Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Imnitz unteren Theils

Textdaten
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Autor: O. M.
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Titel: Imnitz unteren Theils
Untertitel:
aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 86b–87b
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I 124.jpg
[86b]
Imnitz
unteren Theils.


Das Dorf Imnitz liegt im Amte Pegau, eine Stunde südlich von dem Städtchen Zwenkau, an der Landstrasse nach Zeitz, zählt in sechsunddreissig Häusern gegen dreihundertfunfzig Einwohner und gehört zu den vielen Ortschaften hiesiger Gegend, welche den Sorben ihre Entstehung verdanken. Ursprünglich waren hier nicht, wie jetzt, zwei Rittergüter vorhanden, sondern Imnitz stand unter der Herrschaft eines Besitzers, welcher auf der im zwölften Jahrhundert erbauten Burg hauste und bei dem bekannten mächtigen Grafen Wieprecht von Groitzsch zur Lehn ging. Im Jahre 1186 wohnte auf dem hiesigen Schlosse Swidegarde von Imnitz, der damals dem Kloster zu Pegau einen Hof zu Imnitz und drei Bauern erbeigenthümlich verschrieb, damit die frommen Klosterbrüder zu Gunsten der Seele seiner Hausfrau Editha jährlich zwölf Messen lesen möchten. Das Rittergut Unterimnitz war bis zum sechszehnten Jahrhundert, ein Vorwerk des nahen Edelsitzes Kötzschbar, den um das Jahr 1564 Valentin von Schlegel, aus dem Herzogthum Anhalt, an sich kaufte und für das bisherige Vorwerk Imnitz vom Churfürsten August die Rittergutsgerechtigkeit erlangte, seit welcher Zeit demnach in Imnitz sich zwei Edelhöfe befinden. Das obere Gut war schon lange Zeit im Besitze der Herren von Zehmen, von welchen Hans von Zehmen das genannte Vorwerk an Valentin von Schlegel, zugleich mit Kötzschbar, verkaufte. Im Jahre 1612 musste Georg von Schlegel zu dem sogenannten Defensionswerke ein und ein Viertheil, Hans von Zehmen aber ein Ritterpferd stellen. Das untere Rittergut gelangte später an die Familie Minkwitz und gehörte 1810 einem Herrn von Crayen, dessen Erben das Gut Herrn Liebster verkauften. Die jetzigen Besitzerinnen des Gutes sind Frau Louise verwittwete Liebster in Tharand, Frau Hofräthin Rosalie Stöckhardt geborene Liebster ebendaselbst und Frau Thekla Meinert geborene Liebster in Leipzig. – Das Rittergut Imnitz oberen Theils gehört Herrn Platzmann zu Leipzig.

Imnitz hat mancherlei schwere Schicksale erlitten. Ob die Kämpfe der Markgrafen Friedrich und Dietzmann mit dem Kaiser, gleich vielen umliegenden Orten, auch dieses Dorf berührten, darüber ist nichts Urkundliches aufzufinden, im Hussitenkriege aber streiften die wilden Böhmen weit über die Ebene hin und verbrannten auch die alte Burg Swidegardes von Imnitz. Das sechszehnte Jahrhundert brachte einige Male furchtbare Seuchen, namentlich in den Jahren 1562 und 1587, wo man die Leichen ohne Sang und Klang in schnell ausgeworfene Gruben legte. Der dreissigjährige Krieg brachte entsetzliche Drangsale über die hiesige Gegend. Vor der Schlacht bei Breitenfeld plünderten und mordeten die Tyllischen auf dem Lande mit viehischer Wuth, und in den Jahren 1632 und 1633 trieben es die Holkischen wo möglich noch toller. Bei Banners zweitem Einfalle in Sachsen (1637) wurde von den Schweden im Amte Pegau eine Brandschatzung von 15,000 Thalern verlangt, wozu Imnitz sechszehn alte Schock entrichten musste, damals eine grosse Summe für eine durch langjährige Leiden und Verluste gänzlich verarmte Gemeinde. Im siebenjährigen Kriege, wo die Oestreicher (1762) von dem Groitzscher Berge in die Stadt Pegau einige Hundert schwerer Bomben warfen und mehrere Dörfer anzündeten wurden die nahen Ortschaften abwechselnd von den Preussen und Oestreichern heimgesucht und der Bauer in wenigen Stunden um seine ganze Habe gebracht. Weniger hart traf Imnitz der Napoleonische Krieg. Alle diese traurigen Ereignisse waren indessen nicht im Stande die Imnitzer gänzlich zu entmuthigen, die verbrannten Häuser wurden wieder aufgebaut, die [87b] zertretenen Aecker neu bestellt und so gehört Imnitz jetzt zu den freundlichsten und wohlhabensten Dörfern des Leipziger Kreises.

Die Kirche zu Imnitz, Filial von Zwenkau, ist ein altes vor der Reformation erbautes Gotteshaus, an dessen östlicher Seite sich die Jahreszahl 1515 befindet, welche jedoch höchst wahrscheinlich sich nicht auf die Erbauung sondern auf eine Renovation des Gebäudes bezieht. Auf dem Kirchenboden werden eine Anzahl uralter holzgeschnitzter Heiligenbilder verwahrt und in dem Thurme hängen drei sehr alte Glocken. Die Kirche zu Imnitz war ohne Zweifel vormals nur eine zu dem Rittergute gehörige Kapelle, die man wegen der anwachsenden Bevölkerung des Dorfes vergrössern musste, auch ist der Thurm erst lange nach der Erbauung des Kirchengebäudes entstanden. Das Kirchenvermögen besteht zur Zeit in etwa 1500 Thalern, im Jahre 1641 aber betrug es 35 Neuschock, 13 Groschen 2 Pfennige. Auf dem Kirchhofe werden nur die Besitzer der beiden Rittergüter mit ihren Familiengliedern begraben, und noch sind eine Menge alter bemooster Leichensteine mit längstverwitterter Schrift vorhanden, sowie auch einige Denksteine neuerer Zeit unter welchen Mitglieder der Familien von Minkwitz und von Schlegel schlummern. – Den Kirchendienst verrichtet der Diakonus zu Zwenkau, als hiesiger Pfarrer, und zwar hatte derselbe bis zum Jahre 1839 jährlich achtundzwanzig Male Gottesdienst abzuhalten. Als sich jedoch zu dieser Zeit von den zum Imnitzer Kirchensprengel gehörigen Gemeinden fünf nach Zwenkau einkirchen liessen kamen in Folge dieser Veränderung jährlich sechs Predigten in Wegfall.

O. M.