Seite:Abhandlung des Daseyns der Gespenster.djvu/171

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus

feuerige Männer, und diese fürchterliche Geister seyen, die sich gemeiniglich um die sumpfigten Oerter, Kirchhöfe, Wahlstätte und Bergwerke aufhalten, da viele schweflichte Dünste aus der Auflösung natürlicher Körper in die Höhe steigen, und hin und her fahren, wo sie Nahrung finden, und daß diese Flammen der einhauchende Athem, und die schnelle Flucht des Menschen an sich ziehen, hingegen ein von sich gestossener Athem verjagen könne. Da indessen die dumme Einfalt glaubt, daß diese vermeinten Geister das Fluchen vertreibe, und das Fliehen und Bethen zu sich ziehe. Der feuerige Drach, oder der Satan, der in dieser Gestalte durch die Kamin führt, den Weibern das Schmalz für seine Hexen stihlt, verursachet nur jenen Furcht und Schrecken, welche noch nicht ermüdet sind, das Joch zu tragen, welches Finsterniß und Dummheit, und der eingewurzelte Aberglaub auf ihre Schultern bürdet, wer nur ein wenig die kindliche Vorurtheile abgeleget, und sich auch von weiten den Wissenschaften genähert hat, der ist überzeugt, daß dieser feuerige Teufel ein feueriges Luftzeichen von ziemlicher Größe seye, welches aus groben und fetten wirklich entzündeten, oder nach Art eines Phosphorus scheinenden Dünsten bestehet, und von der Luft in die Länge, und gar geschwinde fortgetrieben wird. Die Bergmännlein, Bergmönche oder Kobold sind bei jetzigen Zeiten unsichtbar geworden, und die Gelehrten verwundern sich, daß Olaus L. VI. c. 9. Lavaterus de Spectris P. I. c. 16. Balbinus in Miscell. Hist. Boh. L. I. c. 6. §. 2. Schotus in itinere exstatico in mundum subterran. c. 4. Kircher und Agricola etc. die bösen Dämpf, b)[1] die sich in der Grube

  1. b) Von eben diesen vergiften metallischen Dämpfen entstehet die bleye Colick, die besonders den Bergleuten eigen ist. Sie hat in den neuern Zeiten eine Menge gelehrter Schriften veranlasset, worinn die Cur dieser Krankheit beschrieben ist, und in Steuermark weis man, daß an dieser Krankheit, und an der Lähmung (man hält diese nicht mehr für eine Zauberey, oder für eine Rache des Berggeistes) die Herren der Gruben zu ihrem Schaden alljährlich ein Menge von Arbeitern verliehren. Der gelehrte Herr von Harn in seinen gelehrten Schriften handelt ebenfalls von dieser Krankheit, und ordnet gegen selbe Fette, Speck, Butter, und giebt sehr diensame Mitteln an die Hand.
Empfohlene Zitierweise:
Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus. , Augsburg 1768, Seite 171. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Abhandlung_des_Daseyns_der_Gespenster.djvu/171&oldid=- (Version vom 4.8.2020)