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Limbach


liegt eine Stunde südlich von Netzschkau und Mylau, 11/2 Stunde von Reichenbach, Treuen und Elsterberg, wo es sich 1/3 Stunde lang parallel[WS 1] der in Norden nahen Eisenbahn längs der alten Plauen Reichenbacher Strasse hinzieht.

Die Häuser bilden zwei Reihen, durch deren Mitte sich diese ehemalige Poststrasse durchzog, welche in den Kriegsjahren auch die Militairstrasse war wodurch es kam, dass die Einwohner viele Drangsale zu bestehen hatten.

Der Ort raint mit Pfaffen- Christ- Herlas- und Reinhardsgrün, mit Foschenrode und Buchwald, auch gehört dazu eine Parzelle innerhalb der Flur von Herlasgrün und Lehnantheil hat an demselben das Rittergut Helmsgrün.

Der Ort besteht aus 139 Häusern mit 1280 Seelen, wozu aber Mühlwand an der Chaussee von Plauen nach Reichenbach unmittelbar bei dem Reichenbacher Alaunwerk gerechnet ist.

Eingerechnet sind hierbei auch die an der Gölzsch jenseits des Ortes Buchwald gelegene Bünausche Mühle und das Oertchen Lauschgrün von einem gewissen Lausch so genannt.

Limbach zerfällt eigentlich in Ober-Limbach und Unter-Limbach.

Jenes gehört dem Rittergute Cristgrün wie dies schon bei der Beschreibung von Christgrün Alles näher zu finden ist.

Unter-Limbach ist aber eigentlich ein besonderes schriftsässig gewesenes Rittergut, welches aber seit undenklichen Zeiten als Vorwerk von Netzschkau benutzt worden ist und jetzt trotz der grossen Hofröde nur schwache Oekonomie hat. Aber unter den 334 Ackern Landes sind nur gegen 53 Ackerfeld, das Uebrige besteht in Holz.

Das Gehöft steht am östlichem Ende des Ortes da, wo die sich begegnenden Bäche vereinigt ihren Lauf zur Gölzsch nehmen.

Da der Besitz des Rittergutes mehrere Jahrhunderte hindurch kein anderer gewesen ist, als jener aus Netzschkaus, so ist nur zur Seite 13 des Hauptwerkes noch einiges hinzuzufügen. Das Rittergut oder Vorwerk ist auf alle Fälle aus der grossen Herrschaft Mylau hervorgegangen und hat wohl nie zur Elsterberger Herrschaft gehört.

Von Johann Gottfried Opitz kaufte 1858 den ganzen noch übrigen Gütercomplex von Netzschkau mit Limbach (sehr viel Holzboden ist als abgetrennt) die Fürstin Maria Clementine von Schönburg, Gemahlin des Grafen Heinrich Erl. Herrn von Schönburg-Hinterglauchau und Rochsburg, Schwester des jüngst verstorbenen Fürsten Otto Victor Waldenburg und Mitbesitzerin des Gusow’schen Gütercomplexes bei Berlin.

Ausserhalb des Dorfs gehören zu Limbach die Sehoten- und die Bünausche-Mühle, ingleichen Buchwald zur Hälfte.




Cunsdorf


auch Kunsdorf, Consdorf d. i. Konradsdorf genannt, ist wohl zu unterscheiden von Consdorf bei Reichenbach. Unser Cunsdorf liegt bei Elsterberg, dessen Schicksale es von jeher mit getheilt hat.

Der Ort besitzt Rittergutsqualität, jedoch ohne Hofröde und Flur. Das Ritterlehn war in früheren Zeiten mit Elsterberg verbunden, nur wenige Jahre war es davon abgetrennt und gehörte dem Herrn Kreishauptmann, späteren Minister von Wietersheim. Letzterer überliess es der Hühnefeldschen Familienstuftung und so ist es wieder zu Elsterberg gekommen.

Das Dorf liegt 3/4 Stunde vom Elsterberg, wo es sein Gerichtsamt hat; westlich von der Strasse nach Plauen, welche davon die vom Rumpelsbach getriebene obere Nixenmühle sondert. In Nordwest bildet der Steinmühlbach die Flur und Landesgrenze und im Westen steigt der Steinpöhl an, den das Voigtsmühlbächlein von den Greizer Landen scheidet.

Minder hoch ist im Norden der Wachthübel.

Die grosse Flur hat eine mittlere Seehöhe von 1223 Fuss und enthält im Osten abgebaute Schieferbrüche.

Cunsdorf ist in das reussische Dorf Schönbach gepfarrt, also nicht, wie man hier und da lesen muss, nach Elsterberg.




Jocketa


auch Jockta, wird seit Jahrhunderten als ein Vorwerk von Liebau betrachtet, ist aber eigentlich ein wirkliches selbstständiges Rittergut.

Es hat ein sehr schönes wohnliches Gebäude, in welchem die Familien Eichhorn und Keller oft gerne verweilten und bei ihrem Wanderungen in die Voigtländische Schweiz einen Imbiss mit Freunden und Bekannten nahmen.

Das etwas zerstreut gelegene Dörfchen geht nach Pöhl in die Kirche und Schule und besteht aus 27 Häusern mit 174 Seelen.

An die in Westen nahe, aber durch einen ansehnlichen Berg verdeckte Eisenbahn hat es für etwa 2700 Thlr. Landes verkauft. Wie Liebau selbst für etwa 4300 Thlr., wovon die Herrschaft, 2916 Thlr. erhielt.

Die nordöstlich von Jocketa ansteigende umfassende Waldhöhe, der Dobers genannt, ist eine Dorfwüstung aus den Zeiten des Hussitenkrieges.

Unter der Flur von Jocketa ist die schöne von Keil in Leipzig ganz neu hergestellte Restauration am Elsterthale mitbegriffen.

Vom Kaufmann Keller nahm Liebau mit Jocketa dessen jüngster Sohn 1847 in Lehn, welcher die Güter 1851 an Herrn Ernst Ferdinand Gühne verkaufte.

Der jetzige Besitzer ist Herr Heinrich Kurt von Welk.



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: parellel
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 216. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/318&oldid=3573627 (Version vom 5.11.2019)