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Kirche einen Taufstein verehrte. Alles dieses geschah ums Jahr 1747 oder 1748.

Auf Pfaffengrüner Fluren ganz in der Nähe des Dorfes zeigt man noch zwei Steine zur Erinnerung an den Todtschlag eines Schäfers und seines Hundes, wozu die Veranlassung folgende war:

Ein Schäfer von Christgrün bezog trotz des Verbots der Bauern zu Liebau und Pfaffengrün mit seiner Schaafheerde fort und fort deren Fluren. Ja er schien das Verbot blos zu belachen und verliess sich dabei auf die Wachsamkeit seines Hundes, an welchen sich Keiner der Verletzten heranwagte. Eine alte Frau von Pfaffengrün sann auf listige Ueberwindung des Schäfers und dessen Hundes, und die List glückte, wenn man sonst das ganze Ereigniss ein Glück nennen kann. Die alte Frau bemerkte eines Tages wieder den Schäfer mit seiner Heerde und den ihn begleitenden Hund auf Pfaffengrüner Fluren, sie ging dem Schäfer, eine Katze bei sich tragend nach, und hinter ihr im Verstecke lagen die Bauern von Pfaffengrün und Liebau. Nahe an den Schäfer herangekommen liess sie ihre Katze von den Armen, auf welche der Schäferhund lossprang, der mit ihr sein Spiel trieb. Diesen Moment benutzten die Bauern, brachen aus ihrem Verstecke hervor, hieben auf den Schäfer ein und schlugen so lange auf selbigen los, bis derselbe todt zur Erde niederfiel. Der darüber angestellte Prozess schwebte sehr lange, doch soll derselbe sehr günstig für die Betheiligten ausgefallen sein.

Pfaffengrün liegt unmittelbar an der Chaussee von Reichenbach nach Plauen, weshalb auch hier zwei Gasthöfe gefunden wurden, die oft für das schwere Lastfuhrwerk, welches hier übernachtete, nicht genug Stallungen bieten konnte.

Jetzt führt noch eine neue Strasse hier durch und zwar von Herlasgrün, dem Stationsorte der sächs. bayerschen Eisenbahn, zwischen Netzschkau und der Elsterthalüberbrückung nach Treuen, Lengenfeld und Auerbach, weshalb im Jahre 1854 unmittelbar über dem Orte an dieser gedachten Strasse ein neues Gasthaus noch entstanden ist, wo der Gast ein gutes Glas Bier und überhaupt gute Bewirthung findet.

Pfaffengrün hat guten Feldbau, und nicht unergiebige Wiesen, auch schöne Holzungen, die nur öfters zum Leidwesen ihrer Besitzer von benachbarten Holzdieben heimgesucht und dadurch ruinirt werden.

Ausserdem giebt es hier auch mehre Handwerker, vorzüglich aber Weber.

Pfaffengrün ist mit Ober- und Unter-Limbach, mit Herlasgrün, Ober- und Unterbuchwald mit Mühlwand, der bünau’schen Mühle, Schotenmühle, Walkmühle und Jägerhaus nach Limbach eingepfarrt, in dasselbe Limbach, was wir schon bei der Beschreibung von Christgrün in Erwähnung gebracht haben.

Dieser Kirchenverband rührt auf alle Fälle aus den Zeiten, wo die Herren von Bünau Elsterberg besassen, mit welcher Herrschaft der Besitz von Thürnhof, von Christgrün und Pfaffengrün verknüpft war. Bei der Errichtung der selbstständigen Parochie Limbach, welches erst Filial von Elsterberg war, blieb dann Pfaffengrün der Kirche zu Limbach zugetheilt.

Die ganze Parochie umfasst ein Areal von 3144 Acker 66 Quadratruthen mit 35,814 Steuereinheiten und eine Bevölkerung von 1287 Seelen, wovon auf Pfaffengrün 418 Einwohner in 82 Familienhaushaltungen und 59 bewohnten Gebäuden kommen.

Pfaffengrün hatte seine eigene Gerichtsbarkeit, die durch die Einführung der neuen Gerichtsorganisation ihre Endschaft erreicht hat und durch das Gerichtsamt Treuen, durch das Bezirksgericht Plauen ersetzt worden ist.

M. G.     



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 152. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/230&oldid=2972287 (Version vom 7.1.2017)