Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Gablenz

Textdaten
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Autor: Otto Moser
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Titel: Gablenz
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aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 36–37
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV 063.jpg
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Gablenz.
bei Crimmitzschau.


Gablenz liegt, kaum eine halbe Stunde von Crimmitzschau und drei Stunden von Zwickau entfernt, an der Crimmitzschau-Glauchaer Strasse in ziemlich fruchtbarer hügelreicher Gegend. Das Dorf, dessen Fluren mit Leitelshain, Crimmitzschau, Waldsachsen, Denheritz, Lauenhain und Ungewiss rainen, zieht sich an einem kaum merklichen Bächlein in westlicher Richtung über tausend Schritte nach dem freundlichen Thale der Gablenz herunter, die in Harthau aus zwei in einanderfliessenden Bächen entstehend Lauenhain durchrinnt und bei Ungewiss eine nordwestliche Richtung einschlagend in der Nähe von Leitelshain in die Pleisse fällt. Gablenz ist nach einem im Jahre 1821 stattgefundenen starken Brande neu und hübsch aufgebaut worden und besteht aus einem bedeutenden Rittergute mit trefflichen Gebäuden, schönem Garten, starker Schäferei, Brennerei und Ziegelei, sowie zwanzig Bauergütern, zwölf Gartennahrungen und dreissig Häusern. Nach der neusten Zählung bewohnen Gablenz vierhundert und achtzehn Personen. Das eine der beiden Thäler, in welchem der Ort sich hinstreckt mündet in ein anderes, welches von Süden nach Norden läuft und das Paradies genannt wird. Bei Frankenhausen verbindet sich das Paradies mit dem Pleissenthale.

Das schöne grosse Rittergut Gablenz, welches ausser der Hälfte von Gablenz das ganze Dorf Ungewiss und Antheile von Seiffertitz, Denheritz, Harthau, Leitelshain, Frankenhausen, Waldsachsen und Thonhausen besitzt, ist der Stammsitz des alten ritterlichen Geschlechts der Herren von der Gablenz, welches bereits schon im zwölften Jahrhundert auf dem hiesigen Schlosse hauste. Ein altes im Crimmitzschauer Rathsarchive befindliches Familienbuch erzählt dass schon 930 ein Junker des Geschlechts „von der Gabel“ mit Schild und Helm begraben worden sei, worauf Herr Magwitz von Schönburg auf Crimmitzschau dessen Güter, mit Erlaubniss des Papstes und Kaisers, zu einem geistlichen Lehn gemacht, solches St. Georgs Capelle genannt und einem Priester verliehen habe, der darin wöchentlich zwei Messen zu lesen verpflichtet war. Gottschalk von Gablenz wird 1117 erwähnt und 1254 Herrmann von Gabelenz. Erich von Gabelenz, Heinrich von Cowitz und Hermann von Oelsen waren 1305 Burgmänner auf dem Schlosse Schweinsburg, deren Güter ihnen Herrmann von Schönburg unter der Bedingung in Lehn gegeben hatte, dass sie auf sein Verlangen die Schweinsburg besetzen und vertheidigen halfen. Genannter Erich von Gabelenz unterzeichnete in demselben Jahre eine Urkunde, worin Friedrich von Schönburg dem Kloster Frankenhausen sein Patronatsrecht über die Pfarre zu Zschernitzsch abtritt. Henze von Gabelenz‚ Voigt auf dem Schlosse Schweinsburg war 1360 Zeuge bei einer Verhandlung zwischen Hermann von Schönburg und demselben Kloster, und Heinrich von Gabelenz nebst seiner Hausfrau Anna verkauften vier Viertel Lehn Feld und einen Garten am Rudelswaldaer Wege, davon man jährlich ein Schock guter neuer Creuziger Groschen Freiberger Münze zinsete zu einer ewigen Messe im heiligen Kreuz zu Crimmitzschau den Altarleuten Friedrich Scheidebach und Nickel Hertel für elf Schock neuer Creuziger Groschen Freiberger Münze. Hans von Gabelenz wird 1436 genannt und Heinrich von Gabelenz 1465, dessen Söhne Hans und Georg von Gabelenz 1486 auch Wendischleube besassen. Da die Herren von Gablenz auf Gablenz und Ungewiss abwechselnd mit den Herren von Stange das Vikariat des Altenburger Burggrafenthums versahen so erhielt 1529 Georg von Gablenz deshalb einen Schadenersatz. Bei der Befreiung Markgraf Friedrichs mit der gebissenen Wange aus der Gefangenschaft befand sich unter seinen Rettern auch ein Georg von der Gabelenz auf Ungewiss und Gabelenz, dessen Sohn, Albrecht, Abt zu Altenburg das Kloster Pforte reichlich dotirte, später aber aus dem geistlichen Stande schied und sich verheirathete. Dasselbe thaten seine Söhne, Christoph von Gabelenz Domherr zu Mainz und Hans von Gabelenz Ritter des deutschen Ordens. Des Letzteren Sohn war Schlosshauptmann zu Altenburg, dessen Sohn Dietrich von Gablenz 1397 als Dekan des Pleissnerlandes genannt wird. Um diese Zeit war das Gut Gablenz an einen Ritter von Grunenberg verpfändet.

