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war er ein Wohlthäter der leidenden Menschheit und ein Freund der Künste und Wissenschaften. Er starb zu Mühltroff den 15 Oct. 1686.

Sein Sohn Melchior Otto Freiherr von Bodenhausen bekam nach des Vaters Tode Mühltroff, dessen Gattin war Fräulein Sophie Eleonore von Reisewiz auf Graboska und Tworkau in Schlesien. Herr Melchior Otto von Bodenhausen erzeugte mit derselben 7 Kinder, von welchen nach dem Ableben des Vaters der älteste Sohn Otto George von Bodenhausen mit der Herrschaft Mühltroff beliehen wurde. Letztrer war ein sehr gelehrter Mann, und wurde deshalb zum Vormund der unmündigen Kinder Heinrichs Reuss des älteren von Greiz oberen Theils durch Kaiser Leopold ernannt. Derselbe starb im Jahre 1732 und wurde im Erbbegräbniss zu Mühltroff beigesetzt. Mühltroff kam noch bei seinen Lebzeiten wegen einer Prachtliebe sowohl als wegen seiner zu grossen Güte und Menschenfreundlichkeit unter Sequestration. Sein Nachfolger und Sohn Otto George Freiherr von Bodenhausen brachte es so weit, dass seine väterlichen Besitzungen, gegen jährliche Abzahlung von 6000 Gulden an die Gläubiger, ihm erblich überlassen, und nach und nach ihrer Rangordnung gemäss befriedigt wurden. Im Jahre 1734 wurde Otto George Freiherr von Bodenhausen in Mühltroff gehuldigt, vorher aber mit Fräulein Charlotte Eleonore von Willigenau aus Schlesien ehelich verbunden, mit welcher er eine einzige Freiherrin Ottonie Eleonore erzeugte, die sich im Jahre 1749 an Herrn Carl Erdmann von Kospoth auf Frankendorf verheirathete. Mit ihm ist die Freiherrlich Bodenhausensche Linie erloschen. Durch diese Verheirathung mit Herrn Carl Erdmann von Kospoth kam Mühltroff an das Geschlecht derer von Kospoth. Unter ihnen ist der durch sein tragisches Ende, und als Compositeur bekannte Graf Otto von Kospoth, ehemaliger preussischer Kammerherr nicht unerwähnt zu lassen, durch welchen noch bei seinen Lebzeiten Mühltroff an die Hühnefeldsche Familie gekommen ist. Herr von Hühnefeld auf Christgrün verkaufte nach dem Mühltroffer Brande vom 22. Juni 1817, wobei ein Theil des schönen Schlosses mit eingeäschert wurde, das Gut an die Familie Pennold, von welcher es an die Graf Hohenthalsche Familie kam.

Der dermaliche Besitzer ist der Reichsgraf Carl Julius Leopold (des sächs. Kammerherrn Reichsgrafen Carl Friedrich Anton Sohn,) welcher mit Auguste Isidore von Wuthenau vermählt ist, und in dieser Ehe zwei Kinder erzeugt hat, Carl Xaver Maximilian und Isidore Walpurga Olga.

Dieser Graf von Hohenthal besitzt ausserdem im Königreich Sachsen noch Lauenstein, Weissenhorn, Püchau, Rittmitz, Klein-Dölzig und die Pflege Löbnitz, welche also nicht, wie irrthümlich im 81. Heft der Reihefolge dieses Albums berichtet worden, Herrn Reichsgrafen und Königl. Sächs. Kammerherrn Alfred von Hohenthal auf Döbernitz gehört.

Mühltroff hat der Hohenthalischen Familie viele Wohlthaten, viele Verbesserungen zu verdanken. und wo es galt, Opfer zu bringen, stand gewiss die Gerichtsherrschaft bezüglich ihrer Untergebenen stets bereitwillig zu Diensten.

