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blos Losa genannt. Seine Entstehung mag es den Sorbenwenden verdanken, die dann die Voigte von Plauen sich unterwürfig machten.

Im 12. Jahrhundert gehörten die beiden Losa, Zobes, Theuma, Tauschwitz, Dobeneck, Taltitz, Kürbitz, Messbach (früher Spick), Possig, Reusa, Crieschwitz, Möschwitz zum Dobenauer Gau.

Im 15. Jahrhundert war Herr Heinze von Milow damit beliehen, dessen Familie im Hussitenkriege untergegangen sein muss, da sie nirgends wieder vorkommt.

Zu Ende des funfzehnten Jahrhunderts war es Eigenthum derer von Jössnitz, die bis in die neuesten Zeiten Jugelsburg und Freiberg besessen haben. Von diesen Herren kam im 16. Jahrhundert Oberlosa an die von Tettau. Ein gewisser Marquard von Tettau besass es zunächst. Es war dies eine sehr weitverzweigte Familie. Apel von Tettau war Hauptmann von Plauen und Herr von Kauschwitz und Syrau; ebenso gehörte Mechelgrün mit Theuma den Herren von Tettau. In diese Zeit fällt der unglückliche Bauernkrieg, wobei Theuma, Ober- und Niederlosa eine bedeutende Rolle spielten. Plauen, wohin die gesammte Ritterschaft der Umgegend sich geflüchtet hatte, wurde von den Bewohnern dieser Ortschaften bloquirt und sie mögen die Stadt sehr in Angst und Schrecken versetzt haben, indem von dieser Zeit her, um einen grossen Lärm anzuzeigen, im Voigtlande noch das Sprichwort existirt: – „es ist Theuma und Losa auf.“ – Vor den anrückenden Truppen zogen die Bauern sich zurück, wurden jedoch unweit der Possig eingeholt und 7000 der letztern erschlagen. Theuma verlor zur Strafe seine Marktgerechtigkeit, die es früher gehabt hatte.[1]

Später im Jahre 1612 wurde ein Wilhelm von Tettau von Herzog Johann Georg mit dem Rittergute Oberlosa belehnt. In der Mitte des 17. Jahrhunderts lebte zu Oberlosa der Kreissteuereinnehmer Hans Adam von Köckeritz, welcher im Jahre 1652 der Kirche ein Legat vermacht hat mit der Bestimmung, dass alljährlich den 1. Nov. am Tage aller Heiligen eine Predigt gehalten und Spendebrod unter die Hausbesitzer daselbst, sowie Semmeln unter die Schulkinder vertheilt werden sollen; eine Stiftung, die jetzt noch fortbesteht.

Im Jahre 1663 ist das Rittergut Oberlosa ein Kammergut des Herzogs Moritz von Sachsen zu Zeitz. Später wurde im Jahre 1682 Christoph Carl Reitzenstein vom Herzog Georg III. mit dem Rittergute beliehen, und im Jahre 1699 sind die Gebrüder Adam Liebmann und Joachim Friedrich von Beust beliehene Besitzer von Oberlosa vermöge Lehnbriefs vom Herzog Moritz Wilhelm von Sachsen zu Zeit, von welchen es an die Freiherrlich Müffling’sche Familie gekommen ist. Der erste Besitzer war der General Heinrich Ferdinand von Müffling, der Erbauer vom Schlosse zu Reusa und der dabei befindlichen Beräbnisscapelle. Derselbe liess auch links beim Eingange des Dorfes Oberlosa von Plauen her unmittelbar an der alten Landstrasse einen Wittwen und Fräuleinsitz für die Familie erbauen.

Dieses Gebäude ist erst nach dem Aussterben der Müffling’schen Familie wegen seiner Baufälligkeit weggerissen und zu bäuerlichen Besitzungen umgeschaffen worden. In den Jahren 1827 und 1828 wohnte eine merkwürdige Persönlichkeit in diesem Hause, ein gewisser Kaufmann Brux, bekannt durch sein Glück bei Frauen. Er lebte hier zum 4. Male verheirathet mit einer Freifrau von Kress von Kressenstein aus Bayern.

Nach dem General von Müffling kam das Gut an den Geheim-Rath Friedrich Wilhelm Gottlieb von Müffling und von diesem an den Lieutnant Carl Friedrich Alexander von Müffling; nach dessen im Jahre 1804 erfolgtem Tode seine hinterlassene Tochter, Fräulein Ida von Müffling, dasselbe ererbte. Unter der Vormundschaft der letzteren wurde das Gut im Jahre 1819 subhastirt und vom Kaufmann Hartenstein aus Plauen erkauft, nachdem schon früher durch den Aufschwung der Plauenschen Mouselin-Manufacturen begünstigt, ein Kaufmann Friedrich Haussner das Gut Kauschwitz; ein Kaufmann Eichhorn in Liebau; ein Kaufmann Gottlob Schmidt Schneckengrün und Untermarxgrün; ein Kaufmann Merz Reusa durch Kauf an sich gebracht hatten. Viele von diesen Gütern sind wieder in andere Hände gekommen, wogegen Herr Kaufmann Hartenstein die Freude noch erleben konnte, solches sein Gut an einen


  1. Die Veranlassung und Ursache des Bauernkrieges war, dass die Schwerbelasteten von ihren Gutsherren die Befreiung der Zinsleistungen verlangten, weshalb sie auch aus Rache das Schloss Dobenau mit zerstörten, wohin sie die meisten Abgaben zu entrichten hatten. Es war dies im Jahre 1525, also in demselben Jahre wo durch den Schwäbischen Städtebund die Schlösser Waldstein, Sparneck u. s. w. zerstört wurden.
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 90. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/137&oldid=2972228 (Version vom 7.1.2017)