Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Schiedel

Textdaten
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Autor: Otto Moser
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Titel: Schiedel
Untertitel:
aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 14–15
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV 030.jpg
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Schiedel.


Das Pleissenthal, vor Alters auch Martinsthal genannt, ist eine fast durchgängig breite herrliche Aue, in der zwischen üppigen Wiesen und fruchtbaren Aeckern in ununterbrochener Reihe die Gebäude von nicht weniger als vierzehn Ortschaften sich hinziehen. Das Thal ist von steilen Bergen eingeschlossen, welche jedoch in einer Höhe von funfzig bis achtzig Ellen sich in sanfter Abdachung verbreiten, und grösstentheils mit Fluren oder Laubholzwaldungen bedeckt sind. Eine Anzahl kleiner Bäche durchschneiden das Thal um sich mit den Gewässern der Pleisse zu vereinigen, und bieten dem Freunde der Natur aus der Höhe und Tiefe betrachtet, unerschöpfliche Reize dar, indem das Gepräge der Anmuth in jeder Gruppirung, sowohl beim Totalüberblick wie in den einzelnen Parthieen, vollständig ausgedrückt ist. Die milde Luft und die ungemeine Fruchtbarkeit des Thales tragen nicht wenig dazu bei, dasselbe zu einer der angenehmsten Gegenden unseres Vaterlandes zu erheben.

Nahe an der Mündung des Lauterbachs, an dessen rechtem Ufer sich schöne, zum Theil bewaldete steile Höhen zeigen, schaut aus freundlichen Baumgruppen das Rittergut Schiedel sammt dem Dörfchen gleichen Namens hervor. Vor vielen Jahren hiess das Gut Schiedla und dürfte deshalb wohl von den Slaven gegründet sein. Im Mittelalter war es ein Vorwerk, und höchst wahrscheinlich Burglehn des nahen Schlosses Schweinsburg oder Crimmitzschau, wohin die Ritter Trützschler, welche auf Schiedel sassen, lange Zeit Vasallendienste leisten mussten, und mehrmals als „Burgmannen auf Crimmitzschau“ urkundlich vorkommen. Als die Herrschaft Crimmitzschau Eigenthum der Herren von Schönburg war, diente Conrad von Trützschler (1305) als Burgmann auf dem Schloss (miles in castro) und 1322 wird abermals ein Conrad, sowie 1360 Hermann Trützschler als „Burgmann uff dem Huse“ erwähnt. Die Trützschler besassen übrigens auch das vormalige Rittergut Harthau und es scheint, als ob diese Linie die eigentlichen Vasallendienste auf Crimmitzschau gethan habe, denn der obengenannte Hermann von Trützschler besass Harthau von den Herren von Schönburg als Lehn und überliess einige Einkünfte des Gutes dem Kloster Carthause; als aber die Trützschler auf Harthau ausstarben, schenkte der Lehnsherr dasselbe dem Spital zu Crimmitzschau.

