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Zur dasigen Kirche sind die Orte Jägersdorf, Sora und Tautewalde gepfarrt, und die Inspection steht dem Ephorus von Bischofswerda zu.

Im Jahre 1719 sollten dazu auch Schwarznauslitz, Obergurkau, Kirschau und Kleinpostwitz gepfarrt werden; doch wurde es vom Budissiner Dechant verhindert. Der Gottesdienst wird, nach dem deshalb 1701 errichtetem Recess, in deutscher und wendischer Sprache gehalten.

Das mit eingepfarrte Dorf Tautewalde, wohl im Gegensatze des nahen Mönchswalde so genannt, kaufte sich im Jahre 1629 von seinem Privatbesitzer, einem Hanns Nebur von Metzenhofen, mit Frohnen-Diensten, Lehn, Zinsen, Erbgerichten, Jagd und Fischerei um 2300 Fl. frei, und hatte sich mit Erbgerichten freiwillig dem Amte Stolpen unterworfen; die Obergerichte standen diesem schon vorher zu und gehörten früher den Meisnischen Bischöfen, unter welchen die von Hangwitz die Erbgerichte übten.

Schon ums Jahr 1450 besass Peter von Hangwitz oder Hugewitz Tautewalde mit 981/2 Zins einigen Teichen, dem halben Walde u. s. w., und 1559 wurden seine Nachkommen vom Kurfürst August ebenfalls damit beliehen. Tautewalde ist es auf alle Fälle nach einem Tute (Taute, Tude) benannt, und der Ort selbst liegt unmittelbar am nördlichen Fusse des weit sichtbaren Dahrener Berges, an welchen sich westlich die Wildener Waldung anlehnt.

Wilthen ist eigentlich ein Marktflecken. Denn es werden hier jährlich 2 Jahrmärkte abgehalten, der eine fällt Montags vor Petri Pauli, und der andere den 30. September.

Im Orte befindet sich ein Gasthof an der Strasse von Budissin, nach Heinsbach und Nixdorf in Böhmen.

Ueberhaupt besitzt der Ort mit Jägersdorf 201/2 Hufen in 150 Häusern, worinnen 700 Einwohner leben, die im Gerichtsamte Schirgiswalde Recht leiden.

Die Ortsbewohner nähren sich theilweise von Ackerbau und der Viehzucht, der Hauptnahrungszweig besteht aber in Leinwandweben, vorzüglich wird hier die Pfocken- und Packleinwand geliefert.

Auch viel Garne werden hier gefertigt.

Auch Jägersdorf, welches ursprünglich Erichsdorf hiess, hat Weber und andere Handwerker. Jägersdorf raint mit Arnsdorf und Tautewalde.

Die ganze Gegend ist reizend und anmuthig.

Der nach Wilthen mit eingepfarrte Ort Sora oder Sorau heisst auch Sörchen, und gehörte amtssässig zum Rittergute Obergurkau.

Im Jahre 1540 hatte Maria Weisse in Sörigen oder Söhrigen gewisse Zinsen als Meissnisches Stiftslehn.

Der Ort selbst liegt am nordwestlichen Ende der Wilthener Berge.

Diejenigen sind im Irrthume, welche angeben, das Söhrigen zur Gödauer Kirche sich halte.

Woher der Name stammt, ist nicht recht zu ermitteln, ebenso wenig die ursprüngliche Bedeutung vom Dorfe Wilthen.

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Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1854–1861, Seite 232. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Ritterg%C3%BCter_und_Schl%C3%B6sser_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_III.djvu/346&oldid=- (Version vom 2.10.2016)