Die Patrimonialgerichtsbarkeit wurde noch vor Einführung der neuen Gerichtsorganisation an den Staat abgetreten. Der letzte Gerichtsdirektor von Mühltroff war der Advokat und jetzige Finanzprocurator Carl Friedrich Stimmel in Plauen.[1] Ueberhaupt verstanden die Herren Besitzer von Mühltroff zu der Verwaltung ihrer Gerichte stets tüchtige, würdige Persönlichkeiten aufzufinden. Vor Stimmel waren im Amte der spätere Justizamtmann Heubner in Freiberg und vor diesem dessen Herr Vater, der frühere Bürgermeister Heubner, zwei Männer, deren Wirken heute noch in Mühltroff rühmend anerkannt wird. Die Gerichtsdirektoren von Mühltroff führten in früherer Zeit den Titel „Amtsschösser, auch Amtleute und Amtsbefehlshaber.


  1. Stimmel, ein als Jurist und als Mensch gleich achtungswerthe Persönlichkeit ist in Voigtsberg, wo sein Vater als Mühlenbesitzer noch lebt, geboren, genoss seine Schulbildung auf dem Gymnasium zu Plauen, bezog 1832 die Universität Leipzig und kehrte 1835 nach Plauen zurück, um daselbst seinen Access zu absulviren. In der Expedition des damaligen Herrn Gerichtsdirektor, nachmaligen Minister und jetzigen Herrn Geheimrath und Amtshauptmann Braun, fand derselbe Aufnahme und eine gute juristische practische Schule. Bald wurde seine Brauchbarkeit und sein zuverlässiges Wesen erkannt und ihm schon als jungen angehenden Advocaten die wichtigsten Geschäfte übertragen. Trotz allen Anfeindungen fand unter den vielen Bewerbern um die Gerichtsstelle in Mühltroff, die damalige Gerichtsherrschaft ihn als den heraus, dem das ganze Vertrauen geschenkt werden konnte, und dieses Vertrauen hat auch Stimmel jeder Zeit in seinem Amte gerechtfertigt, weshalb auch die Jahre 1848 und 1849 nicht ohne Verfolgungen für ihn waren. Sein öffentlicher Charackter wurde damals in öffentlichen Blättern sehr verdächtigt, ja sogar der moralischen Vernichtung reif gezeichnet und seine Feinde wunderten sich nur, wie auf solche starke öffentliche Anklage nicht sofort die Einleitung der Untersuchung gegen ihn folgte: Denn das begriffen jene Menschen in ihrem blinden Eifer nicht, dass das etwaige Fehlen gegen Moralgesetze noch nicht die Existenz eines nach den Social-Gesetzen zu bemessenden Vergehens annehmen lässt. Noch vielweniger wollte man erkennen, dass das Ganze ein reines Phantasiestück eines erhizten jugendlichen Kopfes sein könnte, bei welchem es auf weiter nichts abgesehen war, als seine Bravour und Makellossigkeit als sogenannter Volksführer zu beweisen. Stimmel steht rein, schlicht in Sitten, unbescholtnen Wandels, offen, uneigennützig, edelsinnig, nimmer Anstoss nehmend, mit einem Worte sittlich gross nach jeder Seite hin heute noch da, und die Unterdrückten finden in ihm stets einen warmen Beschützer, die Rechtsuchenden einen gechickten und gewandten Fürsprecher.
    Stimmel ist hoch und schlank gewachsen.
    Mit stolzem, nach hinten geworfenen Haupte schreitet er einher. Seine Gesichtszüge sind mehr streng und sogar mürrisch, als freundlich. Deshalb wird er oft bei dem ersten Begegnen verkannt und irrig beurtheilt, sein Innres aber ist ohne Falsch und ganz voller Theilnahme für die Leiden der Menschheit, eine Tugend, welche mit ihm seine vortreffliche hochgebildete Gattin „Laura geb. Schreiner, die würdige Enkelin des frühern Kaufmann und Stadtrath Heynig zu Plauen theilt.“
    Mögen diese Zeilen, welche ich Dir und Deiner Familie weihe, und welche nicht die Schmeichelei dictirt, Deinen Namen über diese flüchtige Zeit hinaustragen, die vorübergeht und uns dahinreisst, mögen sie Dich von meiner Anhänglichkeit an Dich und Dein Haus immer mehr überzeugen, und meiner Erinnerung schmerzliches Rücksehnen noch erhöhen.
    D. R.     
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 114. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/173&oldid=2972245 (Version vom 7.1.2017)