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läuft links der Bobritzsch über die Niederbobritzscher Fluren, welche überhaupt mit denen der Dörfer Colmnitz, Sohra, Oberbobritzsch, Weissenborn, Hilbersdorf und Naundorf gränzen.

Bis zum Jahre 1815 war hier ein Königl. Hegereuter stationirt. Das unter seiner Aufsicht gestandene Holz, der Tänig, ist seitdem vom Rentamte Freyberg hinweg zum Naundorfer Reviere gekommen.

Fast in der Mitte des Ortes steht die Kirche von Niederbobritzsch, über welche das Ministerium des Cultus die Collatur übt.

Im Jahre 1632 wurde sie nebst der Pfarrwohnung bei einem Einfall der Kaiserlichen ein Raub der Flammen und bei einem ähnlichen Einfall im Jahre 1639 wiederfuhr der hiesigen Schule ein gleiches Schicksal.

Jetzt besitzt der Ort zwei Schulhäuser, in welchen an 300 Kinder unterrichtet werden.

Kirche und Schule stehen jetzt unter der Inspection von Freyberg, sonst waren solche in den Freyberger Sprengel der Meissner Domprobstei einverleibt.

Oberbobritzsch hat seine besondere Kirche und gehört zu denjenigen Dörfern, welche dem Rathe zu Freyberg als Verwalter des St. Johannis-Hospitals seit dem 13. Jahrhundert zustehen, und man kann sich daher nicht erklären, wie man so oft das nahe dabeiliegende Sohra als Rittergut Sohra mit Oberbobritzsch aufgeführt findet.

Die alte Burg Sohra stand im Walde nach Pretzschendorf hin, welche erst im Hussittenkriege zu Grunde gegangen ist, also kann dieses Rittergut keine Unterthanen in Sohra gehabt haben. Höchstens können blos einzelne Grundstücke an Oberbobritzscher Einwohner von der Burg Sohra gekommen sein, wodurch eine gewisse Beziehung zu Sohra entstand. Aber deshalb bleibt die Bezeichnung des Rittergutes Sohra mit Oberbobritzsch immer falsch.

Oberbobritzsch und Niederbobritzsch gehören jetzt zum Gerichtsamte Freyberg.

Niederbobritzsch zählt 195 bewohnte Gebäude mit 1734 Einwohnern, worunter 1 Chirurg, 3 Krämer, 3 Fleischhauer, 3 Schmiede, 3 Wagner, 1 Sattler, 1 Tischler, 3 Drechsler, 1 Uhrmacher, 4 Stuhlmacher, mehrere Schneider und Schuhmacher, 1 Glaser, mehrere Korbmacher nebst vielen Maurern und Zimmerhandwerkern, sowie viele Hütten- und mehrere Bergleute sich befinden.

Uebrigens sind im Orte 60 Höfnergüter und 59 Gärtnergrundstücke, wovon zwei abgebaut nach Hilbersdorf hin liegen. Ausserdem existiren hier 7 Mahlmühlen, welche zusammen 12 Gänge enthalten, 2 Schneide- nebst 5 Oelmühlen und 2 Gasthöfe zieren das Dorf. Die Gebäude sind meistentheils schön und freundlich und einladend.

Unwillkürlich wird der aufmerksame Beschauer der hiesigen Gegend an die classische Elegie auf die Ruinen eines alten Bergschlosses von Matthison erinnert, wobei man auf den Gedanken kommt, dass es wohl das nämliche Thal sein könnte.

M. G.     



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1856, Seite 168. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_IV.djvu/261&oldid=- (Version vom 17.8.2017)