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die Kirche zu Plauen zu gehen und gehört Kauschwitz sonach zu der Parochie Plauen.

Irrthümlich erwähnen mehrere Geschichtsschreiber, dass Kauschwitz vor der im Jahre 1764 erbauten Schlosskapelle nach Syrau eingepfarrt gewesen sei. Kauschwitz gehörte zur Dobenauer Herrschaft, wie schon erwähnt worden ist, und war daher auch zur Stadt Plauen gezogen und stand unter dem Aridiakonat zu Dobenau, welches mit Einführung der Reformation seine Endschaft erreichte. An die Stelle des katholischen Archidiakonats trat im Jahre 1753 ein evangelisches Consistorium, welches der Burggraf Heinrich in Plauen für die wiedererlangten Besitzungen der Voigte errichtete. Dieses Consistorium, welches eigentlich blos ein Ehegericht war, stand unter dem Leipziger Consistorium.

Dieses Ehegericht wurde im Jahre 1575 wieder aufgehoben.

Von Kauschwitz nach Plauen führt ein angenehmer Fussweg über die Holzmühle bei der Dobenau und der sogenannten Poppenmühle vorüber. Zur linken Seite erblickt man die Ruinen der Dobenau, welche aus dem Bauernkriege vom Jahre 1526 herrühren, wo Plauen belagert und die Burg Dobenau mit zerstört wurde.

Der alte Burgbrunnen der Dobenau, was fälschlich für ein Burgverlies öfter ausgegeben worden ist, existirt heute noch.

Zu Ende der 20er Jahre besass die Dobenau ein Bruder des Staatsministers von Wintersheim.

Im Jahre 1834 diente sie als Vergnügungsort für die höheren Stände Plauens und von da aus wurden Spatziergänge nach der Holzmühle und nach dem nahe gelegenen Kauschwitz unternommen.

Kauschwitz hat schon in der frühesten Zeit seine eigene Schule gehabt, aber es war blos eine sogenannte Catechetenschule, wie in Krieschwitz, Reusa, Messbach und Reissig.

Seit Erscheinen des Volksschullehrergesetzes haben diese Catechetenschulen aufgehört und die vorgenannten Orte mit Kauschwitz haben jetzt ihre ständigen Lehrer, welche unter der Aufsicht des Plauen’schen Superintendenten stehen.

Kauschwitz setzt alle seine ländlichen Erzeugnisse in der benachbarten Stadt Plauen ab und das Rittergut verkauft ebenfalls dahin alle seine Producte.

Der letzte hiesige Gerichtsdirektor war der jetzige Staatsanwalt, Advocat Schmöger in Plauen.

Kauschwitz selbst mit seinen 67 bewohnten Gebäuden, 73 Familienhaushaltungen und 397 Einwohnern gehört jetzt zum Gerichtsamte und zum Bezirksgerichte Plauen, zur Amtshauptmannschaft der letzteren Stadt zum Regierungsbezirk Zwickau.

M. G.     



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 144. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/218&oldid=2972279 (Version vom 7.1.2017)