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anlegt, sollen die Abteilungen neben dem Erwerbungskatalog des Bibliothekars die Sonderkataloge führen „nach Bezug oder Gebiet“, nachdem sie das Erworbene näher angesehen, geprüft, auf „Geschichte oder Topographie“ getrennt hätten. Zettelkataloge mit Stichworten sind anzulegen, ein Rubrikenschema zu entwerfen. Insbesondere ist auch auf die Gegenwart Bedacht zu nehmen, von der historischen Abteilung eine Tageschronik zu entwerfen, von der topographischen das „Bestehende durch Beschreibung, Abbildung, Riß oder Plan zu veranschaulichen“. Hauptaufgabe der ersten Abteilung ist auch ein vollständiges Urkundenbuch oder Regestenwerk (es gab nur erst den Anhang zu Hasches diplomatischer Geschichte Dresdens).

Die am meisten tätigen Mitglieder waren nun sofort in beide Abteilungen eingetreten (Gautsch, Rieger, Neubert, Widemann, auch Schäfer), nur Weiße und Lindau allein in die topographische, Pietzsch in die historische. Es fehlte aber die „allgemeine Regsamkeit“ im großen Kreise, etwa 13 schrieben sich in der historischen, 17 in der topographischen Abteilung ein; der Besuch beschränkte sich auf sehr wenige. So sind im ganzen von jener nur 5, von dieser 7 Sitzungen in der Zeit bis 29. Dezember 1869 bezw. 22. Juni 1870 abgehalten worden, immerhin wichtige Fragen bereits hier angeschnitten, die später eine Durchführung finden sollten. So: eine Sammlung der Inschriften, Darstellungen, Häuser-Baustile – wir haben jetzt Gurlitts Inventarisation. Ein Straßen- und Plätze-Verzeichnis – jetzt Hantzschs Arbeit (Mitteilungen Heft 17/18). Ein sehr eingehendes Repertorium zur Topographie entwarf Gautsch, – von ihm wurde auch ein vollständiges „Repertorium (Bibliographie) der Literatur zur Dresdner Geschichte“ angeregt, – etwas, was heute noch fehlt; man will die Urkundenrepertorien des Hauptstaatsarchivs auf Dresdensia durchsehen, erbittet sich nach Rücksprache mit Neubert vom Archivar Dr. Heinze eine Übersicht des Realrepertoriums des Ratsarchivs, welches dann Neubert selbst in einer Abschrift übergibt, und verschiedene Auskünfte über dessen Zusammensetzung und Bestände. Auch an die Kirchenarchive will man herangehen, die Kannegießerschen Zeichnungen der Festungswerke einsehen (O. Richter veröffentlichte sie 1890).

Kurz, man schwelgte in Entdeckerspannung und Freude. Es ging auch in einigem vorwärts: für den Zettelkatalog (er wird jetzt noch in der Stadtbibliothek in drei großen Kästen aufbewahrt) über Literatur und Ratsarchivakten wurde jahrelang von Weiße, Gautsch, Rieger u. a. zusammengetragen. Ein Katalog der Dresdensia der Kgl. Öff. Bibliothek, vom Oberlehrer cand. rev. min. Göhler ausgeschrieben, kam 1872 hinzu. Die „Tageschronik“ Kießlings, welche an berufliche Aufzeichnungen anknüpfte und im allgemeinen Kreise mehrfach kritisch erörtert wurde, wuchs an.

Doch schon im Herbst 1870 sind die Abteilungssitzungen „fast immer“ ausgefallen, wohl die Kriegszeit trug mit dazu bei. Am 19. 10. beschloß man, die Sitzungen sollten zur Bücherordnung nach

Empfohlene Zitierweise:
Georg Hermann Müller: Fünfzig Jahre Verein für Geschichte Dresdens 1869–1919. Druck von Wagner und Humann, Dresden-N., Dresden 1919, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:50JVereinGeschichteDresden1919.djvu/14&oldid=- (Version vom 14.9.2022)