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welche sich bis auf die neuesten Zeiten erhalten haben. Die Wirthschaftsgebäude sind in gutem Zustande.

Das Areal des Rittergutes umfasst insgesammt 300 Acker. Es wird hier vortreffliches Getreide erbaut und vorzüglich grosse Aufmerksamkeit ist auf die Viehzucht verwendet; auch Obst gedeiht hier und der Wiesewachs ist ein guter zu nennen.

Ottengrün wie Zettlarsgrün, Engelhardtsgrün und Dechengrün waren vor dem Jahre 1529 markgräflich-brandenburgisches Lehn, wurden aber nach einem Tauschvertrage vom Jahre 1529 zwischen Kurfürst Friedrich und Herzog Johann von Sachsen, dem Bruder des Kurfürsten, einerseits und den Markgrafen Casimir und Georg von Brandenburg andererseits an Sachsen abgetreten.

Ottengrün ist nach Bobenneukirchen eingepfarrt, woraus zu schliessen ist, dass erstrer Ort noch später entstanden ist, als Bobenneukirchen. Ja es muss auch Ottengrün durch die frühere Gerichtsherrschaften in Posseck mit erbaut worden sein oder die Herren von Posseck hatten Besitzungen auf Ottengrüner Grund und Boden. Denn zwei Bauergutsbesitzer von Ottengrün waren früher Possecker Gerichtsunterthanen und hatten dem Diaconate zu Bobenneukirchen, ausser der zehnten Garbe, nicht unbedeutenden Sackzehnten an Waizen, Korn, Gerste und Hafer zu entrichten; auch Spannfrohne zu leisten.

Diese Zehnten sind in neuerer Zeit abgelöst und die Frohnangelegenheit ebenfalls mit geordnet worden.

Die meisten Dotationen für die geistlichen Stellen rühren von Conrad von Reitzenstein auf Posseck her, der sich für Kirchenwesen sehr interessirte. Durch ihn wurde Posseck Pfarrkirche mit den eingepfarrten Dörfern Nentzschau und Gassenreuth, welche vorher nur eine Kapelle von Regnitz-Lossa war. Zur Abfindung des Pfarrers zu Regnitz-Lossa gab Conrad von Reitzenstein an die Kirche zu Regnitz-Lossa das Dorf Haag ab.

Ebenso trat er Grund und Boden ab zur Bebauung mit der Bestimmung, dass gewisse Zehnten an die geistlichen Stellen in Bobenneukirchen zu entrichten seien, und ähnliche Bestimmungen traf derselbe in Ottengrün rücksichtlich des Grundes und Bodens, der ihm hier gehörte.

Der Ort Ottengrün treibt hauptsächlich Ackerbau und Viehzucht; doch ist auch hier bei den ärmern Bewohnern das Sticken und Nähen nach Plauen zu Hause.

Nahe bei Ottengrün liegt Burkhardtsgrün, wovon ein Theil der Gerichtsbarkeit vom erstere Orte unterworfen war. Dieses Burkhardtsgrün ist früher öfter mit dem bei Schneeberg im Erzgebirge liegenden Burkhardtsgrün verwechselt und daher auch irrig behauptet worden, dass hier in Burkhardtsgrün (bei Ottengrün) Opale gefunden würden. Diese Opale werden nur in Burkhardtsgrün im Erzgebirge gefunden. Hier in Ottengrün und dem dabei liegenden Burkhardtsgrün giebt es nicht einmal andere nutzbare Steinarten.

Ottengrün hat 33 bewohnte Gebäude, Burkhardtsgrün 21. Ersterer Ort zählt 206 Bewohner und gehört mit Burkhardtsgrün zum Gerichtsamte Oelsnitz.

M. G.     




Druck von Sturm und Koppe (A. Dennhardt) in Leipzig.
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 160. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/242&oldid=2972295 (Version vom 7.1.2017)