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In geschichtlicher Beziehung ist noch zu bemerken, dass im Jahre 1580 ein Theil des Dorfes und im Jahre 1583 oder 1584 die Kirche abrannte. Im Jahre 1633 forderte die unter dem Namen des „schwarzen Todes“ bekannte Pest auch in Taltitz viele Opfer, die der Sage nach auf einem besonderen Platze des Kirchhofs, wohin bis heute Niemand weiter begraben worden ist, in Kalk gelegt, hier beerdigt sein sollen.

Geschichtlich merkwürdig ist auch Taltitz durch das am Wartberge zwischen Preussen und Oestreichern vorgefallene Scharmützel, in welchem der preuss. General von Hund erschossen und nach Plauen beerdigt wurde.

Im Jahre 1806 hatte Taltitz wegen seiner geringen Entfernung von der Heerstrasse nach Baiern von den Durchmärschen der Franzosen viel zu leiden und auch die Kirche wurde von denselben mehrerer werthvoller Gegenstände beraubt.

Ueber die soeben erwähnte Kirche steht dem jedesmaligen Besitzer von Taltitz das Collaturrecht zu, sowie das über die Schule.

Im 14. Jahrhundert stand das Patronatrecht über die Kirche den deutschen Ordensrittern zu, von denen es nach der Reformation auf die Superintendenten in Plauen als Pastores primarius überging, welche es in der Folge gegen Entrichtung eines jährlichen Canons von 5 Thlrn. an die Besitzer des Rittergutes in Taltitz abtraten.

Die Kirche, ziemlich inmitten des Dorfes gelegen, bietet zwar keinen imposanten Anblick dar, ist aber im Innern einfach und freundlich; sie hat ein schönes massives Kreuzgewölbe und mehrere in der Mauer vorgefundene Vertiefungen und Thüren in Spitzbogenform, welche als Zeichen ihres hohen Alters dienen.

Ausser einigen an den Wänden neben der Kanzel befindlichen Epitaphien, die Gliedern der Groen’schen und Hickmann’schen Familie auf Taltitz und Dobeneck gewidmet sind, sowie dem Porträt des Renovators der Kirche, Wolfgang Ferber und dessen Gattin an der Brüstung der herrschaftlichen Taltitzer Kapelle und einem in der Vorhalle befindlichen steinernen Denkmal, einem hier verstorbenen ehemaligen Besitzer von Dobeneck und Taltitz aus dem alten Geschlechte derer von Neidberg gewidmet, befindet sich nichts besonders Merkwürdiges in der Kirche.

An dem westlichen Ende der Kirche befindet sich der einige 60 Ellen hohe steinerne Thurm mit schieferner Kuppeldachung, Durchsicht und Haube.

Diese Gestalt verdankt er dem Herrn Wolfgang von[VL 1] Ferber.

Der untere Raum desselben bildet den Haupteingang und die Vorhalle der Kirche, der mittlere die herrschaftlich-Taltitzer Kapelle.

Ein geräumiger, zum Theil noch unbenutzter Kirchhof umgibt die Kirche und birgt die einfachen Grabstätten des in jeder Hinsicht edlen Amtshauptmanns von Reibold und dessen Gemahlin, sowie die Grüfte der Familien von Tettau, von Feilitzsch, Hickmann und Jahn. Auf seiner östlichen Seite wird er von der Pfarre begrenzt, welche im guten baulichen Zustande sich befindet. Die Aussicht von der Pfarrwohnung ist beschränkt; dagegen gewährt der daranstossende Garten reichlichen Ersatz.

Die Schule, mit ihrem Gehöfte mit dem der Pfarre zusammenstossend, ist neu erbaut und gewährt 120 Kindern hinlänglichen Raum.

In die hiesige Kirche ist blos Dobeneck mit Eulenstein gepfarrt.

Sonst war die Superintendur Plauen in zwei eigene Cirkel, in den Theumaischen und Taltitzer eingetheilt. Letzterer enthielt die Parochien Taltitz, Kürbitz, Kloschwitz, Rodersdorf, Geilsdorf, Schwandt, Reuth, Gefell, Langenbach, Thierbach, Pausa, Ebersgrün, Syrau, Leubnitz, Rodlau.

Früher gehörte Taltitz zum Amte Plauen, wogegen Dobeneck mit Eulenstein dem Justizamte Voigtsberg unterworfen war.

Jetzt ist Taltitz, wie Dobeneck und Eulenstein dem Gerichtsamte Oelsnitz zugewiesen, sowie diese Orte zusammen unter dem Bezirksgerichte, unter der Amtshauptmanschaft Plauen stehen und dem Regierungsbezirke Zwickau zugetheilt sind.

Nach der letzten Volkszählung hatte Taltitz 83 bewohnte Gebäude, 109 Familienhaushaltungen, 579 Einwohner.

M. G.     



Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: von
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 132. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/200&oldid=2972265 (Version vom 7.1.2017)