Hauptmenü öffnen

Rescript des Königs von Preußen an den Minister von Wöllner, welches auch wohl zum Theil noch jetzt passen dürfte

Textdaten
<<< >>>
Autor: Friedrich Wilhelm III.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Rescript des Königs von Preußen an den Minister von Wöllner, welches auch wohl zum Theil noch jetzt passen dürfte
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 218
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[218] Rescript des Königs von Preußen an den Minister von Wöllner, welches auch wohl zum Theil noch jetzt passen dürfte. „Die Deutung, welche Ihr meiner Order vom 23. November v. J. in Eurem unterm 5. December an die Consistorien erlassenen Rescripte gegeben habt, ist sehr willkürlich, indem in jener Order auch nicht ein Wort vorhanden ist, welches nach gesunder Logik zur Einschärfung des religiösen Edicts hätte Anlaß geben können. Ihr sehet hieraus, wie gut es sein wird, wenn Ihr bei Euren Verordnungen künftig nicht ohne vorherige Berathschlagung mit den geschäftskundigen und wohlmeinenden Männern, an denen in Eurem Departement kein Mangel ist, zu Werte geht, und hierinn dem Beispiel des verewigten Münchhausen folget, der denn doch mehr, wie viele Andere, Ursache gehabt hätte, sich auf sein eigenes Urtheil zu verlassen. Zu seiner Zeit war kein religiöses Edict, aber gewiß mehr Religion und weniger Heuchelei, wie jetzt, und das geistliche Departement stand bei Einländern und Ausländern in der größten Achtung.

Ich selbst ehre die Religion; folge gern ihren beglückenden Vorstellungen, und möchte um Vieles nicht über ein Volk herrschen, welches keine Religion hätte, aber ich weiß auch, daß sie Ruhe des Herzens, des Gefühls und der eigenen Ueberzeugung seyn und bleiben muß, und nicht durch methodischen Zwang zu einem gedankenlosen Plapperwerk herabgewürdigt werden darf, wenn sie Tugend und Rechtschaffenheit befördern soll. Vernunft und Philosophie müssen ihre unzertrennlichen Gefährten sein; dann wird sie durch sich selbst fest stehen, ohne die Autorität Derer zu bedürfen, die es sich anmaßen wollen, ihre Lehrsätze künftigen Jahrhunderten aufzudringen, und den Nachkommen vorzuschreiben, wie sie zu jeder Zeit denken sollen.

Wenn Ihr bei Leitung Eures Departements nach echt lutherischen Grundsätzen verfahret, welche so ganz dem Geist und der Lehre des Stifters unserer Religion angemessen sind, wenn Ihr dafür sorget, daß Prediger- und Schulämter mit rechtschaffenen und geschickten Männern besetzt werden, die mit den Kenntnissen der Zeit, und besonders der Exegese fortgeschritten sind, ohne sich an dogmatische Subtilität zu kehren, so werdet Ihr es bald einsehen können, daß weder Zwangsgesetze noch deren Erinnerung nöthig sind, um wahre Religion im Lande aufrecht zu erhalten, und ihren wohlthätigen Einfluß auf das Glück und die Moralität aller Volksclassen zu verbreiten. Ich habe Euch meine Meinung auf Euren Bericht vom 10. Januar nicht vorenthalten wollen.

Berlin, den 12. Januar 1798.
F. W.“