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Reise eines Bürgers von Schwäbisch Gmünd nach Ellwangen

Textdaten
Autor: Johannes Scherr
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Titel: Reise eines Bürgers von Schwäbisch Gmünd nach Ellwangen (WS)
Untertitel:
aus: Deutsche Kultur- und Sittengeschichte. 6. Auflage, Leipzig 1876, S. 301-302
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Otto Wigand
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Siehe auch Schwäbisch Gmünd
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[301] Ich besitze den handschriftlichen Bericht über die Fährlichkeiten der Reise eines Bürgers von Schwäbisch-Gmünd nach Ellwangen, welche in den Spätherbst 1721 fiel. Die Entfernung der genannten Städte von einander beträgt etwa neun Poststunden.[1] Der Reisende, ein wohlhabender Mann, ging in Gesellschaft seiner Frau und ihrer Magd am Montag Morgen, nachdem er am Tage zuvor in der Johanniskirche „für glückliche Erledigung vorhabender Reise“ eine Messe hatte lesen lassen, aus seiner Vaterstadt ab. Er bediente sich eines zweispännigen sogenannten [302] „Plahnwägelchens“. Noch bevor er eine Wegstunde zurückgelegt und das Dorf Hussenhofen erreicht hatte, blieb das Fuhrwerk im Kothe stecken, daß die ganze Gesellschaft aussteigen und „bis über’s Knie im Dreck platschend“ den Wagen vorwärts schieben musste. Mitten im Dorfe Böbingen fuhr der Knecht „mit dem linken Vorderrad unversehendlich in ein Mistloch, daß das Wägelchen überkippte und die Frau Eheliebste sich Nase und Backen an den Plahnreifen jämmerlich zerschund.“ Von Mögglingen aus bis Aalen musste man drei Pferde Vorspann nehmen und dennoch brauchte man sechs volle Stunden, um letztgenannten Ort zu erreichen, wo übernachtet wurde. Am andern Morgen brachen die Reisenden in aller Frühe auf und langten gegen Mittag glücklich beim Dorfe Hofen an. Hier aber hatte die Reise einstweilen ein Ende, denn hundert Schritte vor dem Dorfe fiel der Wagen um und in einen „Gumpen“ (Pfütze), daß alle „garstig beschmutzet wurden, die Magd die rechte Achsel auseinanderbrach und der Knecht sich die Hand zerstauchte.“ Zugleich zeigte sich, daß eine Radachse gebrochen und das eine Pferd am linken Vorderfuße „vollständig gelähmet worden". Man musste also zum zweitenmale unterwegs übernachten, in Hofen Pferde und Wagen, Knecht und Magd zurücklassen und einen Leiterwagen miethen, auf welchem die Reisenden endlich „ganz erbärmlich zusammengeschüttelt“ am Mittwoch „um’s Vesperläuten" vor dem Thore von Ellwangen anlangten.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Neun Poststunden entsprechen in etwa 33,4 km. Die Länge der beschriebenen Strecke beträgt auf heutigen Straßen ca. 41 km.