Die älteste Urkunde, welche Schiedel betrifft, rührt aus dem funfzehnten Jahrhundert her und enthält einen Kauf zwischen Lorenz von Trützschler, auf Schiedel gesessen, und Hanns Federangeln, einem reichen Bürger aus Zwickau, der von 1477 bis 1488 die Herrschaft Crimmitzschau pfandweise inne hatte. Lorenz von Trützschler verkaufte Federangeln Lauterbach und einen Bauer daselbst. Conrad und Carl von Trützschler besassen Schiedel 1521, wo sie dem Kloster zu Frankenhausen gewisse Zinsen verkauften, und 1530 wird bei der Belehnung Hannsens von Weissenbach der Gebrüder Wolf und Conrad von Trützschler gedacht, die Haus Schmidten ein kleines Bauerngut, hinter dem Schlosse Schweinsburg gelegen, verkauft hatten, welches nunmehr Hans von Weissbach an sich brachte. Später kam Schiedel in Besitz der Herren von Weissbach, von denen Hans von Weissbach es nebst dem Rittergute Carthause, welches er von Hans von Bora, Dr. Martin Luthers Schwager erkauft, Schulden halber dem Hauptmann zu Freiburg, Ernst von Beust, abtreten musste. Von diesem gelangte Schiedel an Jobst von Wolframsdorf und 1606 an Georg von Minkwitz, der es 1609 dem damaligen Besitzer der Herrschaft Crimmitzschau, Hofmarschall Bernhardt von Starschedel, überliess. Als die Herrschaft späterhin durch Kauf an den Obersten Carolus Bose kam, gehörte auch Schiedel noch dazu; nach des Obersten Tode aber erbte es der herzoglich Sächsisch-Weissenfelsische Bergrath und Amtshauptmann in Sangerhausen, Johann Carl Bose, der es dem Oberstlieutenant und Kriegscommissair des Altenburger Kreises, Carl Friedrich von Schauroth verkaufte. Dieser starb im Jahre 1728 und das Gut kam an Gottlob von Schauroth, von diesem aber 1763 an den Kauf- und Handelsherrn Johann Christoph Seyfarth. Später gelangte Schiedel in Besitz der Familie Döring. Der jetzige Rittergutsbesitzer von Schiedel ist Herr Louis Oehler.

Das Herrnhaus zu Schiedel war zu Anfang des vorigen Jahrhunderts so baufällig geworden dass der Obristlieutenant von Schauroth sich zu einem Neubau entschloss, dessen Beendigung er jedoch wegen seines bald darauf erfolgten Todes seinem Sohne Gottlob von Schauroth überlassen musste. Das Rittergut, mit dem seit langen Jahren ein Bauergut vereinigt ist, hat fruchtbare Felder, hübsche Waldungen, mehrere Teiche und eine Ziegelhütte, und ausser dem Dörfchen Schiedel mit 29 Häusern und 170 Einwohnern, gehört auch noch das Dorf Denkritz nebst vier Gütern in Wahlen dazu.

Schiedel ist in die Kirche zu Neukirchen eingepfarrt, welche 1488 gestiftet wurde, und zum Unterschied von der alten Martinskirche die (auf der [15] Stätte erbaut war, wo später das Kloster Carthause sich erhob) die neue Martinskirche genannt wurde. Als die verwittwete Churfürstin Margarethe und der oben erwähnte Hans Federangel den Augustinern das Kloster abgekauft hatten, um an dessen Stelle ein Carthäuserkloster zu erbauen, war zu gleicher Zeit auch die Verordnung erschienen, dass wegen der Strenge des Carthäuserordens, der keine Frauen in seinen Kirchen zuliess, ein neues Gotteshaus gegründet werden sollte. Kaiser Friedrich III. bestätigte die Fundation der neuen Kirche; Hans Federangel aber war indessen gestorben, und sein Erbe und Schwager, Kilian Schicker, zögerte mit der Ausführung des Federangelschen Gelübdes dergestalt, dass der Churfürst sich ins Mittel schlagen und den säumigen Erben zur Erfüllung seiner frommen Pflicht zwingen musste. Der Bau schritt indessen so langsam vorwärts, dass wiederholte Beschwerden über Schicker an den Churfürsten gelangten, bis endlich durch einen Vergleich die Angelegenheit ihr Ende erreichte. Schicker musste unter Anderem ein Capital von 1000 Goldgülden an das Rittergut Schweinsburg zahlen, dessen Zinsen noch jetzt der Pfarrer und Schullehrer unter dem Namen „Schlosszinsen“ beziehen.

Unter den Pfarrherren von Neukirchen befand sich ein Paul Schlegel, der im Jahre 1684 starb und von seinen sechs Söhnen, die sämmtlich ebenfalls Pfarrherren waren, zu Grabe getragen wurde. Seine beiden Töchter verheiratheten sich gleichfalls an Pastoren, und bei dem Begräbniss hielt einer seiner Schwiegersöhne die Leichenrede und der andere die Parentation.

Otto Moser, Redact.