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Kändler.


Das Rittergut Kändler liegt in dem Terrain des erzgebirgischen Kreises, wird aber zu dem Leipziger Kreise gerechnet, und ist eines der ältesten Rittergüter desselben. Es war vor dem dreissigjährigen Kriege eine der grössten Besitzungen in Sachsen. Es gehörte ursprünglich dem Burggrafen von Leissnig. Hugo, Burggraf von Leissnig gab das Gut, laut Lehnbrief vom Jahre 1488, für lange und treue Dienste und auf fleissiges Bitten den Gebrüdern Gregor und Hans von Mecken[VL 1] in Lehen. Als die Familie Mecken[VL 1] ausgestorben, ist Kändler an Leissnig zurückgefallen, und nach dem Tode des letzten Burggrafen von Leissnig von diesen, so wie Penig, an das Kloster Zillen[VL 2] (jetzt Wechselburg) durch Schenkung oder Vermächtniss gekommen. Es theilte darauf als Kloster- oder Küchengut die Schicksale des Klosters Zillen, welches nach der Revolution vom Kurfürsten Moritz säkularisirt und mit Penig gegen die Besitzungen der Grafen Tuba in der sächsischen Schweiz, Honstein, Loben,[VL 3] die Bastei etc. vertauscht wurden, welche das Haus Schönburg geerbt hatte. So also kam Kändler in den Besitz der Grafen von Schönburg und geht auch deshalb noch jetzt in Glauchau, in der fürstlich und gräflich Schönburgischen Gesammtkanzlei, zu Lehen.

Der Name Kändler stammt aus dem Lateinischen von Candelarum (Kerzendorf) wegen der Bienenzucht, die hier in alten Zeiten sehr eifrig betrieben wurde. Deshalb wird das Gut in älteren Urkunden Kandelarum, Kandlery und Kandler genannt.

Kändler liegt zwei Stunden nordwestlich von Chemnitz, zwei Stunden von Penig, drei Stunden von Waldenburg, und ganz nahe bei dem sehr bevölkerten, wohlhabenden, fabriktreibenden Marktflecken und Rittergut Limbach; bis zur Chemnitz-Zwickauer Eisenbahn beträgt die Entfernung ¾ Stunden. Die Gegend ist angenehm und nicht zu rauh, 1280 Pariser Fuss über der Meeresfläche, so dass nicht nur die gewöhnlichen Feldfrüchte, sondern auch die vorzüglichsten Obstarten sehr gut gedeihen. Nur für den Weinstock ist der Boden zu bindend.

Die Fluren von Kändler verbinden Limbach mit Pleissa und Lobenhain. Im Südosten erstreckt sich der nicht unbedeutende Rabensteiner Wald.

Ein Theil von Kändler gehörte in früheren Zeiten zu der Herrschaft Rabenstein, welche im Jahre 1375 durch Kauf von dem Waldenburgischen Geschlechte in den Besitz des Klosters Chemnitz überging. Der Burggraf Albrecht von Leissnig, als Besitzer von Kändler, wollte dies nicht dulden, und nahm kurze Zeit darauf dem Kloster die Herrschaft Rabenstein weg; doch Veit von Schönberg zog gegen ihn zu Felde, eroberte Rabenstein und einen Theil von Kändler, das sogenannte Amts-Kändler, worüber Lehnbriefe vom Abt zum Kloster Chemnitz ausgestellt wurden, und was später mit dem Kloster Chemnitz ein Schicksal hatte. Es war ein freies Mühlengut, welches dem Besitzer des Rittergutes Kändler gehörte und noch gegenwärtig gehört, unter dem Amte Chemnitz steht, und zu dem erzgebirgischen Kreise gerechnet wird. Aus diesem Umstande ist es herzuleiten, dass mehrfach der Irrthum besteht, auch das Rittergut gehöre zu diesem Kreise, während es doch, wie oben erwähnt, dem Leipziger Kreise einverleibt ist.

Ein dritter Theil von Kändler gehört zu Limbach, und bildet jeder Theil für sich eine besondere Gemeinde.

Alle drei Theile kommen nun unter das neue Landgericht zu Limbach.

Schon von den Hussiten wurde das Gut Kändler zerstört, und im dreissigjährigen Kriege gänzlich verwüstet, so dass zwei schöne grosse Dörfer Ober- und Nieder-Elsing, deren Grundstücke noch immer zu den Fluren von Kändler gehören, nie wieder aufgebaut wurden, und selbst die Grenzen der Güter, die sich weit bis gegen Penig erstreckt haben sollen, nicht einmal der Sage nach bekannt sind. Es war Wald- und Jagdgebiet der Herren und Grafen von Schönburg.

Zu Ende des dreissigjährigen Krieges, oder bald nach demselben, sollen nun die Herren von Schönberg das Gut verkauft und der Rath zu Chemnitz das Stammgut mit allen Rechten und Gerechtigkeiten erkauft haben, um es einem Ritter, der sich um die Vertheidigung der Stadt während des dreisigjährigen Krieges Verdienste erworben und grosse Opfer gebracht hatte, zu schenken. Andere Grundstücke, welche früher zu Kändler gehört hatten, wurden an den Rath zu Penig, an die Rittergüter Limbach und Mittelfrohna,

Anmerkungen der Vorlage

  1. a b handschriftliche Korrektur: Meckau
  2. handschriftliche Korrektur: Zschillen
  3. handschriftliche Korrektur: Hohnstein, Lohmen
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1856, Seite 70. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_IV.djvu/113&oldid=- (Version vom 21.5.2017)