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Kammerherrn von Beust auf Thosfell, welcher dieses Vorwerk Gansgrün einem seiner Herrn Söhne in den 30ger Jahren dieses Jahrhunderts überliess. Seit dieser Zeit wurde Gansgrün selbst wieder renovirt und als selbstständiges Rittergut arrondirt.

In den 40ger Jahren verkaufte Herr von Beust sein Gut Gansgrün an Herrn Theodor Keller auf Liebau, den jüngsten Sohn des Herrn Kaufmann Keller in Plauen, welcher letztere durch Verheirathung mit der einzigen Tochter des weil. Kaufmann Eichhorn in Plauen in den Besitz von Liebau gelangt war.

Herr Theodor Keller hat viel zur Verbesserung und Aufbringung des Gutes Gansgrün beigetragen. Die Musterwirthschaft der Schweizer-Viehzucht stammt von ihm und Gansgrün hat durch seine berühmte Käsbereitung nach Schweizer-Art einen Namen erlangt, der selbst im Auslande öfter genannt wird.

Leider wurde dieser Besitzer des Gutes zu bald aus diesem Leben gerufen und seine Gattin, eine geb. Nicolai aus Schneeberg musste die Last der eignen Bewirthschaftung des Gutes im Jahre 1854 übernehmen. Seit zwei Jahren ist diesslbe wieder verheirathet und deren Ehemann, Herr Arnold selbstständiger Besitzer des Gutes.

Die in der Abbildung befindliche Wohnung ist, wie schon erwähnt, von dem früheren Besitzer, dem Herrn von Beust, dem späteren Besitzer von Blankenhein bei Hirschberg neuerbaut und im Innern kostbar hergerichtet. Die Wirthschaftsgebäude sind ebenfalls neu und zweckentsprechend. Das Gut hält im Ganzen 265 Acker und zwar 127 Acker Gerstenboden, 60 Acker sehr gute Wiese, 10 Acker Teich und 60 Acker Waldung.

Gansgrün hatte bis zum Erscheinen der neuen Gerichtsorganisation seine eigene Gerichtsbarkeit, doch gehörten Bewohner des Ortes auch unter die Gerichte von Bergen, Helmsgrün, Thosfell und unter das frühere Amt Plauen.

Zum Orte gehört eine Mühle von 4 Gängen, welche in den früheren Zeiten Eigenthum des Klosters oder der Terminey war.

Als frühere Besitzung der deutschen Herren von Plauen war Gansgrün nach Entstehung der Ordens Ballei Plauen, welcher 13 Kirchlehne, untergehen war, wozu auch Altensalz gehörte, in die Kirche dieses Ortes von jeher gewiesen, weshalb auch nach Aufhebung des Klosters und nach Verwandlung desselben in ein Rittergut, den Besitzern desselben unter der Kirche zu Altensalz eine Gruft angewiesen wurde, die insofern einen Uebelstand mit sich führt, dass der Fussboden, unter welchem sich diese befindet, zur Bestattung einer Leiche aufgerissen werden muss. Eine Empore für die Gutsherrschaft von Gansgrün ist erst in neueren Zeiten in diese Kirche eingebaut worden.

Die Kirche in Altensalz hat übrigens weder Etwas, das für Baumeister, Maler und Bildner einiges Interesse hätte.

Altensalz selbst der Ort hiess früher Salza und ist bekannt durch die Entdeckung der am Triebbache in drei noch vorhandenen Brunnen gefasste Salzquelle.

Die Entdeckung dieser Quelle muss schon sehr frühzeitig erfolgt sein. Man setzt sie zurück in die Zeit, wo die Sorben-Wenden hier ihre Anbauungen hatten. Denn aus einer alten Urkunde vom Jahre 1520 ergiebt sich, dass das Salzwerk selbst von neuem gebaut worden, nachdem es seit undenklichen Zeiten der Verheerung unterworfen gewesen sei. Auch ward damals aus dem Gräfenstein, einem churfürstlichen Walde, das grösste Holz zum Salzwerkbau ausgehauen.

Im Jahre 1542 wurde es durch zwei beim Dorfe Treuen ausgerissene Teiche wieder verschlemmt, 1569 aber wieder aufgenommen, worauf es wieder liegen blieb.

Im Jahr 1588 nahm Hans Georg von Carlowitz den Bau auf den Salz und Bleigange abermals auf, erhielt von dem Churfürsten Johann Georg I. ein Privilegium darüber und gewann auch wirklich dreipfündige Sole, ohne bis in die reichhaltigen Baue der Alten gekommen zu sein und dennoch ging das Werk, welches unter dem Schneeberger Bergrevier stand, im Jahre 1695 wieder ein. Im Jahre 1722 legte der Leipziger Professor Lehmann, Siede- und Trockenhäuser hier an; allein 1740 gerieth Alles wieder in Stocken. Die neuesten Versuche wurden zu Ende der 20ger Jahre unseres Jahrhunderts gemacht, allein dieselben führten zu keinem günstigen Resultate, und man sieht nichts als die Spuren von den Arbeiten unsrer Vorfahren.

Das hier gesottene Salz war schwärzer als das gewöhnliche, aber fast noch einmal so scharf.

Bei den Fortschritten, die unsere Zeit durch Maschinenwesen gemacht hat, dürfte es gewiss nicht unrathsam sein, neue Versuche zu

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 150. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/227&oldid=2972285 (Version vom 7.1.2017)