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damaligen Herrn von Döhlau dazu gestifteten Pfarrei in ihrem jetzigen Sprengel zu einer selbstständigen Parochie erhoben.

Die damalige Kirche muss ein stattliches Gebäude gewesen sein: Denn in der noch vorhandenen Schilderung des Brandes von 1640 wird gesagt: „ingleichen brannte ab die mit Schiefer gedeckte, schöne Kirche, mit zwei Thürmen, drei Glocken und zwei grossen Schlaguhrwerken.“ Der Auf- und Ausbau der jetzt noch stehenden Kirche wurde 1642 begonnen, aber erst 1651 vollendet.

Die Kirche hat sich vieler milder Stiftungen der Herren von Döhlau zu erfreuen, deren Vermächtnisse noch heute den Stamm der Kirchencapitalien bilden und mit Recht konnte nach ihrem Verschwinden die Klage laut werden: „Es giebt keine Döhlaue mehr.“ Sie waren ihren Gerichtsuntergebenen überhaupt keine Herren, sondern wirkliche Väter. Fremde Noth, fremdes Leid zu mildern und zu lieben, die wahre Menschenliebe in allen ihren Handlungen, wie Christus sie lehrte, zu bethätigen, das war der Grundzug dieser Herren. O könnten wir doch von Allen sagen, das sind Nachfolger von den grossen Döhlauen und bald, bald müsste es besser werden auf dieser Welt, wo jeder Anspruch hat, der reichen Schöpfung unseres Gottes sich zu freuen.

Die Kirche zu Ruppertsgrün ziert heute noch ein Epitaphium, die Kreuzigung Christi vorstellend, welches auf Joachim von Döhlau sich bezieht, der im Jahre 1638 verstorben ist.

Pfarre und Schule zu Ruppertsgrün sind durch Vermächtsnisse der Döhlau’schen Familie ebenfalls dotirt und verbessert worden, so dass Pfarrer und Schullehrer hier ihr reichliches Auskommen haben. Zur Pfarre gehört eine Oeconomie von 44 Acker an Garten, Felder, Wiesen und zur Schule 2 Acker 21 Quadratruthen Garten, Feld und Wiese.

Ruppertsgrün hatte seine eigene Gerichtsbarkeit, welcher der frühere Advocat Herrmann Braun als Director vorstand, der jetzt das Gut als Administrator der Hühnefeld’schen Stiftung wieder mit zu verwalten hat.

Ruppertsgrün gehört jetzt ebenfalls mit 89 bewohnten Gebäuden und 641 Einwohnern zum Gerichtsamt Elsterberg.

M. G.     


Gansgrün


früher auch Jahnsgrün genannt, an der Trieb, 2 Stunden von Plauen entfernt gelegen, verdankt seine Entstehung dem Marianer Orden zu Plauen, welche ihre hiesigen Besitzungen im 12. Jahrhundert zu dem Erbau eines Klosters oder vielmehr einer Terminey benutzten.

Nach Einführung der Reformation wurde diese Terminey aufgehoben, die dazu gehörigen Aecker, Wiesen, Wälder und Teiche samt den alten Gebäuden der Familie Röder verliehen, welche daraus das Rittergut Gansgrün bildeten.

Diese Familie von Röder, eine der angesehendsten des Voigtlandes und schon bei der Erbauung von Plauen sich hervorthuend, blühte bis in das 18. Jahrhundert. Sie besass ausser Gansgrün auch Pöhl, Cossengrün, Möschwitz und Lewitz, wie dies Alles schon näher bei der Beschreibung von Pöhl angeführt zu finden ist. Nach dem Absterben des Churfürstl. Sächs. Kreishauptmann, Obersteuereinnehmer und Geheimderath Christoph Wilhelm Ludwig von Röder, kamen die Güter Pöhl und Lewitz an seinen Schwiegersohn, den Herrn von Bodenhausen, Gansgrün war schon früher zu dem Rittergute Thosfell verkauft, wo es nur als blosses Vorwerk bewirthschaftet worden ist, bis zu den Zeiten des Herrn

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 149. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/226&oldid=2989016 (Version vom 24.2.2017)