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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Otto der Schütze
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 2, S. 353-355
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Commons,Google
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
Bild
Deutsche Sagen (Grimm) V2 373.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
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[353]
562.
Otto der Schütze.

Senkenberg selecta III. 352 - 363.
Spangenbergs Adelspiegel TH. 2. Buch 9. Cap. 3.
J. H. Schminke Untersuch. von Otto dem Schützen.


Landgraf Heinrich der eiserne zu Hessen zeugte zwei Söhne und eine Tochter; Heinrich, dem ältesten Sohne, beschied er, sein Land nach ihm zu besitzen; Otto, den andern, sandte er auf die hohe Schule, zu studieren und darnach geistlich zu werden. Otto hatte aber zur Geistlichkeit wenig Lust, kaufte sich zwei gute Roß, nahm einen guten Harnisch und eine starke Armbrust, und ritt unbewußt, seinem Vater aus. Als [354] er an den Rhein zu des Herzogen von Cleve Hof gekommen war, gab er sich für einen Bogenschützen aus, und begehrte Dienst. Dem Herzog behagte seine feine, starke Gestalt, und behielt ihn gern; auch zeigte sich Otto als ein künstlicher, geübter Schütze so wohl und redlich: daß ihn sein Herr bald hervor zog, und ihm vor andern vertraute.

Unterdessen trug es sich zu, daß der junge Heinrich, sein Bruder, frühzeitig starb, und der braunschweiger Herzog, dem des Landgrafen Tochter vermählt worden war, begierig auf den Tod des alten Herrn wartete: weil Otto, der andere Erbe, in die Welt gezogen war, niemand von ihm wußte, und allgemein für todt gehalten wurde. Darüber stand das Land Hessen in großer Traurigkeit: denn alle hatten an dem Braunschweiger ein Mißfallen, und zumeist der alte Landgraf, der lebte in großem Kummer. Mittlerweile war Otto der Schütz guter Dinge zu Cleve, und hatte ein Liebesverständniß mit Elisabeth, des Herzogs Tochter, aber nichts von seiner hohen Abkunft laut lassen werden.

Dies bestund etliche Jahre, bis daß ein hessischer Edelmann, Heinrich von Homberg genannt, weil er eine Wallfahrt nach Achen gelobt hatte, unterwegs durch Cleve kam, und den Herzog, den er von alten Zeiten her kannte, besuchte. Als er bei Hof einritt, sah er Otten, kannte ihn augenblicklich, und neigte sich, wie vor seinem Herrn gebührte. Der Herzog stand gerade am Fenster, und verwunderte sich über [355] die Ehrerbietung, die vom Ritter seinem Schützen bewiesen wurde, berief den Gast, und erfuhr von ihm die ganze Wahrheit, und wie jetzt alles Erbe auf Otten stünde. Da bewilligte ihm der Herzog mit Freuden seine Tochter, und bald zog Otto mit seiner Braut nach Marburg in Hessen ein. (Otto geb. 1322. † 1366.)