Im Jahre 1533 kam Gablenz von Georg von Gabelenz an Heinrich von [37] Schönburg[VL 1] auf Ruppersgrün. Damals wurde das Rittergut bisweilen Ungewiss bisweilen Gablenz genannt, weil es zwischen beiden Dörfern gelegen ist. Bereits 1570 gehörte das Gut Abraham von Thumshirn auf Frankenhausen, der 1583 mit Tode abging. Sein Sohn, Wilhelm Abraham von Thumshirn auf Frankenhausen, Gablenz, Kaufungen und Breunsdorf, war ein sehr gelehrter Mann und grosser Priesterfreund; er starb 1666 ohne männliche Nachkommen und so kam das Gut an seinen Neffen Conrad. Als 1674 die Thumshirns das Geleit zu Crimmitzschau in Lehn und ihren Geleitseinnehmer daselbst hatten, sollten sie das Pflaster bessern lassen und vereinigten sich mit dem Rathe dahin, dass während der Dauer ihres Geleitsbesitzes sie jährlich acht Gülden zur Erhaltung des Pflasters an die Stadt zahlen wollten, auch befreieten sie die Bewohner der Dörfer Frankenhausen, Lauenhain, Gablenz, Waldsachsen, Leitelshain, Wahlen, Naundorf, Denkritz, Lauterbach, Schiedel, Bosenhof, Kleinhessen, Culten, Langenreinsdorf, Thonhausen, Mannichswalde, Rudelswalde, Josa, Heyersdorf und Grünberg, sobald sie Feldprodukte nach der Stadt führten, von jedem Geleite.

Im siebzehnten Jahrhundert besassen Gablenz Volmar Dietrich von Zehmen, und nach ihm Georg Ernst von Zehmen, welcher Letztere 1724 ohne Erben starb. Das Gut kam nunmehr an die Herren von Planitz und um das Jahr 1764 an einen Herrn von Schmertzing, der 1781 ein Legat gründete nach dessen Bestimmung der Gerichtshalter und Pfarrer die Zinsen eines ansehnlichen Capitals an verschämte Arme zu verabreichen haben. Später besass Gablenz der Amtspächter Müller in Callenberg von dem es 1820 der Kaufmann Kirsch zu Glauchau erkaufte. Nach ihm gehörte das Gut dem Amtsrath Leukard; der jetzige Besitzer ist Herr K. R. A. Hager.

Die Dörfer Mosel, Gablenz, Lauterbach, Schiedel, Niederhessen und das späterhin sogenannte Kitschergut kommen in einer Urkunde von 1474, worin Hans Federangel, einem reichen Zwickauer Bürger, das Schloss Schweinsburg mit Zubehör als Pfand für eine geliehne Summe Geldes verschrieben wird, das letzte Mal als Burglehn von Schweinsburg vor, indem Federangel die Güter dergestalt mit überkam, dass, wenn eines dieser Lehne sich erledigte, der Pfandinhaber dasselbe bis zum Wiederkauf an sich behalten und nutzen solle. Die Besitzer dieser Lehen hiessen Burgmänner und hatten auf Verlangen des Schlossherrn auf Schweinsburg eine Anzahl Männer, Schlosserer genannt, zur Vertheidigung der Schweinsburg zu stellen, die dafür das Jus praesidii und einige Freiheiten genossen.

Die hiesige Kirche – wohin ausser Gablenz das Dorf Ungewiss, ein Gasthof und eine Mühle eingepfarrt sind – sowie die Pfarre, Schule und zwei Güter gehören unter das Amt in Zwickau, welches mit dem Superintendenten zu Werdau die Kirchen- und Schulinspection bildet, darum in Gablenz sich auch ein besonderer Collaturrichter befindet. Die übrigen Feuerstätten, ausser einem Gute, welches zu Schweinsburg gehört, stehen unter dem Rittergute Gablenz. Im Jahre 1687 wurde in hiesiger Kirche eine vom Pastor Dinter bekehrte Türkin unter vielen Feierlichkeiten getauft. Filial von Gablenz ist das eine halbe Stunde entfernte Waldsachsen, wo bis zur Reformation eine kleine Capelle stand. Die Einwohner von Waldsachsen tragen fast durchgängig die Tracht der Altenburger Bauern.

Otto Moser, Red.     



Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: Schönfels