Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Bockwitz

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Bockwitz
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aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 225–226
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Bockwitz


gewöhnlich Rittergut Bockwitz genannt, ist früher Vorwerk des Bornaer Schlosses gewesen.

Die erste Zwingfeste in Borna ist wohl im 9. Jahrhundert entstanden und im 13. Jahrhundert wird uns schon ein Albert von Borna genannt, doch wechselte später der Besitz in schneller Reihenfolge, aber die eigentlichen früheren Besitzungen sind stets der Stadt Borna verblieben. Der Kaufvertrag von Michaelis 1493 zwischen dem Stadtrathe zu Borna und Casper von der Jahne ist deshalb hier nicht unerwähnt zu lassen.

Letzterer verkaufte nämlich im gedachten Jahre an den Stadtrath das in der Hausgasse gelegene Schloss mit Wäldern, Gärten, Erbgerichten, 14 Gärtnereien, Zinsen, Frohnen, Gehölzen, Aeckern, Wiesen, Teichen, Fischereien und Triften mit den Gütern Dommelwitz, Bockwitz und Heringsdorf mit einem Theile der Gonndorfer Flur, und endlich die Holzmühle um und für die Summe von 6967 Rthlr.

Man sollte wähnen, dass ein so vortheilhafter Kauf für Borna segensreich hätte wirken müssen: Nichts weniger als dies.

Die zum Schlossgute gehörigen Grundstücke wurden übel bewirthschaftet; einen grossen Theil der Waldung veräusserte man; der Stadtrath übernahm die Bewirthschaftung der Mühlen selbst und diese brachten nicht so viel ein, dass vom Ertrage die Unterhaltungskosten gedeckt werden konnten; ja man hielt es zuletzt für besser, die sämmtlichen Rittergutsfelder für einen unbedeutenden Lastzins den einzelnen Bürgern zu überlassen.

Dieser traurige Zustand hatte zur Folge, dass ums Jahr 1600 das Stadtvermögen dem Banquerotte nahe kam.

Zwar sendete die Herzogin Sophie 1601 einen Notar ab, welcher den Activ- und Passivbestand der Stadt Borna aufnehmen musste, aber das Uebel selbst wurde dadurch nicht gehoben.

Die Krisis dauerte bis zum Jahre 1740.

Zu dieser Zeit wurde eine bessere Controle eingeführt, indem die Stadtverwaltung unter eine permanente Commission gestellt wurde.

Diese Commission entnahm den Bürgern die ihnen lastweise übergebenen Grundstücke und verpachtete dieselben.

Unterdessen hatte man das in der Hausgasse gestandene alte Schloss weggerissen.

Daher kam es, dass dem Pachter der Keller vor der Stadt (der Zimmerhof) als Wohnung eingeräumt, dass hinter diesem Keller ein interimistischer Wirthschafthof eingerichtet, und endlich zum Baue eines grossen Wirthschaftshofes in dem zum Rittergute Burglehne gehörigen Dörfchen Bockwiz verschritten wurde; und so ist Bockwiz bis auf die neuesten Zeiten im Besitz des Stadtrates von Borna geblieben, die Bewirthschaftung [226] selbst aber von Jahr zu Jahr verbessert und vermehrt worden. Denn nach Einführung der Städte-Ordnung umfasst der Stadtbezirk Stadt mit Vorstädten Borna, das Rittergut Bockwitz und 20 Häuser von Haulwiz. Nach einer Rechnung von Jahre 1839 betrug das Communalvermögen 190025 Thlr. Activ- und 23791 Thlr. Passivvermögen.

In Bockwitz, welches früher ein kleines Dörfchen gewesen, aber 1295 zerstört worden, wohnt der Pächter der Rittergutsfelder, und die Wirthschaftsgebäude mit der Schäferei, die sich hier befinden, sind vortrefflich eingerichtet.

Das Jahr 1295, welches wir oben erwähnt haben, war für die hiesige Gegend überhaupt ein unheilvolles Jahr, welches durch den Streit des Kaisers Adolph von Nassau mit den Brüdern Friedrich und Diezmann über den Kauf des Pleissnerlandes herbeigeführt wurde.

Die hintergangenen Brüder Friedrich und Diezmann widersetzten sich, Kaiser Adolph fiel mit einem Heere in das Pleissnerland ein und eroberte es förmlich.

Später rückte Adolph an den Rhein und übertrug seinem Onkel Graf Philipp von Nassau das Commando.

Zwischen diesem und den Markgrafen kam es 1295 bei Bockwitz und Borna zur Schlacht, in welcher Philipp zwar besiegt aber die Belagerung der Stadt Borna herbeigeführt, wodurch die hiesige Gegend hart mitgenommen wurde. Ueberall fand man die schrecklichste Zerstörung durch Plünderung und Brand ganze Dörfer verschwanden, ohne je wieder zu erstehen.

Erst mit dem Jahre 1307 wurden die Kaiserlichen aus dem Lande getrieben und nach 16jährigem Streit erhielt Friedrich als Erbe die Wettin’schen Besitzungen wieder, nachdem kurz zuvor sein Bruder Diezmann in der Paulinerkirche[WS 1] zu Leipzig durch Meuchelmord gefallen war.

Nachher war Borna mit Zubehör noch öfter verschiedenen Herren unterworfen. Erst durch die Wittenberger Kapitulation fiel es an die Albertinische Linie und zunächst an Kurfürst Moriz.

Durch die veranlassten Streitigkeiten um den Besitz Bornas sind überhaupt mehrere frühere Dörfer hier untergegangen, als Bockwitz Absdorf (Abtsdorf), Tummelwitz oder Dammelwitz, Caulwitz, jetzt zu Zedtlitz gehörig, Heringsdorf, Hertzdorf und das wendische Dorf Trojan. Denn die Sorben-Wenden waren es, welche alle diese Orte angelegt hatten, zu Kohren und Geithain grosse Festen besassen.

Erst durch Herzog Heinrich, 919, wurden die fleissigen Ackerbau treibenden Sorben mit ihren Besitzungen unterjocht und den königlichen Beamten statt des Gehaltes die Besitzungen zur Benutzung angewiesen.

Die[WS 2] Nationalität der Sorben wurde im Pleissnerlande mit ihrer Sprache und ihrer früheren Religion nach und nach vernichtet, eine Nationalität, die sich nur im Altenburgischen in der eigentlichen Bauerntracht noch erhalten hat.

Bockwitz ist mit Altstadt Wenigenborn, Gnandorf, Haulwitz, Vorwerk Rötha nach Borna gepfarrt, dem es auch hinsichtlich der Justizpflege unterworfen ist.

M. G.     



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Panlinerkirche
  2. Vorlage: Dle