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Zöpen.


Zöpen mit sechsundsechszig Hausnummern und etwa dreihundertfunfzig Einwohnern, liegt eine Stunde von Rötha in ziemlich gleicher Entfernung von den vier Städten Leipzig, Altenburg, Zeitz und Grimma, in der schönen fruchtbaren Pleissenaue, nicht weit von der Sächsisch-Bayrischen Eisenbahn. Das Dorf ist grösstentheils mit üppigen buschreichen Wiesen umschlossen und die Pleisse vereinigt sich nicht weit von hier mit den Flüsschen Wyhra und Eula, und in der Nähe von Treppendorf mit dem Elzschgraben oder Zitzsch, welcher die Zöpener Mühle treibt. Der feuchte höchst fruchtbare Boden trägt trefflich bestandene Waldungen und namentlich die des Rittergutes sind reich an schönen, alten Eichen.

Die ältesten noch vorhandenen Urkunden nennen Zöpen, das in frühester Zeit ein bedeutender Ort gewesen sein mag, Czopen und Zeppen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass bei der ehemaligen Eintheilung Deutschlands in Gaue oder Zupanien hier der Sitz einer Regierungsbehörde war, der ein vom Kaiser bestellter Edelmann vorstand, welcher das hiesige Schloss bewohnte. Ohne Zweifel ist Zöpen eine alte, von den Sorben gegründete Niederlassung, die, gleich den meisten Dörfern dieser Gegend, im zehnten Jahrhundert einem deutschen Herrn überlassen wurde, der eine Burg baute und die Einwohner des Dorfes als Unterthanen oder Hörige zum Lohn für treue Kriegsdienste erhielt. – Leider vernichtete im Jahre 1800 ein Brand das Pfarrarchiv mit vielen höchst wichtigen Dokumenten, so dass die Geschichte des Rittergutes und Dorfes Zöpen aus einzelnen zerstreut aufgefundenen Nachrichten zusammengestellt werden musste, namentlich ist der Verlust der Kirchenbücher und einer Chronik vom Jahre 1440 an zu beklagen, welche letztere nicht nur über Zöpen, sondern auch über viele Nachbarorte höchst wichtige Mittheilungen enthielt.

Der erste bekannte Besitzer von Zöpen ist Conrad von Weissenbach, der im Jahre 1454 und noch 1479 erwähnt wird. Ihm folgte Herold von Weissenbach, und diesem Christoph von Kitzscher, dem auch das Rittergut Kitzscher gehörte. Wolf Christoph von Kitzscher auf Kitzscher, Kesselshain und Thierbach wird 1612 genannt, und dessen Wittwe, Sabine von Kitzscher, 1643. Zwei ihrer Söhne, Christoph und Carl von Kitzscher erlangten im Jahre 1650 ihre Volljährigkeit und 1680 verkaufte Maria von Kitzscher, der von allen Gütern ihrer Familie nur Zöpen geblieben war, dieses an den Obersten Hans Rudolf von Minkwitz, später Gouverneur zu Leipzig, Commandant der Pleissenburg und Generalleutnant, Herrn auf Stosswitz und Trachenau, der 1702 in der Kirche zu Zöpen seine letzte Ruhestätte fand. Der nächste Besitzer des Rittergutes Zöpen war Adam Heinrich von Minkwitz, dem Moritz August von Minkwitz, Oberstleutnant in Sächsischem Dienst, folgte, welcher 1730 starb. Nach ihm war Herr des Gutes Zöpen der Hauptmann Carl Wilhelm von Minkwitz, welcher dasselbe 1776 an den Geheimerath Friedrich August Carl Freiherrn von Beust verkaufte. Im Jahre 1804 erbte das Gut der Kammerherr und Oberhofgerichtsrath Friedrich Carl Leopold von Beust, der es 1819 dem derzeitigen Besitzer Herrn Leutnant August Ferdinand Stockmann überliess.

Die Kirche zu Zöpen, welche ein stattlicher hundertundachtzig Fuss hoher Thurm schmückt, liegt vierhundert Pariser Fuss über dem Meere und war vor der Reformation dem heiligen Laurentius geweiht. Noch ist die Abschrift einer päpstlichen Bulle vom Jahre 1473 vorhanden, welche Bischof Thilo von Trotha zu Merseburg mit einem eigenhändigen Zusatze und Unterschrift versehen, hierherschickte. Die Kirche ist für die zahlreichen Parochianen ziemlich raumbeschränkt, indem die Dörfer Kahnsdorf mit dreihundert, Pürsten mit hundertfunfzig und Treppendorf mit siebzig Einwohnern hierher gepfarrt sind, so dass die Gemeinde aus mehr als achthundert Personen besteht. Im Innern der Kirche sind Kanzel und Altar, Werke des Bildhauers Griebsteiner zu Weissenfels vom Jahre 1693, bemerkenswerth, und auf dem Thurme hängen drei Glocken, welche früher ein sehr schönes Geläute gaben, bis vor ungefähr zwanzig Jahren aus der grossen, 1480 gegossenen, Glocke ein bedeutendes Stück absprang, wodurch deren Schall natürlich sehr beeinträchtigt wurde. Die zweite Glocke ist ohne Jahreszahl und bestimmt noch älter als die grosse;

     Leipziger Kreis, 12tes Heft, oder 43stes der ganzen Folge.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 89. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/141&oldid=- (Version vom 22.6.2018)