser Gegend eine Theurung, die von Ostern bis Jacobi währte und entsetzliches Elend verursachte, und 1626 brach im Kirchspiel eine Seuche aus, die mit furchtbarer Heftigkeit wüthete und in vielen Häusern sämmtliche Bewohner hinwegraffte, unter denen sich der Pastor Weber zu Altensalz und sein Nachfolger Johann Pfretzschner mit ihren Familien befinden; doch blieben Thossfell, Zobes und Neuensalz von dieser pestartigen Krankheit gänzlich verschont. Auch im letzten französischen Kriege hatte Neuensalz durch die gräulichen Verwüstungen der einquartirten Franzosen und Baiern viel zu leiden, der Ort wurde gänzlich ausgeplündert und ein grosser Theil des Pfarrarchivs in Altensalz völlig vernichtet.

Das Dorf Neuensalz hat 504 Einwohner welche sich grösstentheils mit dem Landbau beschäftigen, doch giebt auch die gewerbthätige blühende Kreisstadt Plauen einem ziemlichen Theile der Bevölkerung, namentlich durch die bekannten Stickereiarbeiten, nicht unbeträchtlichen Erwerb. In der Nähe von Neuensalz wird Asbest gefunden.

Otto Moser.     



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/8&oldid=2917051 (Version vom 17.10.2016)