Textdaten
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Autor: Otto Ernst
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Titel: Nis Randers
Untertitel:
aus: Siebzig Gedichte
S. 118–119
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1907
Verlag: L. Staackmann
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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[118]
Nis Randers.
Krachen und Heulen und berstende Nacht,
Dunkel und Flammen in rasender Jagd –
Ein Schrei durch die Brandung!
     Und brennt der Himmel, so sieht man’s gut:
5
Ein Wrack auf der Sandbank! Noch wiegt es die Flut;
Gleich holt sich’s der Abgrund.
     Nis Randers lugt – und ohne Hast
Spricht er: „Da hängt noch ein Mann im Mast;
Wir müssen ihn holen.“
10
     Da faßt ihn die Mutter: „Du steigst mir nicht ein:
Dich will ich behalten, du bliebst mir allein,
Ich will’s, deine Mutter!
     Dein Vater ging unter und Momme, mein Sohn;
Drei Jahre verschollen ist Uwe schon,
15
Mein Uwe, mein Uwe!“
     Nis tritt auf die Brücke. Die Mutter ihm nach!
Er weist nach dem Wrack und spricht gemach:
„Und seine Mutter?“
     Nun springt er ins Boot und mit ihm noch sechs:
20
Hohes, hartes Friesengewächs;
Schon sausen die Ruder.
[119]
     Boot oben, Boot unten, ein Höllentanz!
Nun muß es zerschmettern . . .! Nein, es blieb ganz! . . .
Wie lange? Wie lange?
25
     Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer
Die menschenfressenden Rosse daher;
Sie schnauben und schäumen.
     Wie hechelnde Hast sie zusammenzwingt!
Eins auf den Nacken des andern springt
30
Mit stampfenden Hufen!
     Drei Wetter zusammen! Nun brennt die Welt!
Was da? – Ein Boot, das landwärts hält –
Sie sind es! Sie kommen! – –
     Und Auge und Ohr ins Dunkel gespannt . . .
35
Still – ruft da nicht einer? – Er schreit’s durch die Hand:
„Sagt Mutter, ’s ist Uwe!“


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