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Christgrün


liegt 21/2 Stunde nordöstlich von Plauen, 1 Stunde südöstlich von Elsterberg unfern des Ruppersgrüner Baches, unterm Hartmannspöhl.

Der Ort ist deutschen Ursprungs, obschon dessen Erbauung nicht mit Bestimmtheit angegeben werden kann. Eben so sind die ersten Besitzer des Gutes nicht mit Sicherheit zu ermitteln: Nur so viel steht fest, dass es in den frühesten Zeiten zur Herrschaft Elsterberg gehörte, und seit den Zeiten der Familie von Bünau zum selbstständigen Rittergute erhoben worden ist. Die Familie von Bünau besass Christgrün noch im 16. Jahrhundert. Erst zu Ende des gedachten Jahrhunderts und im Anfang des 17. Saeculo kam es an die von Trützschler, von welchen es das Geschlecht derer von Milkau erwarb. Dieser altadlichen Familie folgten im Besitze die von Bose, von welchen es die Marschalle in Lehn erhielten und im zweiten Decennio des 18. Jahrhunderts ging es an die von Hühnefeld über. Bei dieser Familie verblieb es bis den 3. Jan. 1827, an welchem Tage Ehrenfried Wilhelm Heinrich Freiherr von Hühnefeld aus dieser Welt ging und in seinem Testamente dieses Rittergut zu einem Stiftsgute machte. Diese Familienstiftung wird von der Amtshauptmannschaft Plauen und einem beigesetzten Familienrath sachkundiger Edelleute administrirt. Die Einkünfte werden zur Begründung und Erhaltung einer zweiten Elementarschule zu Limbach, so wie zur Unterstützung der nachgelassenen Verwandten verwendet. Die Descendenten des verstorbenen Major von Hühnefeld in Reichenbach sind die nächsten Verwandten des Stifters, welcher ebenfalls auch dahin Bestimmung getroffen hat, dass von den überständigen Capitalien neue Besitzungen angekauft und blos die Revenüen und Zinsen bis zu einer gewissen Höhe verwendet werden möchten. Daher wurde zunächst Elsterberg für die Stiftung erworben und in den letzten Jahren ist auch Ruppertsgrün dazu erkauft worden.

Der erste Verwalter dieser Stiftung war Herr Amtshauptmann von Beust auf Neuensalz, wogegen die jetzt abgetretenen Stiftungsgerichte von Dr. Steinhäuser in Plauen verwaltet wurden. Noch vor Beust’s Tode succedirte Herr Amtshauptmann von Schütz in Plauen, dem Herr Regierungsrath Körner im Amte folgte, und als Amtshauptmann zugleich die Administration der Hühnefeldschen Stiftung überkam. Der jetzige Verwalter dieser Stiftung ist der derzeitige Amtshauptmann von Plauen, der Geheimerath Dr. Braun, in engern und weitern Kreisen bekannt als früherer Minister-Präsident und vieljähriges Mitglied der 2ten Kammer der Sächsischen Ständeversammlung.

Mit grosser Umsicht und Menschenfreundlichkeit wird von diesem ausgezeichneten Manne diese ihm anvertraute Stiftung zur Zufriedenheit der Familienglieder geleitet und verwaltet, so dass das grosse Vermögen von Jahr zu Jahr zunehmen und den einzelnen Betheiligten zu gute kommen muss. Der jedesmalige Lehnträger der von Hühnefeldschen Christgrüner Familienstiftung ist ein Herr von Schlieben.

Das Schloss in Christgrün ist gross und geräumig und noch im älteren Style erbaut. Die Wirthschaftsgebäude sind im guten Zustande, und mit denselben ist eine bedeutende Brauerei verbunden. Vorzüglich stark ist die zum Gute gehörige Schäferei. Die Felder gehören nicht der besten Bodenlage an, doch sind sie auch nicht der schlechten zuzuzählen. Die Wiesen kann man zu den guten rechnen. Das Gut hatte sich, seitdem es als Stiftungsgut verwaltet wird, immer auch sehr

     Voigtländischer Kreis, 19tes Heft oder 99tes der ganzen Folge.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 145. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/220&oldid=2972280 (Version vom 7.1.2017)