Nachrichten von den Ruinen der alten Wasserleitung durch irdene Röhren bey der Stadt Röttingen im Taubergrund

Textdaten
<<< >>>
Autor: Anonym
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Nachrichten von den Ruinen der alten Wasserleitung durch irdene Röhren bey der Stadt Röttingen im Taubergrund
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 6, S. 294-298
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1793
Verlag: Raw
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Nürnberg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Nachrichten von den Ruinen der alten Wasserleitung durch irdene Röhren bey der Stadt Röttingen im Taubergrund.pdf
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


|
III.
Nachrichten von den Ruinen der alten Wasserleitung durch irdene Röhren bey der Stadt Röttingen im Taubergrund.

Wie sehr die Alten die Nothwendigkeit eines guten und reinen Wassers zum Gebrauche im menschlichen Leben erkannten, und mit welcher Mühe, und oft ausserordentlichen Kostenaufwande sie solches bey dessen Mangel aus weiten Entfernungen herbey zu schaffen suchten, dieß zeigen die berühmten Wasserleitungen der Römer, dieß ihr New River Head in London, wo aus einer Entfernung von zwanzig Meil Wegs das Wasser durch Hügel und über gegen sechshundert Schuhe tiefe Thäler geleitet wird, und dieß zeigen endlich auch noch die Ruinen der alten Wasserleitungen unserer Vorfahren durch irdene Röhren und Kanäle.

 Die Spuren einer solchen Wasserleitung fand ich unter andern bey dem alten Städtchen Röttingen im Taubergrunde, das in mancher Rücksicht des Forschers Blick verdienet. – Ungefähr zweytausend Schritte ausserhalb diesem Orte bemerket man auf der Strüter Höhe zwischen Weinbergen und Artfeld| eine Quelle, Petersbronn genannt, die vielleicht weit und breit in jener Gegend das beste Wasser reichet. Die alten Einwohner von Röttingen erkannten den Wehrt dieses in ihrer Nähe befindlichen Schatzes. Ihre Gesundheit war ihnen schätzbarer als Geld, und ein gesundes Wasser ihnen willkommner als Bacchus Becher. Das in der Stadt befindliche Wasser, welches sie aus Ziehbrunnen schöpften, hatte zu viele heterogene Theile und auf die Gesundheit keineswegs den besten Einfluß. Sie waren also darauf bedacht jene Quelle von der Strüter Höhe durch irdene Röhren in ihre Stadt zu leiten, und sie führten, ich weiß nicht, in welchem Jahre, diesen Anschlag wirklich aus. Sie ließen von einem Töpfer irdene Röhren in der Länge von anderthalb Schuhen und in einer Dicke von einem Zolle aus sehr gutem Tone verfertigen, und inwendig wohl glasiren, so wie man aus den noch vorgefundenen Stücken deutlich abnimmt, welche sie denn wohl in einander zusammen fügten, und auf solche Art jene Quelle in den Amthof der Stadt leiteten, wo das Wasser in einem steinernen Behälter, der noch jetzt daselbst anzutreffen ist, aufgefangen wurde.
.
|  Diese Anstalt mochte vielleicht lange schon gedauert haben, als zu Ende des vorigen Jahrhunderts ein Kind des dasigen Beamten aus Unvorsichtigkeit in den Wasserbehälter fiel und ertrank. Ein solcher Vorgang war nun hinreichend genug, diese Wasserleitung als kostbar, unnütz und sogar gefährlich zu schildern. Man lies daher ein Werk in aller Geschwindigkeit verfallen, dessen Einrichtung viele Zeit und Mühe gekostet hatte, und sowohl den ältern Einwohnern von Röttingen als ihrer damahligen Obrigkeit wahre Ehre machte. Zu spät bereuete man diesen Entschluß und die allzurasche Ausführung; man fühlte was man verloren hatte, und man sahe die Nothwendigkeit eines gesunden und reinen Wassers. Man faßte demnach von neuem den Entschluß, diese Wasserleitung herzustellen, und berief deßwegen den Hrn. Obristlieutenant Fischer aus Wirzburg, um die Lage einzusehen, und die beyläufigen Kosten zu berechnen. Er that es, und erbot sich, um 600 fl. das Werk wieder herzustellen, das der Tod eines unvorsichtigen Kindes zertrümmert hatte. Allein diese Geldsumme schien zu groß, die Sache unterblieb, und man schöpft noch auf den heutigen Tag das| Wasser zum Gebrauche aus den daselbst befindlichen Ziehbrunnen.

 Ich will hier eben nicht jenem Petersbronn das Lob sprechen, als enthalte er ganz reines Wasser; denn dieses werden wir nirgends finden, indem es allenthalben entweder Salz- oder Kalk- und Erdtheilchen u. s. f. bey seinem Durchflusse in der Erde antrifft, und derselben mehrere oder wenigere auflöst und mit sich führt, ja selbst der Thau durch die beständige salzichte Auflösung und Ausdünstung der Körper, deren Theilchen sich in der Luft zerstreuen, viele derselben enthält: – und diesemnach führt jenes Quellwasser viele Kalktheilchen mit sich, von welchen nicht einmahl der daselbst wachsende Wein frey ist; allein diese Quelle enthält doch immerhin das reinste Wasser jener Gegend, und vorzüglich der Stadt. Denn das Wasser der hieselbst befindlichen Ziehbrunnen ist mit einer unglaublich größern Menge heterogener Theilchen geschwängert und tritt, da meist nur der Segeritzer Bronnen (also genannt, weil er am Hause des Segeritz steht) benutzt wird, dem stehenden Wasser bey, dessen Unwehrt und Schädlichkeit sattsam entschieden ist.

 Es kommt aber hiezu noch der Umstand, daß solche offen stehende Brunnen auf allerley| Art verunreiniget, und der ganzen Stadt höchst schädlich werden können. Deßwegen suchte der verstorbene Amtskeller Kau den Segeritzer Ziehbrunnen in einen Pumpbrunnen umzuschaffen, und richtete wirklich eine Pumpe dahin; allein auch diese Anstalt schien der Stadt zu kostbar, und der Amtskeller sahe sich gezwungen, die Pumpe wieder zu entfernen, welche hierauf in dem dasigen Spitale angebracht, und von demselben bezahlt wurde.

 Sollte man glauben, daß eine Gemeinde, deren Vorfahren so vieles auf gesundes Wasser hielten, so sehr von denselben abgeartet wäre, und wie ganz der Einsicht in ihr eigenes Beste beraubt, sich mit so schlechtem und ihrer Gesundheit so nachtheiligem Wasser aus Schonung einer geringen Summe Gelds begnügen könnte?