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Mühldroff.


Mühltroff, welches in den Urkunden Mühlendorf, Müeldorf, Mohldorf genannt wird und seinen Namen von den vielen Mühlen führt, die früher in dasiger Gegend gestanden haben, wovon man noch mehrere vorfindet, liegt an der durchfliessenden Wiesenthal, 2 Meilen von Plauen, 1 Meile von Schleiz und 3 Meilen von Hof.

Die Zeit, wenn Mühldrof erbauet worden, ist unbestimmt. Wie die Endung des Ortes beweiset, ist derselbe nicht wendischen, sondern deutschen Ursprungs, und im elften oder zwölften Jahrhundert angelegt.

Aller Wahrscheinlichkeit nach hat anfänglich, ausser einigen Mühlen nichts, als das Schloss dagestanden, welches auf einem dichten Felsen neben dem grossen Teiche oder See lieget, und an dessen Seite einige Häuser angebaut worden sind. Der Ort hat ursprünglich nur aus den Häusern bestanden, welche auf beiden Seiden des Marktes, von der Brücke an, bis an den Bach sich befinden, welches daher anzunehmen ist, weil diese Häuser sämmtlich und wahrscheinlich auch nur allein und mit vielen Grundstücken zusammenhingen, und mehrentheils sogenannte ganze Höfe sind.

Schon im 14. Jahrhunderte kommt Mühltroff als eine besondere Herrschaft und Residenz Heinrich V. Voigts von Plauen und Herrn zu Mühltroff vor. Sie war von solcher Wichtigkeit, dass die Voigte von Plauen durch den ganzen Husittenkrieg, und noch länger mit Friedrich und Wilhelm, Gebrüder, Landgrafen von Thüringen und Markgrafen zu Meissen, bald mit Waffen, bald mit der Feder darum stritten. Im Jahre 1459 wurden im Egerischen Hauptvergleiche zwischen gedachten Brüdern, dem König Podiebrad und der Krone Böhmen der Streit bis auf weitere Entscheidung ausgesetzt.

Von Heinrich V. kam Mühltroff an Heinrich den älteren Voigt von Plauen, den Langen genannt. Im Jahre 1357 wurde es mittelst Tausches von Heinrich dem Langen und Namens seiner Söhne an die Herren Landgrafen von Thüringen und Markgrafen zu Meissen Friedrich, Balthasar und Wilhelm überlassen. Nach einer im Jahre 1370 vorgekommenen Ländertheilung dieser Landgrafen fiel Mühltroff an Landgraf Wilhelm den älteren oder einäugigen, welcher seinen Voigt Haus von der Heyde im Jahre 1393 damit beliehen hat.

Wilhelm der einäugige starb im Jahre 1507 ohne Erben, und Mühltroff mit dem ganzen Voitglande fiel an Balthasars Sohn, an Friedrich den Jüngeren, welcher im Jahre 1437 Ulrich und Nicol, Gebrüdern von Sack, an denen Mühltroff verpfändet war, Letzteres überlies.

Die Oberlehnsherrlichkeit bekam nach dem Tode Heinrich des Jüngeren im Jahre 1445 Churfürst Friedrich der Sanftmüthige. Nach der Schlacht bei Mühlberg im Jahre 1547 erhielt die Oberbotmässigkeit über Mühltroff von Kaiser Karl V. Heinrich V. Burggraf zu Meissen. –

Nach dem Aussterben der Burggräflichen Linie kam das Voigtland an das Churhaus Sachsen Albertinischen Stammes.

Die Herren von Sack auf Mühltroff besassen solches von 1436 bis 1591. Nach dem Absterben der Herren von Säcke ohne Leibeserben fiel Mühltroff als offenes Lehn an die Oberlehnsherren, welche die Besitzung an die von Schönberg und Lindemann verschenkten, die es im Jahre 1592 an Heinrich von Schönberg auf Weissbach, dessen Gemahlin Ursula von Spiegel war, verkauften. Heinrich von Schönberg, welcher viele Prozesse mit seinen Gerichtsuntergebenen hatte, besass das Gut nur 8 Jahre, indem er solches an Curt oder Conrad von Mandelsloh auf Krockendorf in der Herrschaft Blanckenhain im Jahre 1601, dieser aber wieder im Jahre 1603 an seinen Vetter, Melchior von Bodenhausen um 60000 Gulden verkaufte. Dieses uralte Geschlecht der von Bodenhausen stammt aus Niedersachsen, besonders aus dem Braunschweigischen, und hat seinen Namen von dem Orte entlehnt, nämlich dem Schlosse Bodenhausen in Nieder-Hessen an der Braunschweigischen Grenze. Die Geschichte dieser Familie gehört zu den ältesten und berühmtesten in Deutschland. Zu Zeiten Kaiser Friedrich des Rothbarts leisteten sie erspriessliche Dienste. Verschwägert war dieses Geschlecht mit den Herren Grafen Reuss von Leiningen, Schönburg Wartenberg u. s. w.

Melchior von Bodenhausen war mit Elisabeth von Berlepsch vermählt, einer Tochter Hansens von Berlepsch auf Bühla. Dieser Melchior von Bodenhausen war sehr reich und kaufte auch noch Leibnitz und 3 Theile der Herrschaft Blanckenhain, ferner Lautenberg, das Gräflich Hohensteinsche Schloss Nora, und hatte das Amt Pausa Pfandweise innen.

Nach seinem Ableben mit Hinterlassung von 4 ihn überlebenden Kindern (5 waren wieder vor ihm gestorben) kam Mühltroff und Leubniz an seinen Sohn Otto, Landeshauptmann zu Hof, dessen Gattin Elisabeth von Behr, eine Tochter Franz von Behr auf Bandelin in Pommern, und deren Mutter eine geborne Jasmund war. Otto von Bodenhausen starb im Jahre 1644 zu Culmbach, und ist nebst seiner Gemahlin, die im Jahre darauf ihren Gatten im Tode nachfolgte, in Mühltroff beigesetzt. Ihm succedirte sein Sohn Franz Wilke von Bodenhausen, welcher mit Fräulein Magdalena Agnes von Rheden auf Friedland vermählt war. Derselbe wurde vom Kaiser in den Freiherrnstand erhoben. Dieser Wilke von Bodenhausen hatte einen förmlichen Hofstaat und lebte sehr glänzend; dabei

     Voigtländischer Kreis, 15tes Heft, oder 85tes Heft d. g. F.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 113. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/172&oldid=2972244 (Version vom 7.1.2017)