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werden, wenn dieser nicht vorher von ihm oder seinem Coadjutor geweihet worden war. Die Herren des Altarlehns waren in den ältesten Zeiten die edlen Thossen und nach ihnen, wechselweise die deutschen Herren zu Plauen, und die Herren von Feilitzsch und von Schlegeler zu Kürbitz in Gemeinschaft.

Ausserdem sind noch nach Rodersdorf die Dörfer Schönlind, Döhles und Steins eingepfarrt.

Die Kirche zu Rodersdorf brannte 1600 ganz ab und wurde 1662 wieder neu erbaut.

Pfarre und Schule sind gut gebaut und bieten Bequemlichkeit auf jegliche Weise.

Die Collatur über Kirche und Schule steht dem Superintendenten zu Plauen zu.

Zu dem Dorfe Rodersdorf gehören noch 3 Mühlen: die Luftmühle, die Neumühle und die Mühle am Leimbach.

Rodersdorf obern und untern Theils hat 79 bewohnte Gebäude mit 99 Familienhaushaltungen und 522 Einwohnern, und gehört zum Gerichtsamt und zum Bezirksgericht Plauen, zur Amtshauptmannschaft Plauen, zum Regierungsbezirk Zwickau.

Rodersdorf hat viel Tagelöhner und Handwerker, die theils auf den beiden dasigen Rittergütern und in der benachbarten Stadt Plauen hinlänglich Beschäftigung und Unterhalt finden.

M. G.     




Kröstau.


Kröstau liegt auf einer kleinen Erhöhung 1½ Stunde von Plauen, eine ½ Stunde von Rodersdorf und ¼ Stunde von Kloschwitz.

Im Dorfe befinden sich 1 ganzer Hof, 4 Halbhöfner, 10 Viertelhöfe und 9 Häusler.

Vor der neuen Gerichtsorganisation gab es hier sehr untermengte Gerichte. Das Rittergut Kürbitz, Kloschwitz, das Amt Plauen, das frühere Stadtgericht zu Plauen, das Rittergut Kemnitz hatten Antheile.

Unter dem Rittergute Kröstau standen mit Ober- und Niedergerichten 21 Häusser, nämlich 2 halbe Höfe, 7 Herbergen, 9 Häusler, eine Schenke und das Gemeindehaus.

Das Schloss zu Kröstau ist im Jahre 1808 zum Theil nebst den Wirthschaftsgebäuden, Schäferei und Brauhause neu erbaut, und giebt dem Orte ein schönes Ansehn, überhaupt aber wie in der Abbildung zu ersehen ist, ein liebliches Bild.

Der Boden ist hier etwas lettenartig und weniger ergiebig, als zu Kloschwitz. Der Obstbau dagegen hier von Bedeutung.

Ueberhaupt wird auch in der neuern Zeit hier durch die Betriebsamkeit des Herrn Besitzers schönes vortreffliches Getreide erbaut.

In den frühesten Zeiten gehörte Kröstau dem weitverzweigten Adelgeschlechte derer von Röder, welches auch Rodersdorf, Kloschwitz und Rössnitz besass. Zu Anfang des 16ten Jahrhunderts besass das Gut Eberhardt von Röder. Von diesem Geschlecht kam es an Dietrich von Posseck im Jahre 1633, welcher Weischlitz und Rodersdorf besass. Dann acquirirte es die Familie von Reibold.

Im 18ten Jahrhundert aber wurde die Kastensche Familie damit beliehen und der jetzige Besitzer ist der frühere Gerichtsdirektor Herr Advocat Heinrich Kasten, der als Gerichtsdirector in Treuen wohnte, jetzt aber auf seinem Gute lebt, ein als Mensch und als Jurist gleich schätzenswerther Mann, welcher Humanität bei Handhabung des Rechts in seinem früheren Richteramte recht schön zu vereinigen wusste, und nie das Recht hinüber schweifen liess zum Unrecht. Kabale, Intrigue und Ehrgeiz kannte er nie. Für eine edle Sache ist er stets bereit zu kämpfen und zu aller Zeit ist er im Dienste der Unterdrückten. Eine eben so brave Hausfrau steht ihm zur Seite, eine geborne Schanz aus Oelsnitz, die Schwester des zu früh verstorbenen Bürgermeister Schanz in Dresden.

Unter einer solchen Familie können sich Untergebene nur wohl befinden, nur wohl fühlen.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 101. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/154&oldid=2988546 (Version vom 22.2.2017)