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hatte, nicht in fremde Hände kommen lassen wollten. Im Jahre 1295 rückte Adolph mit einem grossen Heere in Thüringen und später auch im Pleissnerlande ein. Leipzig ergab sich. Borna wurde niedergebrannt und manche schwere Gewaltthat in der eroberten Gegend ausgeübt. Friedrich floh, aber im Jahre 1308 kam er, nachdem er mit eigner Hand zwischen Altenburg und Borna den Philipp von Nassau, einen Bruder des Kaisers Adolph im Zweikampf getödtet hatte (der wahrscheinlich den Markgrafen Dietzmann den 25. Nov. 1307 in der Thomaskirche zu Leipzig während der Christmetten ermorden liess) in den ungestörten Besitz von Thüringen, Meissen und dem Osterlande.

Auch im Hussittenkriege ist Lobstädt von den wilden Kriegern heimgesucht worden. Noch bezeugen übrig gebliebene Namen von untergegangenen Dörfern hiesiger Gegend, deren Stätte man kaum mehr mit Gewissheit anzugeben vermag, mit welcher Wuth diese aufgereizten Haufen ihre Gräulscenen in jedem Orte widerholten. Ein einfaches Kreuz auf einem freien Platze des Ortes, der sogenannten Schlossgasse soll aus dieser traurigen Zeit herstammen und auf sie hindeuten.

Der 30jährige Krieg brachte ebenfalls über Lobstädt Noth und Elend. Bald wurden die Häuser geplündert, bald schreckten die Schwerdter durch ihre Cräuelthaten die Bewohner.

Viele Güter wurden ganz verlassen, und gross war die Anzahl derer, die den ansteckenden Seuchen erlagen.

Nur der langjährige Frieden, der hierauf folgte und nur durch einzelne Scenen des 7jährigen Kriegs unterbrochen wurde, konnte die tiefgeschlagenen Wunden nach und nach wieder heilen.

Doch wurde Lobstädt mehrmals durch Feuerunglück heimgesucht, welches hier und da wieder grossen Verlust und Nachtheil mit sich führte.

Der französische Krieg brachte später neue Drangsale über den Ort.

Die ganze Hauptmacht der Russen und Preussen, an der Spitze der Kaiser Alexander und der König Friedrich Wilhelm ging vor der Lützner Schlacht im Jahre 1813 durch Lobstädt. Noch zeigt man die Felder, wo 70,000 Mann Russen eine Nacht hindurch bibouakirten und das Haus, wo Alexander das zweite Mal abstieg.

Während der Leipziger Schlacht im October desselben Jahres standen die Oesterreicher mit ihrer Bagage in und um Lobstädt, und Brod und Fleisch musste von hier aus dem vorrückenden Heere nach gesendet werden. Mit bangen Erwartungen waren die Herzen erfüllt; aber das schwere Gewitter entlud sich über Leipzig und in dessen Nähe und nur der ferne Donner des Geschützes erschütterte die Häuser der geängsteten Einwohner von Lobstädt.

Seit dem ist der Friede Deutschlands auch seegnend über die Fluren von Lobstädt gezogen und der Wohlstand hat sich hier allenthalben wieder gehoben.

Der Gutsherr von Lobstädt ist seit 1838 auch Patron der sonst von Ministerium des Cultus besetzten Pfarrstelle. Die Kirche ist im 13. oder 14. Jahrhundert hier gegründet worden, wie wohl sie lange Zeit noch nur als Kapelle bestanden hat.

Erst im Jahre 1610 hat sie ihre jetzige Grösse erhalten, und im Jahre 1829 unterlag sie einer bedeutenden Restauration.

Von der Gutsherrschaft dem Herrn Oberbürgermeister Scholber nebst Frau Gemahlin, ward ihr ein treffliches Oelgemälde, nach Quergino 1836 in Rom von einem jungen Maler, Namens Rösler aus Altenburg, copirt, welches den Altar schmückt. Es stellt die Scene dar, wo Thomas, der Ungläubige, seine Finger in die Nägelmale Christi legt, und enthält somit ein schönes Zeugniss für die Auferstehung des Herrn.

Das Innere der Kirche ist lichtvoll und geräumig, seit dieser Restauration, welche durch ein besonderes Kirchenfest am 1. Septbr. 1813 gefeiert wurde. Noch ist die grosse Liberalität der Gutsherrschaft von Lobstädt von jenem Jahr in Aller Andenken und nie werden Lobstädter Bewohner vergessen, welchen Dank sie derselben schuldig sind.

Lobstädt hat übrigens unter seinen 97 Feuerstätten 2 schöne Gasthöfe, 3 Anspänner-Güter, 62 Nachbarhäuser und 21 Häusler. Die Einwohner, deren Anzahl gegen 685 beträgt, nähren sich gröstentheils von Feldbau, wie wohl auch viele Handwerker hier ihr Brod gefunden haben. Lobstädt, welches früher seine eigne Gerichtsbarkeit hatte, gehört jetzt zum Gerichtsamte Borna.

M. G.     




Thierbach.


1½ Stunde nördlich von Borna in einer flachen, jedoch wegen der angrenzenden Gehölze und benachbarten halb versteckten Dörfer, fürs Auge nicht unangenehm gelegen.

Der Boden hiesiger Gegend ist lehmig und nass, aber fruchtbar, und in trocknen Jahren besonders ergiebig.

Das Rittergut ist durch besondere Grundstücksankäufe noch weit umfangreicher geworden gegen früher.

Das in der Abbildung befindliche Schloss ist nach dem 30jährigen Kriege erbaut und also schon ein Gebäude im neuern Stile. Von dem frühern alten Schlosse sind keine Spuren mehr vorhanden.

Ueber die Entstehung des Orts, desgleichen über den Ursprung und die Bedeutung des Namens, fehlen die ältern Urkunden. Nur so viel ist gewiss, dass als die frühesten Besitzer von Thierbach die Herren von Kitzscher genannt werden, deren Stammschloss das von Borna 1 Stunde entfernt gelegene

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 197. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/303&oldid=- (Version vom 7.1.2019)