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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Musäus
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aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 175–176
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[175] Musäus, der Verfasser der trefflichen „Volksmährchen“ war ein ungemein launiger und aufgeräumter Gesellschafter. Nichts war ihm aber fataler als Erkundigungen nach seiner Gesundheit oder Expcetorationen über [176] sein schlechtes oder gutes Aussehen. Er fing dann sofort an zu zählen, eins – zwei – drei etc. und so fort, bis die Anfragen oder Komplimente vorüber waren. Eines Tages nach einer längern erst eben überstandenen Krankheit, war er zu Tische geladen. Alles freute sich über sein gutes Aussehen, als er eintrat. Gegen Ende der Mahlzeit konnte es jedoch seine Frau nicht länger über sich gewinnen, zu verschweigen, daß er nur darum so gut aussehe, weil er sich geschminkt habe, als er in die Gesellschaft gegangen sei.

„Hast Du’s nun endlich vom Herzen herunter,“ sagte er darauf, „ist Dir nun leichter? Nun ja, ich habe mich roth angestrichen, um dem Bedauern wegen meiner Krankheit auszuweichen und lieber wegen meiner Gesundheit beneidet zu werden. Aber weil meine Frau eine solche Plaudertasche ist, so will ich nun auch das Maul nicht halten und erzählen, was mir mit ihr vor Kurzem auf dem Wege nach Erfurt passirt ist. Wir fuhren an einem blau blühenden Feld vorbei, und ich sagte: „Sieh’, wie schön der Flachs steht!“ Darauf weist meine Frau auf das Feld daneben und sagt, um ihre außerordentlichen Wirthschaftskenntnisse zu zeigen: „Auch das Werg daneben steht recht gut!“

Es dürfte übrigens wenig bekannt sein, daß sich Musäus seine Volksmährchen, die durch die geniale Einkleidung allerdings die seinigen wurden, von einem kleinen Kerl, einem gewesenen Tambour, Namens Rüppler, erzählen ließ, den er mit einer Pfeife Taback und einem Glas Schnaps in die geeignete Stimmung und Begeisterung zu setzen verstand.