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jetzt Lebenden, spukgeisterische Erscheinungen das Haar in Bewegung brachten, wird das hier verschwundene Ritterthum nicht sogleich in Vergessenheit gerathen lassen. Eine eiserne Thüre in der obern Halle der Bobritzscher Kirche soll von jenen Burgruinen herstammen.

Im Jahre 1293 ist Oberbobritsch mit Sohra, mit Markgräfl. Bewilligung, ans Johannishospital geliehen; doch schenkte Heinrich der Erlauchte schon 1280 demselben das Allodium in Bobritzsch, das bisher Veit von Stenzenbroc gehabt.

Das Rittergut Sohra, wird Sohra mit Oberbobritzsch aufgeführt und gehört dem Stadtrath zu Freiberg.




Hoheneck

südlich von Stollberg, ganz in der Nähe der Stadt, an der Strasse die von Stollberg nach Zwönitz führt, auf einer bedeutenden Anhöhe gelegen, von der man eine reizende Aussicht geniesst.

Früher stand auf derselben nur das Königliche Schloss nebst den Wirthschaftsgebäuden, später wurden für die Fröhner Häuser erbaut. Daraus ist das Dorf Hoheneck entstanden.

An der Stelle des alten verfallenen Schlosses ward 1814 ein schönes Gebäude errichtet, wohin das Königliche Justiz- und Rentamt von Stollberg verlegt wurde.

In dessen Nähe liegen die Oeconomiegebäude des Königl. Kammergutes. Die uralte Herrschaft oder Pflege Stollberg, deren Mittelpunkt das Städtchen Stollberg bildete, war ursprünglich eine kaiserliche Besitzung und ein Reichslehn.

Schon 1287 kommt ein Eckenbert als Burggraf von Stolburg oder Stolberg vor. 1300 ein Heinrich, der mit denen von Gelenau zusammen genannt wird. Bereits 1388 besassen jedoch die von Schönburg die Herrschaft, wahrscheinlich als böhmisches oder Reichsafterlehn. 1367 verkauften sie die Pflege an den König Wenzel. Siegismund verpfändete sie nebst vielen andern Gütern, wegen der Kriegskosten, an Friedrich den Streitbaren. Sie ward nicht eingelöset und blieb so sächsisch. Bis 1447 hatte ein Hans von der Kagen Stollberg. Dann kam es in die Hände derer von Schlick, an die Friedrich der Sanftmüthige das Amt Stollberg verkaufte. 1499 finden wir die Herren von Schönberg als Besitzer der Herrschaft, von denen sie durch Kauf 1565 an den Churfürsten August übergingen und bei dem Chur- und Königshause verblieb.

Die Einwohner von Hoheneck treiben, wie die von Stollberg, Strumpfwirkerei, und die Tagelöhner von Hoheneck finden auf dem Kammergute und in dem benachbarten Walde Arbeit.

Hoheneck hat erst seit 1840 eine eigene Schule, früher besuchten die Kinder die Stollberger Unterrichtsanstalten.

Die Häuserzahl des Orts beträgt 45, worunter 5 Gärtner und 1 Gasthof sich befinden, und die Einwohnerzahl beläuft sich auf 400 Seelen.




Jägerhof

ganz nahe an Schellenberg mit dem es nordöstlich grenzt.

Der Ort besteht aus dem herrschaftlichen Wohnhaus nebst Zubehör und gegen 20, auf herrschaftlichem Grund und Boden erbauten Häusern, welche zusammen 180 Einwohner zählen.

An der nach Chemnitz führenden Chaussee befindet sich eine Chausseegelder-Einnahme.

Das herrschaftliche Gebäude, „der Jägerhof“, wurde im Jahre 1565 vom Churfürsten August erbaut und diente zur Aufbewahrung des zur Jagd nöthigen Geräthes.

Im 17. Jahrhundert kam er in den Besitz des Wildmeisters Georg Günther. Von diesem ging er über auf den Kriegsrath Otto Friedrich von Zanthier, von dessen Töchtern eine einen Grafen von Stubenberg, eine andere einen Grafen von Schönberg heirathete. Hierauf besassen ihn: der Amtshauptmann Julius Ernst von Schütz, der Commerzienrath Johann Hieronymus Lange, von Klösterlein, von Lindenau, Drechsler, Weisse und jetzt Herr Gottlob August Rüger.

Die Schulkinder von Jägerhof besuchen die Schule von Schellenberg, mit welchem Orte überhaupt dessen Schicksale von jeher gemeinschaftlich waren.



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1856, Seite 213. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_IV.djvu/326&oldid=- (Version vom 21.5.2017)