Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Hohnstädt

Textdaten
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Autor: O. Moser
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Titel: Hohnstädt
Untertitel:
aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 86–87
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I 136.jpg
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Hohnstädt
mit Grosssteinberg.


Das Dorf Hohnstädt liegt kaum eine Viertelstunde von Grimma auf einer durch mehrere Schluchten zerrissenen Höhe, die so bedeutend ist, dass man den Ort sogar aus dem höheren Theile des Erzgebirges wahrnehmen kann. Derselbe raint mit den Fluren von Böhlen, Seelingstädt, Beyersdorf und dem rothen Vorwerke, sein Gebiet aber erstreckt sich durch das südöstlich gelegene Vorwerk Burgberg bis an die reizende Muldenaue, wo, umgeben von den schönsten Parkanlagen, auf einem Berghange sich die hübsche Villa erhebt in der Seume seine letzten Lebensjahre in friedlicher Ruhe zubrachte. Hohenstädt, welches auch einem der Grimmaischen Stadtthore den Namen gegeben hat, zählt vierundfunfzig Behausungen mit beinahe vierhundert Bewohnern, und hat eine Pfarrkirche deren Filial Beyersdorf ist, sowie ein Wirthshaus, das wegen des hier gebrauten vortrefflichen Bieres zu den besuchtesten Vergnügungsörtern der Bewohner Grimmas gehört.

Das Rittergut zu Hohnstädt, wozu auch das Vorwerk Burgberg, der Rappenberg, die Kellerhäuser und das Dorf Grosssteinberg gehören, war in der frühesten Zeit Eigenthum der adeligen Familie von Hohnstädt (Hoenstete) die in hiesiger Gegend auch späterhin noch einige Rittergüter besass. Friedrich von Hoenstete, Kellermeister des Markgrafen Friedrich, wird im Jahre 1304 als Wohlthäter der Thomaskirche zu Leipzig genannt, indem er dieser vierzig Acker in der Aue gelegenes Holz schenkte, auch trat er das ihm zustehende Recht, in der Mulde zu fischen, sowie seine Gerichtsbarkeit über die Fischer an Otto, den Propst im Kloster Zschillen, ab, der indessen Beides dem Kloster zu St. Thomas in Leipzig überliess. Das Kloster Nimptschen, welches in weitem Umkreise Besitzungen innehatte und Zinsen einnahm, erwarb sich 1392 zu Hohnstädt einundsechszig Groschen Zins, hundert Jahre vorher aber hatte schon der Pleban zu Grosspardau von Hohnstädt vier Schillinge zu beziehen. Zu welcher Zeit das Rittergut aus dem Besitze der Familie von Hoenstete kam, ist nicht bekannt, im funfzehnten Jahrhundert aber gehörte dasselbe dem Augustinerkloster zu Grimma, welches im Jahre 1187 gestiftet worden war. Dieses besass bedeutende Güter und gehörte zu den ersten Klöstern, welche in Sachsen säkularisirt wurden, denn schon 1523 wurde jedem seiner Mönche anheim gegeben, ob er im Orden bleiben oder zur neuen Lehre übertreten wolle. Erst im Jahre 1541 legte der letzte Prior, Weissmantel hiess er, sein Amt nieder, und überliess dass Kloster mit den dazu gehörigen Gütern dem Landesherrn; aber nicht alle Brüder des Klosters folgten dem Beispiele ihres Priors, das bisherige Leben und die Räume in denen sie gewohnt waren ihnen lieb geworden, und sie fühlten keinen Trieb in anderen Klöstern Zuflucht zu suchen, da es ihnen nicht an Gelegenheit fehlte, das bequeme Leben fortzusetzen.

Churfürst Moritz hatte aus dem Kloster eine gelehrte Schule geschaffen und zum ersten Rector derselben M. Adam Siebern erwählt, der am 14. September 1550 die Weiherede hielt. Aber bald wurde es unheimlich in den alten Klostergebäuden, denn verschiedene Male hatte man bemerkt, dass aus einer unansehnlichen Thüre des Kreuzganges dunkle, geisterhafte Gestalten hervortraten, den einsamen Gang durchwandelten und nach einiger Zeit wieder lautlos verschwanden. Voller Grauen erzählten mehrere Schüler dem Rector was sie mit eigenen Augen wahrgenommen, dieser aber legte ihnen das tiefste Stillschweigen auf, und nachdem er am anderen Tage ein lange Selbstberathung gepflogen, liess er die jungen Leute auf sein Gemach rufen, und forderte sie auf in der nächsten Nacht mit ihm durch die unheimliche Pforte zu steigen und das schauerliche Geheimniss zu ergründen. Um Mitternacht versammelten sich Alle in der Klosterkirche, durch Gebet das Herz zu dem gefährlichen Abentheuer zu stärken, dann wurde eine Fackel angezündet und auf die geheimnissvolle Pforte zugeschritten. Durch einen leisen Druck öffnete sich diese und es zeigten sich Stufen, die abwärts führten. Plötzlich verlöschte die Fackel und rabenschwarze Finsterniss umgab die Nachtwandler, welche einige Augenblicke unentschlossen stehen blieben, endlich aber neuermuthigt weiter drangen, bis ihnen ein heller Raum entgegen leuchtete. Hier sassen die zurückgebliebenen Augustinermönche beim vollen Becher und genossen die Freuden, welche ihnen die Oberwelt nicht mehr bieten konnte. Gross war der Schreck der überraschten Zecher; ein alter graubärtiger Mönch aber sprang heftig empor, warf den Tisch mit Wein und Speisen um und rief den Brüdern zu die Eingedrungenen zu ergreifen und durch ihren Tod das Geheimniss zu wahren, jedoch die anderen Mönche, starr vor Schreck, waren nicht der Meinung des Alten, denn einer von ihnen trat dem Rector Sieber entgegen, mit der Bitte ohne Säumen umzukehren und am nächsten [87] Morgen den Eingang zu diesem Gewölbe fest vermauern zu lassen, über das Abentheuer tiefes Schweigen zu beobachten und zum Andenken an dieses Ereigniss einen Kelch von ihnen anzunehmen. Sieber versprach es und hielt Wort, am nächsten Morgen wurde die Pforte vermauert und von den Mönchen zeigte sich nie wieder eine Spur, jener Kelch aber, ein Prachtstück von gediegenem Golde, ist noch jetzt Eigenthum der Fürstenschule und wird bei der Abendmahlsfeier der Lehrer und Schüler gebraucht.

