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Textdaten
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Autor:
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Titel: Oetzthalerin
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aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 532
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
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[532] Oetzthalerin. (Zu unsrer Kunstbeilage.) So mannigfach geartet wie der landschaftliche Charakter der Alpenthäler ist auch der seelische Charakter ihrer Bewohner. In den nach Süden gerichteten Thälern, an deren üppigen grünen Geländen der Wein gedeiht, ist die Lebensstimmung der Bewohner vorwiegend froh und heiter, in den nordwärts gerichteten, wo der Landmann mühselig und unter Lebensgefahr auf Felsenhängen den spärlichen Graswuchs erntet und der fruchtbare Wiesengrund stets von Murbrüchen und Lawinen bedroht wird, ist das Gemüt dagegen meist ernst gestimmt. Solche Gegensätze gelangen auch in der Tracht zum Ausdruck. Kein farbenprangenderes stolzeres Kostüm in der ganzen Tiroler Alpenwelt, als das der Weinhüter von Meran! Wie schlicht und einfach tragen sich dagegen die Anwohner der felsumstarrten Hochthäler, welche sich aus der Welt des ewigen Eises gen Norden ziehen. Ernst und still erscheint auch die jugendzarte anmutige Oetzthalerin auf unserem Bild, ihr schlichtes Sonntagsgewand ermangelt des Farbenreizes. Schwarz der innen mit Seide gefütterte breitrandige Filzhut. Geschlossen bis zum Hals ist das dunkle Kleid, über dem sie ein blauseidenes Tuch einfach gefaltet trägt. Aber gerade die Harmonie zwischen dieser Tracht und dem inneren Wesen, das sich im Antlitz ausprägt, übt einen ungemein anziehenden Zauber aus.