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Bergen


liegt 21/2 Stunden von Plauen, 11/2 Stunde von Falkenstein, 21/2 Stunden von Oelsnitz, 2 Stunden von Treuen in einem grossen und romantischen Thalbecken, was von dem Triebbach durchflossen nach dem Dorfe Trieb zu immer weiter und weiter wird.

Dieses herrliche Thal ist nach Mittag von waldigen Höhen eingeschlossen, wovon Bergen seinen Namen erhalten hat. Das Klima dieses Ortes ist wegen dieser Umfassung keinesweges so rauh, als öfter erzählt wird.

Bei guter Cultur gedeihen alle Getreidearten gut, ja sogar einzelne ausgezeichnet; berühmt sind vorzüglich die Kartoffeln hiesiger Gegend.

Der Boden enthält viel Granitsand mit etwas Lehm und Granitfelsblöcken, aus denen die hier heimischen Steinmetzen Werkstücke jeder Art fertigen, die weit und breit zu Bauten verfahren werden. Die Steinmetzen sind zünftig und haben sich der Zunft der Maurer angeschlossen; sie haben unter den Einwohnern des Ortes unstreitig den besten Verdienst.

Vorzüglich durch diese Werkstätten der Steinmetzen, sowie durch die nicht unbedeutenden Holzlieferungen aus den hiesigen Waldungen, findet im Dorfe Bergen ein lebhafter Verkehr, namentlich mit der Stadt Plauen statt.

Das im Dorfe befindliche in der Abbildung zu schauende Schloss ist zwar nicht ausgezeichnet an Grösse, dagegen ist dasselbe sehr wohnlich eingerichtet und die Gastfreundschaft der jetzigen dasigen Gerichtsherrschaft macht den Aufenthalt daselbst angenehm. Wer hier als Gast weilte, der kann gewiss auch von froh verlebten Stunden auf diesem Gute erzählen und wird der traulichen Gespräche im heitern Kreise sich stets gern erinnern. Möge nie der heitre Sinn, der frohe Lebensmuth aus diesem Hause weichen und Glück und Segen walten für und für.

Das Rittergut mit Trieb sammt seinen Gerechtsamen gehörte in früheren Zeiten zu dem grossen Güter-Complex der Familie von Trützschler auf Falkenstein, die sich auch bei dem Verkauf des Gutes die Collatur über die hiesige Pfarr- und Schulstelle, sowie die Gerichtsbarkeit über das Pfarrlehn (auch Collaturgerichte genannt) vorbehalten hat.

Seit dem 27. Juni 1788 ist die Förstersche Familie im Besitze dieses Gutes.

Der derzeitige Besitzer, Herr Franz Julius Förster, trat schon im Jahre 1848 seine Gerichtsbarkeit an das Justizamt Plauen ab, deren Verwaltung später dem königlichen Gerichtsamt zu Falkenstein zugetheilt worden ist.

Das Rittergut Bergen wird deshalb „Bergen mit Trieb“ genannt, weil ihm die Gerichtsbarkeit über beide Orte zustand.

Seine hiervon bezogenen Einnahmen waren früher bedeutender, als die von der zum Rittergute gehörigen Oeconomie. Letztere wurde erst in neuerer Zeit durch den Ankauf von einigen Bauergütern, sowie durch Urbarmachung von Waldboden, eine entsprechende Ausdehnung gegeben. Der ganze Gütercomplex enthält 484 Acker mit 3004 Steuer-Einheiten.

Der zum Gute gehörende gut gepflegte Wald liefert durch seine geschützte und zusammenhängende Lage, durch seinen üppigen Wuchs und durch seine Pechnutzungs-Erträge seit 50 Jahren einen sichern, nicht unbedeutenden Reinertrag.

Besondere hervorragende andere Gebäude ausser dem Rittergute

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 179. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/271&oldid=2972315 (Version vom 7.1.2017)