Nach der Säkularisation des Augustinerklosters blieb Hohnstädt eine Zeit lang Eigenthum des Landesherrn, gehörte zu Ende des sechszehnten Jahrhunderts dem Junker Christoph von Hirschfeld und gelangte später an den bekannten mehr berüchtigten als berühmten Staatsmann Dr. David von Döring, der 1638 starb und in der hiesigen Kirche begraben liegt. Von dessen sechs Söhnen erbte Hohnstädt mit Böhlen David Friedrich von Döring, des heiligen Römischen Reichs Gefreyter, dem Adam Friedrich von Döring folgte, der 1696 mit Tode abging. Ernst Friedrich von Döring, des Vorigen Sohn, baute in der Klosterkirche zu Grimma die sogenannte Hohnstädter Empore, und starb im Jahre 1742, worauf sein Nachfolger der Hauptmann Ernst Friedrich von Döring das Gut 1787 an eine Frau Loth in Leipzig verkaufte, von deren Familie es Herr Devrient an sich brachte. Der jetzige Eigenthümer von Hohnstädt ist Herr Dr. T. A. Platzmann in Leipzig.

Die Kirche zu Hohnstädt wurde früher von einem Kaplane des Augustinerklosters verwaltet, nach der Reformation aber lehrte hier der Pfarrer Ambrosius Neumann, den Luther selbst von Wittenberg hierher geschickt und dringend empfohlen hatte. Eingekircht sind Bahren, Böhlen, Burgberg und Rappenberg; Filial ist das zum Rittergute Seelingstädt gehörige Beyersdorf. Die Collatur über Kirche und Schule zu Hohnstädt üben abwechselnd die Besitzer der Rittergüter Hohnstädt und Böhlen.

Zu dem Rittergute Hohnstädt gehört auch das Dorf Grosssteinberg, an der Poststrasse von Leipzig nach Grimma, am Ufer der Parthe und dem Fusse eines Hügels gelegen, welcher letztere vormals der grosse Stein genannt wurde, woher das Dorf seinen Namen erhalten haben mag. Der Ort; bildet zwei Gemeinden, welche die grosse und kleine genannt werden. Zu der grossen Gemeinde gehören das herrschaftliche Vorwerk, einundzwanzig Nachbarn und zwölf Häusler, die kleine besteht nur aus zwölf Häuslern; die ganze Einwohnerzahl aber aus etwa dreihundertfunfzig Köpfen. Bemerkenswerth ist der in Grosssteinbergs Nähe gelegene grosse Brandberg, welcher wegen seiner überraschenden Aussicht auf das Parthethal, bis Leipzig hinab, häufig besucht wird.

Ueber die Gründung des Dorfes Grosssteinberg fehlen alle Nachrichten und von seinen späteren Schicksalen weiss man nur, dass es im Hussitenkriege sehr heimgesucht und ein dazu gehöriger Ort gänzlich verwüstet und nicht wieder aufgebaut wurde, woher verschiedene hiesige Gerechtigkeiten stammen sollen. Das herrschaftliche Vorwerk besitzt schöne grosse Gebäude und namentlich einen sehr geräumigen Hof.

Die Kirche zu Grosssteinberg, Filia von Pomsen, war einst eine katholische Kapelle, die von dem Augustinerkloster zu Grimma mit Geistlichen versorgt wurde. Hier befand sich auch eine Kaplanei, welche man nach der Reformation in ein Bauergut umwandelte. – Der Bau der Kirche verräth ein hohes Alterthum, nur die Leichenhalle ist erst in neuerer Zeit (1728) dazu gekommen, zu welcher Zeit auch eine neue Orgel herkam; sehr bemerkenswerth aber ist das Altargemälde, die Einsetzung des Abendmahls darstellend, welches von Kunstkennern für ein Meisterwerk erklärt wird. Das Vermögen der Kirche, welches früher nicht unbedeutend war, ist auf etwa dreihundert Thaler zusammengeschmolzen. Die Schule wurde im Jahre 1822 neuerbaut. Collator über die Schule zu Grossteinberg ist der Rittergutsbesitzer auf Hohnstädt.

O. Moser.