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Wirthschaftsräume von Grund aus abtragen und dagegen ganz neu erbauen, massive und geschmackvolle Wohn- und Wirthschaftsgebäude, wie sie in der Abbildung zu sehen sind, herstellen liessen, die dem Orte und der Umgegend zur wahren Zierde gereichen. Das Hauptgebäude des untertheilischen neuen Schlosses ist nahe an der Stelle der alten Burg, dessen Thurmruinen erst um’s Jahr 1810 bis 1811 des Neubaues wegen abgetragen worden sind, erbaut. Plohn Oberntheils besass der Gerichtsdirektor Adv. August Friedrich[WS 1] Adler, welcher vor einigen Jahren mit Tode abgegangen ist. Der Besitzer von Plohn Unterntheils ist Christian Gottlob Adler.

Das alte auf einem Felsen gestandene Schloss wurde von den Truppen des kaiserlichen Generals Holk im Jahre 1633 zur Kornernte in Brand gesteckt, wobei ein Theil des Dorfes und die Kirche nebst den in ihr aufbewahrten Kirchenbüchern mit ein Raub der Flammen wurden. Das alte Schloss blieb in seinen Brandruinen liegen und es erfolgte zu jener Zeit der Neubau zweier Schlösser.

Aus dieser Zeit stammt auch die jetzige Kirche, die in einem nichts weniger als edlem Style erbaut, weder geräumig, noch lichtvoll genannt werden kann. Die hölzerne in einzelne Tafeln eingetheilte Decke ist. mit biblischen Gemälden geziert und an den Wänden befinden sich mehrere Trauerfahnen, Lanzen, Degen und Sporen, welche die bunten, hölzernen Wappen einiger verstorbenen Ritter aus dem Adel der Metzschischen Familie umgeben, deren Särge in der, unter der Kirche befindlichen Gruft, beigesetzt sind. Der Altar ist ein in der damaligen Zeit gewöhnlicher Schrank oder Wand-Altar, auf welchem in den einzelnen Nischen die Figuren der Marie mit dem Christuskinde und mehrerer anderer biblischer Frauen sich befinden, an denen der Faltenwurf der Gewänder und die Vergoldung derselben sich auszeichnen.

Vermögen besitzt die Kirche ohngefähr 350 Thaler einschliesslich eines Legats von 150 Thaler, welches Frau Christiane Sophie Mauersberger, die Wittwe des Papiermühlenbesitzers Johann Siegfried Mauersberger zu Grün im Jahre 1841 nach ihrem Tode testamentarisch mit der Bedingung vermacht hat, dass die Zinsen davon alljährlich an die Armen zu Grün von dem jedesmaligen Pfarrer vertheilt werden sollen.

In die Kirche sind eingepfarrt Grün und Abhorn, Erstres liegt 11/2 Stunde östlich von Plohn, letztres 1/4 nördlich vom Kirchorte. In Grün ist ein Flossholz-Landungsplatz unter Aufsicht eines Flossvorstehers.

In alten Zeiten war Grün nach Rodewisch eingepfarrt. Einst sei aber, wie die Sage geht, ein Kind von Grün auf dem Wege zur Taufe nach Rodewisch im Winter verloren gegangen, oder wie Andere erzählen, erfroren, oder wie noch Andere wollen, von Wölfen gefressen worden und deshalb die Einpfarrung nach Plohn erfolgt.

Eine Schwesterkirche von Plohn ist in dem 1/4 Stunde nordwestlich gelegenen Orte Röthenbach.

In Röthenbach lebte der emiritirte Schulmeister Thomas, welcher mit seinen beiden Söhnen die Nachahmung des niederländischen Kammertuches erfand, welche in der Folge dem Städtchen Falkenstein, wohin die Gebrüder Thomas sich wendeten, eine glückliche Gelegenheit gegeben hat, durch seine Fabricate berühmt zu werden. Auch machte Thomas einen glücklichen Versuch mit einer Spinnmaschine, auf welcher er, ohne Vorgespinnst und ohne zurückgeschoben zu werden, um das Garn aufzuwinden, 80er Garn spann. Aus Mangel an Unterstützung, die er nicht nachsuchte, ging sie wieder ein.

Röthenbach hat seine besondere Schule und es ist hier wie in Plohn ein ständiger Lehrer.

In die Kirche und Schule zu Röthenbach gehört noch ein Haus von dem nahen Dorfe Wildenau, welches aber auf Röthenbacher Grund und Boden erbaut ist.

Die Collatur über die Pfarr- und Schulstelle zu Plohn, so wie über die Schulstelle zu Röthenbach steht dem jedesmaligen Oberpfarrer und jetzigen Superintendenten zu Reichenbach zu, was noch von dem in dieser Stadt bestandenen Ordenshause der deutschen Ritter herrührt, da Plohn vor der Reformation ein Vicariat von Reichenbach gewesen ist.

Nach dem Tode des letzten dasigen Comthurs, Sebald Rosenbach war Georg Röder Inhaber des deutschen Hauses zu Reichenbach geworden, zwischen welchen sich viele Streitigkeiten mit dem dasigen Magistrate und dem Gutsherrn Levin von Metzsch erhoben, bis endlich dieselben durch eine Churfürsth. Kommission 1534 beigelegt wurden, durch welche der Gutsherrschaft das Patronat über die Kirche und Schule zu Reichenbach in Gemeinschaft mit dem Magistrat zugestanden; das über die Kirchen zu Mylau, Waldkirchen und Plohn dem deutschen Hause vorbehalten worden ist. –

Das Dorf Plohn, welches nur eine Gemeinde bildet, besteht ausschliesslich der Kirche, der Pfarr- und Schulwohnung und den beiden Rittergütern aus 9 Bauergütern, 25 Gärtner und Häuslernahrungen und 2 Mahl- und Schneidemühlen, von denen die untere zum Rittergute Oberntheils gehörige mit einem ansehnlichen, massiven Gebäude verbunden ist, in welchem Schafwollenspinnerei und Tuchfabrik ziemlich schwunghaft betrieben werden. Vor der neuen Gerichtsorganisation gehörten zu Plohn die Dörfer Abhorn, Röthenbach, Herlasgrün, der grösste Theil von Pechtelsgrün, ein Theil von Saupersdorf bei Kirchberg und die Frohn- und Freiseite von Wildenau. Die Einwohner von Plohn, deren Zahl jetzt 303 beträgt, beschäftigen sich zum Theil mit der Landwirthschaft, zum Theil mit Betreibung von Handwerken.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Priedrich
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 106. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/161&oldid=2972237 (Version vom 7.1.2017)